14.12.2017, 16:26 Uhr

Advent ist die große Zeit der Bräuche – auch im Bezirk Schärding

Die "weißen" Gestalten ziehen jedes Jahr am 5. Dezember durch St. Roman – in der sogenannten "Midloan". (Foto: Gh-gruppe St. Roman)

Vom "Rauhnachtln" bis zur "Midloan": Manch ein Brauchtum lebt noch heute im Bezirk Schärding.

BEZIRK SCHÄRDING (mma). "Der Adventkranz gehört zu Weihnachten einfach dazu. Genauso wie das Kekse backen mit den Enkerln", meint Erni Schmiedleitner, Obfrau der Goldhaubengruppe. Die 30 Ortsgruppen der Goldhaubengemeinschaft Unteres Innviertel haben gemeinsam das Buch "Tracht und Goldhaube tragen. Brauchtum leben" verfasst und herausgegeben. Es gibt unter anderem Aufschluss über die Bräuche, die auch heute noch gelebt werden.

Dazu gehört etwas das "Rauhnachtln", das in der Zeit zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige vorwiegend im Sauwald stattfindet. In den Rauhnächten, speziell am Heiligen Abend selbst, am 31. Dezember und 5. Jänner, ziehen Kinder genauso wie Erwachsene von Haus zu Haus und bitten um einen "Rauhnachtskrapfn". Auch das "Ausräuchern" wird nach wie vor in einigen Häusern und Ställen praktiziert – zum Beispiel in der Gemeinde Diersbach, an Heilig Abend oder zu den Heiligen Drei Königen. "Zweck des Räucherns soll es sein, Unheil und böse Geister abzuwehren", erklärt Schmiedleitner. Heutzutage wird oft nicht nur an Weihnachten geräuchert, sondern das ganze Jahr über.

Midloan in St. Roman

Wer am 5. Dezember nach St. Roman kommt, wird Zeuge eines sehr alten Brauchtums. Denn bei der "Midloan" versammeln sich junge Männer, um in den Ortschaften Altendorf, Lehen, Wienetsdorf, Razing und Ried von Haus zu Haus zu ziehen. Angeführt wird der Zug vom Nikolaus. Ihn begleiten die "Weißen", die guten Geister. Sie tragen Masken, hohe Spitzhüte und imitieren Tierlaute. Mit dabei sind auch die "Schwarzen", die Teufel der Gruppe. "Es gibt keine Überlieferung, wie alt dieser Brauch tatsächlich ist, vermutet wird aber, dass er bis in die Heidenzeit zurückgeht," so Brauchtumsexpertin Schmiedleitner.

Bringt das neue Jahr Glück?

Am 4. Dezember werden Kirschbaumzweige abgeschnitten und in eine Vase gestellt. Blühen die "Barbarazweige" am 24. Dezember, so darf sich die Familie entweder auf Glück im Haus oder auf eine Hochzeit im nächsten Jahr freuen. Bei der Herbergssuche in Zell an der Pram wird ein Heiligenbild von einer Familie zur nächsten getragen. Dort wo es Herberge bekommt, steht ein gemeinsames Gebet an. Am nächsten Tag geht's weiter zur nächsten Familie.

In Engelhartszell gibt es am ersten Sonntag im Advent Bratwürstel zu Mittag. Deshalb ist dieser Tag auch unter dem Namen "Bratwürstlsonntag" bekannt. "Dieser Brauch wird nach wie vor noch in vielen Familien gelebt," so Schmiedleitner. In der Vorweihnachtszeit beginnt der Tag in Sigharting für viele bereits um 6 Uhr morgens. Nach der Roratemesse wird gemeinsam gefrühstückt, das sogenannte "Brunchen". Die Goldhaubenobfrau freut sich: "So können alte Bräuche mit Modernem verbunden werden." Ein neuerer Brauch ist auch das Christbaumschwimmen in der Stadt Schärding: Seit 20 Jahren wagen sich Taucher der Feuerwehr in den eiskalten Inn – als Dank für ein unfallfreies Jahr.

"Tracht und Goldhaube tragen. Brauchtum leben"

Die Goldhaubengemeinschaft Unteres Innviertel hat das Buch "Tracht und Goldhaube tragen. Brauchtum leben" herausgebracht. Die insgesamt 30 Goldhaubengruppen des Bezirks inklusive Neuhaus am Inn trugen darin etliche Bräuche zusammen, die in den Orten im Bezirk Schärding bis heute noch gelebt werden. Außerdem beschreibt das Werk die verschiedenen Goldhaubenkleider und Ortstrachten. "Tracht und Goldhaube tragen" gibt's bei allen Goldhauben-Ortsobfrauen zum Preis von 25 Euro.
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