24.10.2017, 15:00 Uhr

Auf "Augenhöhe" mit Picasso und Dali

Christoph Luckeneder. (Foto: Nik Fleischmann, Linz)

Lichtkünstler Christoph Luckeneder gehört zu den bekanntesten Künstlern des Bezirkes.

RAINBACH (ebd). Im Interview verrät der Rainbacher, warum er auf Kakteen "steht", warum ihn ausgerechnet Moskau beeindruckt hat und was er mit Pablo Picasso gemein hat.

Herr Luckeneder, wann hat eigentlich Ihre künstlerische Laufbahn begonnen?
Luckeneder: Die ersten Frühwerke entstanden um 1978.

Warum Lichtskulpturen?
Ich komme ja aus der Malerei – aus dem Druckereiwesen. Aber 1995 habe ich beim Festival der Regionen am Attersee unter italienischer Regie Lichtelemente gesehen. Die haben mich inspiriert.

Dabei scheinen Sie eine Affinität zu Kakteen zu haben, wie kommt's?
Von einer Amerikareise, dort haben mich die Kakteen fasziniert – ihre Geradlinigkeit und dass sie Überlebensquelle für Mensch und Tier sind. Kakteen können nicht verdursten, man kann sie quasi nur ersäufen, wenn man sie zu viel gießt. Das ist für mich ein Faszinarium gewesen. So habe ich mich dann einfach mit Draht eines Hasenstalls daran probiert. Dieses unvollendete Werk habe ich in Nürnberg zu einem Wettbewerb eingereicht und damit sogar den 1. Preis gemacht.

Immer wieder tauchen auch religiöse Symbole – vornehmlich Kreuze – in Ihren Arbeiten auf. Sind Sie ein sehr gläubiger Mensch?
Nein, nicht mehr. Ich war in den 1960er Jahren in einem Jesuiten-Internat. Das war für mich eine Ohnmacht gegenüber der dort herrschenden Allmacht. Alles war so fremd. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und schwappt heute immer mehr an die Oberfläche. Das findet sich in meinen Werken wieder. Aber ich setze mich neben der Religion auch mit gesellschaftlichen Highlights oder Politik in irgendeiner Form auseinander.

Wie bringen Sie Ihre Kunst eigentlich an den Mann?
Am meisten über Auktionen in Wien, Berlin, Prag oder Zürich.

Sie haben bereits in der Schweiz, in Russland, in der Türkei und vielen anderen Ländern ausgestellt. Was hat Sie da bisher am meisten beeindruckt?
Highlights waren sicher das Light Festival in Moskau und die Triennale der Schweizer Skulptur. In der Schweiz dabei zu sein war eine Belohnung. Moskau deshalb, weil es so fremd, so anders war.

Hat sich Ihre Kunst im Laufe der Jahre sehr verändert?
Was mir auffällt ist, dass die Sachen mit zunehmenden Alter immer ausdruckstärker und intensiver daher kommen. Mein Hauptwerk – dass mittlerweile in ganz Europa zuhause ist – sind die LichtKakteen.

Auf was sind Sie besonders stolz?
Dass ich es ins Kunstbuch "500 x Art in Public" geschafft habe. Quasi neben namhaften Skulpteuren wie etwa Picasso oder Salvador Dali. Das ist schon eine Ehre.

Fühlen Sie sich in der Region entsprechend gewürdigt?
(schmunzelt) Eher nicht. Aber für mich ist es wichtig, in einer schönen Umgebung gut arbeiten zu können. Und das kann ich hier. Aber was die Licht-skulpturen betrifft ist Österreich unterentwickelt. Daher sind Kontakte ins Ausland unerlässlich. Deshalb bin ich auch viel unterwegs und lege alleine mit meinem Auto 35.000 Kilometer im Jahr zurück.

Sie verfügen ja auf ihrem Privatgrundstück über eine großen Skulpturgarten. Kann man sich denn einfach so ansehen?

Es ist jeder Besuch gegen Voranmeldung erwünscht.

Wo würden Sie gerne einmal ausstellen?
Ich möchte auf jeden Fall einmal bei der Biennale di Venecia dabei sein. Auch New York wäre interessant – aber ein riesiger logistischer Aufwand.

Ist es schwer in Österreich als freischaffender Künstler tätig zu sein?
Ja, sehr schwierig. Für mich ist es leichter, weil ich bereits in Pension bin.

Also ist Aufmerksamkeit schinden Gebot der Stunde?
Ja, eines der wichtigsten Dinge in der Kunst ist es, auf sich aufmerksam zu machen.

Wann wäre für Sie eigentlich der Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören?
Solle es körperlich nicht mehr gehen, muss ich halt wieder Maler werden. Das wäre zumindest eine Option.
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