Motorradreise zum Dach der Welt
Brennender Berg – Schlafender Drache – Weiße Riesen

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Eine Motorradtour über 2400 Km durch Zentralasien, Kirgistan und Tadschikistan ist sicher kein Urlaub sondern ein Abenteuer. Einen kurzer Teil davon auf dem „Pamir Highway“, nach dem Karakorum Highway die zweithöchst gelegene, befestigte Fernstraße der Welt, sie wechselt die Beschaffenheit wie das Wetter im Gebirge – mal ist es eine Schotterpiste, mal ist es eine geteerte Straße, die sich bereits in verschiedenen Auflösungsstadien befindet. Asphaltbruch, Schotter, Schlaglöcher ohne Ende und manchmal fehlt ein Stück und es geht durch ein Flussbett, manchmal führt sie schnurgerade durch weite leere Hochgebirgswüsten, streckt sich bis auf 4.655m hinauf und manchmal findet sie gerade noch gefährlich nahe am Abgrund ihren Platz.
In Osh (Kirgistan) treffe ich die übrigen 10 Teilnehmer an der geführten Tour, gemeinsam besuchen wir den zentralen Markt und erhalten erstmals einen guten Einblick in die Lebensweise der Kirgisen. Eine erste Etappe führt dann hinaus in die kirgisische Steppe über die sanft geformten Grasberge an den Papan-See am südlichen Rand des 300 Kilometer langen und bis zu 100 Km breiten, dicht besiedelten Fergana-Tales.
Perle im Gebirge, ein blutiger Berg und höchste Gastfreundschaft
Über Khujand kommen wir nach Istaravshan, eine der ältesten Städte Mittelasiens. Wir finden die beeindruckende Kok-Gumbaz-Moschee (1420), bewundern ihre harmonische Gesamtkonzeption, das wunderschön geschnitzten Holztor und natürlich die kunstvoll mit Kacheln verkleideten Fassade mit der darüber sichtbaren türkisfarbenen Kuppel. Weiter über den Shakristan-Pass mit 3.378 m, an der Abzweigung nach Samarkand vorbei, und auf einer Naturpiste zum Homestay, dem gleich einer Perle im Gebirge gelegenen Iskanderkul - der See des Alexander- auf einer Höhe von 2255 m. Nächsten Morgen haben grünes Licht für die alte, längst gesperrte Anzob-Passstraße und müssen nicht durch den 5040 m langen Tunnel, der früher als gefährlichster Tunnel der Welt galt, weil man ihn ohne Einbau einer Fahrbahn und ohne Beleuchtung 2006 einfach in Betrieb genommen hat. Bei Rabot sehen wir Rauch- oder Staubfahnen aus den Hängen des Berges Kantagh aufsteigen. Der Name bedeutet „blutiger Berg“, tatsächlich glosen wohl tief im Berg seit Generationen Kohleflöze, während an der Westseite des Berges Kohle über Tag abgebaut wird. Jetzt beginnt für uns die erste Herausforderung auf einer seit Jahren gesperrten und nicht mehr Instand gehaltenen Strecke die uns bis auf 3.373 Meter führt. Durch Schneefelder, über Fels- und Geröllblockaden kommen wir auf den 3.373 m hohen Anzob-Pass. Vom Wetterbeobachter und seiner Frau, werden wir mit Tee, Brot und Joghurt bewirtet, sie stellt dies mangels Tisch einfach auf die Straßenmitte und bittet uns zuzugreifen. Der Islam sagt ihnen, Gäste zu bewirten bringt Segen für die Familie und bei weit angereisten Gästen ganz besonderen Segen.
Staudamm-Weltmeister und Hitzepol
Die im Tagebau gewonnene Kohle wird nur für Beheizung verwendet, die Erzeugung elektrischer Energie erfolgt ausschließlich mit Wasserkraftwerken. Es wird im Winter noch Strom importiert aber das wird sich ändern wenn der gigantische Schüttdamm von Ob-i Garm mit über 350 Metern Höhe fertiggestellt wird (gebaut wird seit den 80er-Jahren). Über die Höhe des Staudammes und die Flutung des Stausees kam es zwischen Tadschikistan und Usbekistan zu heftigen Konflikten. Usbekistan fürchtet, dass in den 4 bis 5 Jahre die das Auffüllen dauern wird bedeutend weniger Wasser für die Baumwollfelder bekäme. Das Wasser soll hier ein 3600 Megawatt-Kraftwerk treiben (Jochenstein 132 MW). Bei einer Lufttemperatur von 42 Grad treffen wir in der Hauptstadt Dushanbe ein, der Asphalt kocht, die Motoren sind heiß also fühlte es sich für uns wie 60 Grad an! Die Stadt weist im Zentrum großzügige Parkanlagen mit Brunnen, Denkmälern und protzigen Regierungsbauten auf. Ein zentrales Problem in dem äußerst armen Land (BIP Kaufkraftbereinigt USD 3.211) ist der Drogenhandel, hier spielt Tadschikistan noch immer eine große Rolle. Wir verlassen die 900.000 Einwohner Stadt östlich in Richtung Ob-i Garm und Talvidara. Diese Route führt über den 3.252 m hohen Khaburabot Pass hinab nach Kalaikhum. Im Tal des Vakhsh ist vor dem Dorf Talvidara Schluss, wir stehen vor einem riesigen Geröll- und Schlammkegel der wohl im Frühling vom Berg herabgeschossen ist und die Straße hier für 300 Meter völlig unpassierbar macht. Wir finden eine Ersatzstrecke und erreichen ohne weitere Probleme zum Zeitpunkt des Sonnenunterganges die Passhöhe. Am Ende der Abfahrt reagieren zu spät als uns ein Militärposten anhalten will. Wir beruhigen die Soldaten, Dani, unser Begleiter weist wieder einmal alle Dokumente vor und 30 Minuten später sind wir im Homestay in Kalaikhum.
Vorbei am schlafenden Drachen
An der Tankstelle liefert schon ein chinesischer LKW den begehrten Sprudel. Der Liter kostet so um die 72,00 Somoni also etwa 0,75 Euro! Weiter zum Ufer des Panj. er ist der 921 km lange, linke Quellfluss des Amudarja, er ist der wasserreichste Zufluss und stellt so hydrologisch den Hauptstrang des Amudarja-Flussystems dar. Wir fahren heute die gesamte 240 Km Tagesetappe direkt an diesem gewaltigen Gebirgsfluss entlang, manchmal ist es echt beängstigend: die Straßenböschung fällt unmittelbar und steil hinab zum dahinschießenden Wasser, das Tosen der Wellen überlagert das Motorgeräusch. Nach sieben Stunden Fahrzeit erreichen wir Khorog die Hauptstadt der Autonomen Region Gorno-Badakhshan und Sitz der Aga-Khan-Stiftung von der die ismailitischen Pamiri gefördert und finanziell unterstützt werden. Heute sind wir etwa 70 Kilometer vor Khorog in Rushan durchgefahren, dieser Ort liegt am Beginn des Bartang Tales. Durch dieses Hochgebirgstal führt eine sehr schwierige Piste auf der man nach ca. 100 km den Ort Roshorv erreicht und dort kommt von rechts der Murghob, der Abfluss aus dem geheimnisvollen Sarez-See.1911 kam es in diesem Seitental, infolge eines verheerenden Erdbebens zu einem gewaltigen Bergsturz, dabei entstand der mit 600 m weltweit höchste natürliche Staudamm hinter dem sich in den folgenden Jahrzehnten auf 3263 m ein 55 km langer See mit einem Volumen von unglaublichen 17 Kubikkilometern Wasser. Man fürchtet, dass der Damm durch ein weiteres Erdbeben brechen könnte, dies wäre eine unvorstellbare Katastrophe für alle Bewohner des Bartang- und des Panj-Tals. Die Wassermassen würden mit einer anfangs 150 bis 170 Meter hohen Flutwelle alles mit sich reißen, fünf Millionen Menschen bis zum Amu-darya wären betroffen. Tadschikistans Seen zeichnen sich durch ihre malerische Lage und Schönheit aus, nur der Sarez-See verbreitet das Gefühl der Angst und wird deshalb auch als schlafender Drache – sleeping dragon – bezeichnet! Ich war echt erleichtert als wir diese Zone hinter uns hatten.
Wir verlassen den Pamir-Highway, fahren auch heute immer am Panj-Fluss entlang. Diese Nebenstrecke ist vom Zustand her noch schlechter ab hier ist nahezu null Verkehr. In kleinen Dörfer in denen mit Hilfe der Bewässerungssysteme viele kleine Bäume ihren Schatten spenden sind die Stämme der jungen Bäume, meist Pappeln mit Dornenzweigen vor den spitzen Mäulern der Ziegen geschützt und können so rasch hochwachsen um später wertvolles Holz als Baumaterial zu liefern. Überall laufen die Kinder an den Straßenrand und begrüßen uns mit lautem HELLOOOO und die Erwachsenen waren immer sehr hilfsbereit und gastfreundlich!
Marco Polo und die Registrierkasse
Wir erreichen die Brücke von Ishkashim und es gelingen uns rasch ein paar Fotos ehe der Soldat herbeieilt und uns auf das Foto-Verbot hinweist. Kurz nach der Brücke wendet sich der Panj in einem 90-Grad-Winkel nach Osten, hier beginnt der Wakhan-Korridor, so heißt der schmale Landstreifen zwischen Hindukusch und Pamir entlang der Flüsse Wakhan, Pamir und Panj, der am Ende des „Great Game“ 1893 als Pufferzone zwischen dem russischen Reich und Britisch-Indien eingerichtet wurde. Sanddünen waren für Marco Polo der um das Jahr 1300 in diesem Tal ostwärts nach China durchgezogen ist kein Problem, aber bald kommen wir zur Abzweigung, links steil hinauf nach Bibi Fotima. Auf der obersten Schotterterrasse, ab der Einfahrt zu unserem Quartiergeber ist das Gelände tatsächlich flach. Auf einer erstaunlich guten Humusschicht gedeihen hier, die soeben blühenden Kartoffel, Getreide, Gemüse. Gleich kultivieren uns so gut es geht und fahren zu den heißen Quellen in der Schlucht. Im 5 x 5 m großen Becken können wir, zusammen mit Einheimischen das äußerst wohltuende Wasser genießen. Als dicker Strahl strömt es aus einem Rohr und wir schätzen die Temperatur so auf 45 Grad. Zurück im Quartier wird uns ein Caj (grün oder schwarz) und eine Vielzahl von kleinen Süßigkeiten angeboten, die Hausfrau hat längst auf der dem Eingang gegenüber liegenden Plattform (nech oder nöch genannt) das Tischtuch – dastarkhon – ausgelegt und rundherum sind, mit Teppichen belegt unsere Sitzplätze. Hier sitzt man im Schneidersitz, kniet oder wenn Platz genug ist darf man auch seitlich auf den Arm gestützt lümmeln. Die Waschgelegenheit besteht aus einem Wassereimer der am Zaunpfahl hängt und zum Wasser kommt man durch leichten Druck auf den Stift der unten aus dem Boden des Eimers ragt. Hand weg und das Wasser läuft nicht mehr, ist doch ganz einfach oder? Das Örtchen mit dem Loch im Boden steht etwa 80 Meter vor dem Wohngebäude, da ist eine Stirnlampe Gold wert! Wir starten in den neuen Tag auf gleicher Höhe wenige Kilometer östlich zur uralten Yamchun-Festung. Auf über 3000 Meter thront die im 3. Jhdt. vor Chr. erbaute Festung majestätisch auf einem Felsvorsprung hoch über dem Panj-Tal, welch großartiges Landschaftsbild! An der Strecke von Layangar zum Khargush-Pass (4344 m) sehen wir drei Kamele in der Nähe des Gebirgsbaches. Die Argali- (Marco-Polo-)Schafe, Steinböcke und Schraubenziegen sind streng geschützt, dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die Erhaltung der äußerst seltenen Schneeleoparden, deren Hauptbeute sie darstellen. Wir finden(!) auch die letzte Tankstelle vor Murgab (170 Km). Aus großen Plastik-Kanistern wird das Benzin in kleinere Kannen umgefüllt. Für jede Kanne legt der freundliche Tankwart einen Stein auf den Kotflügel des desolaten Tankwagens, ja so funktioniert hier die Registrierkasse!
Kältepol am Dach der Welt
Weiter dann, immer höher bis wir den unspektakulären Khargush-Pass mit 4.344 m erreichen. Aufgrund der dünnen Luft leuchten die Farben in dieser Höhe in einer bisher noch nicht gesehenen Klarheit und Schärfe. Wir sind nun auf dem „Dach der Welt“ angekommen. Es ist spät und eine schier endlose Waschbrett-Rumpelpiste fordert auch auf den letzten Kilometern des heutigen Tages noch einmal unsere volle Konzentration. Bulunkul, endlich kommen wir in diesem geheimnisvollen, weil total einsam in extremer Höhenlage auf 3.740 m gelegenen 400-Seelen Dorf an. Nach der Zuteilung des Quartiers rasch in die Banja: du lässt aus dem von außen beheizten Warmwasserkessel heißes Wasser in einen Kübel laufen, vermischt dieses dann mit kaltem Wasser aus dem zweiten Eimer, nun kannst du dich nach uralter Art mit einem großen Schöpflöffel sparsam bedienen. Eine Runde per pedes durch die Streusiedlung dabei sehe ich Beispiele für das Leben hier, so kommt eine junge Frau gerade mit drei Rindern zurück zum Stall. Die Wohn-, Stall- und Vorratsgebäude aus Lehmziegeln sind ausnahmslos eingeschossig und bilden zusammen mit einem nach oben offenen „Laufstall“ einen rechteckigen Block. Brennmaterial ist hier sehr kostbar. Neben dem getrockneten Rinderdung sind die Teresken, langsam wachsende Zwergsträucher, sehr oft das einzige Brennmaterial im Dorf in welchem der zentralasiatische Kälterekord mit minus 63 Grad gemessen wurde. Das Ausreißen der seltenen Sträucher fördert nur die Erosion, die einzige Lösung dieses Umweltproblems scheint die funktionstüchtige Versorgung der Dörfer mit elektrischer Energie.
Vor der Abfahrt am nächsten Morgen verschenke ich die mitgebrachten neuen Kinderschuhe an einen jungen Mann der gerade zwei volle Wassereimer nach Hause schleppt. Vorbei am Bulunkul-See auf 3700 Meter, er spiegelt, von saftig grünen Wiesen eingerahmt die dahinter liegende Bergwelt in all ihrer Farbenpracht. Nächste Höhepunkte sind ein kleiner Geysir der uns seine warme, etwa zwei Meter hohe Fontäne zeigt und ein Hochgebirgssee an unserer Strecke nach Alichur. Die M41-Strecke von Alichur nach Murghob ist in miserablem Zustand, die Schlaglöcher sind so eng gestaffelt, dass meist im Stehen gefahren wird. Murghob (tadschikisch: Margh-ob = über Weideland fließendes Wasser) auf 3630 Metern liegt im breiten Tal des Flusses. Er speist den geheimnisvollen, großen Sarez-See, später finden sich die Wasser die hier so friedlich durch das Tal fließen, schließlich irgendwann im Amu-darya. Das Wasser, in dem die Frauen von Murghob mühsam ihre Teppiche und Wäsche reinigen endet also in sengender Hitze auf den Baumwollfeldern Usbekistans. Der Bau von riesigen Bewässerungssystemen für Baumwollfelder in den 1950-Jahren hatte die größte, vom Menschen verursachte Umweltkatastrophe zur Folge. Der Aralsee verlor zwischen 1960 und 1997 18 Meter des Wasserspiegels. Vom Foto-Spaziergang komme ich gerade rechtzeitig zurück, denn im Hof bietet sich eine archaisch anmutende Szene: unsere Gastgeberin bäckt im zylindrischen Ofen frisches Brot für uns und ich kann euch sagen es schmeckt sensationell gut! Die Einwohner nennen sich stolz Pamiri, betreiben vor allem Ackerbau unten in den Tälern, Almwirtschaft in den Bergen und sind schiitische Muslime, mehrheitlich Nizari-Ismailiten. Überleben hier oben ist ohne die seit vielen Generationen überlieferte Kultur der Anpassung an das raue, kahle Gebirge und die ungemein harten klimatischen Bedingungen kaum möglich.
Höhepunkt und Riesenkrater
Vorbei an der Abzweigung die zur Grenze mit China und dort nach Kashgar führt zieht es uns in nördlicher Richtung zum höchsten Punkt der Reise, dem 4.655 Meter hohen Ak Baytal Pass (155 Meter unter dem Montblanc Gipfel!). Der Straßenzustand ist katastrophal aber die Yamaha schluckt unglaublich viel, auch hier in einer der trockensten Landschaften der Erde. Nach eineinhalb Stunden kommen wir zu dem markanten Schild am rechten Straßenrand und halten an. Die tatsächliche Passhöhe erreichen wir erst nach einem Kilometer, eine breite Kuppe mit unglaublich schöner Aussicht in das nördliche Tal. Gleich folgt der nächste Höhepunkt, die Hochebene in welche der 380 Quadratkilometer große Karakul See (3.914 m) eingebettet ist. Der Karakul ist nicht nur der größte See Tadschikistans, er füllt eine auffällig runde Senke von 52 Kilometern Durchmesser, es ist der Einschlagkrater eines Meteoriten der vor etwa fünf Millionen Jahren hier eingeschlagen sein soll. Der See birgt ein weiteres Geheimnis, er liegt auf einer gigantischen Eislinse, die möglicherweise von der letzten Eiszeit übrig geblieben ist. Kilometerlang begleitet uns hier der äußere Grenzzaun Chinas in Sichtweite.
Wenig später am Kizil Art-Pass, 4336 m, finden wir direkt an der Grenzstation Hörner des berühmten Pamir-Argali, oder „Marco-Polo“-Schafes. Dieses Riesenwildschaf ist das größte wild lebende Schaf, die männlichen Tiere erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 135 cm und bei eine Länge von zwei Metern ein Gewicht bis zu 210 Kilo! Ein zweites sehr interessantes Schaf ist das Karakul (oder Karakulschaf), seine Wolle wird lokal in den Familien zu Filz (auch für Jurten) verarbeitet. Die Bezeichnung „Persianer“ für das gelockte Fell der neugeborenen Lämmer ist kein Herkommens-Begriff für Karakulschafe oder deren Felle, es weist darauf hin, dass die Felle meist über persische Händler auf die Märkte in Europa gelangten. Nach zeitraubenden Zollkontrollen verlassen wir durch die von roten Bergflanken gesäumte Kyzyl-Art-Schlucht das Hochgebirge und kommen hinaus auf eine leicht abfallende Schotter-Geröll-Ebene, das sehr breite Alai-Tal. Westwärts 40 Kilometer die Mäander des Alai entlang, dann queren wir den Alai-Flusns und fahren über die Schotter-Geröll-Ebene nun in südlicher Richtung wieder auf das Gebirge zu. Nach 20 Kilometern öffnet sich vor uns ein größeres Becken an dessen südlichem Rand eine Reihe von Yurten stehen, unser Ziel für heute. Noch vor dem Abendessen kommt eine Frau in unsere Yurte, sie hat einen Kübel mit glühender Kohle dabei und heizt den Ofen an. Ähnlich wie jetzt im Sommer entscheidet der Hirte im Winter über Gedeih und Verderb seiner Tiere und die sind gleichzeitig seine wirtschaftliche Existenz. Der erfahrene Hirte kennt die Orte an denen der Wind Pflanzen vom Schnee freigeblasen hat und Im Notfall muss er schnell entscheiden, um Futter für die Tiere finden und damit ihr Leben zu retten.
Tagwache im Base Camp vor dem weißen Riesen
Bei wolkenlosem Himmel und bitterer Kälte eröffnet sich der grandiose Blick auf die schnee- und eisbedeckte Nordflanke des 7134 Meter hohen Pik Lenin. Wir starten die Rückfahrt auf der Piste die wir gestern Nachmittag herauf gefahren sind. Es gibt ein paar Bäche zu queren, einmal trottet eine Kuh ganz gemächlich über den Weg, es ist die letzte Naturpiste für heute. Über Sary-Tash führt unser Weg auf einem großzügig angelegten Asphaltband hinauf zum 3600 Meter hohen Taldyk-Pass. Am Fuß der Nordrampe sehen wir am grünen Hang rechts über dem Bach eine Yurte, Kinder und Erwachsene davor, aus dem Rohr zieht Rauch aus der armseligen Behausung. Dani kauft dort für sich einen Liter Stutenmilch, für uns bringt er noch eine Kostprobe mit. Sein Angebot löst wenig Begeisterung aus und meine Kollegen staunen nicht schlecht als ich diese leicht vergorene Milch trinke. Aufgrund der Zeitreserve fahren wir gleich weiter nach Osh! Je näher wir dieser zweitgrößten Stadt Kirgistans kommen desto dichter, ja chaotischer wird der Verkehr. Im Hotel können wir endlich den Staub und Schweiß der vergangenen Tage in einer ordentlichen Dusche loswerden.
Moschee und Barbier
Heute stehen zwei wichtige Punkte am Programm, zuerst der Besuch der Moschee hier in Osh und dann der Besuch beim Friseur (tadschikisch captapow – sprich sartaros). Ein gut genährter älterer Herr im Kaftan kommt auf uns zu als wir schon an der Treppe der Moschee stehen, es ist der Imam. Nach einer eingehenden Belehrung betreten wir (in Socken) das Gebetshaus und sind beeindruckt von dem großen Raum der vom Tageslicht aus der großen zentralen Kuppel gut ausgeleuchtet ist. Im Felssporn der hinter der Moschee aufragt ist ein sehr ungewöhnliches Museum untergebracht. Die Räume sind zur Gänze im Berginneren und hier ist es angenehm „kühl“. Die Sonne brennt unerbittlich herab und unser nächster Weg führt direkt zum Barbier-Salon, dort befreien uns echte Profis höchst professionell vom Bartwuchs. Nach einem gemütlichen Abendessen am frühen Morgen der anstrengende Rückflug, ebenfalls über Moskau nach München.
ALLES ist GUT - es ist wunderschön wenn man nach einer derart abenteuerlichen, anstrengenden, ja auch gefährlichen Tour diese drei Worte aussprechen kann! Wir sind heilfroh diese Herausforderung ohne gröbere gesundheitliche Probleme oder Verletzungen überstanden zu haben und ausschließlich sehr schöne Erinnerungen mitnehmen zu können. Allen Abenteurern, Bergwanderern und Enduro-Freunden kann ich Zentralasien nur empfehlen, ich bin überzeugt es wird auch für euch ein unvergessliches Abenteuer sein!

Autor:

Ewald Ratzenböck aus Schärding

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