01.09.2016, 10:22 Uhr

"So viel Verzweiflung geht an die Substanz"

Ohne die Freiwilligen Helfer der Feuerwehr wären Einsätze, wie die Schäden nach Unwettern zu beseitigen, kaum möglich. (Foto: FF Haibach)

Die BezirksRundschau zeigt, warum gerade den kleinen Feuerwehren Anerkennung gebührt.

HAIBACH (smp). "Zum Glück nur sehr selten Schwerverletzte oder gar Tote" hat Feuerwehrkommandant Christian Altweger gesehen. Dafür viele andere Dinge. Fast 14 Jahre ist er schon im Dienst als Feuerwehrkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Haibach.
In einer Serie will die BezirksRundschau auch den kleineren Feuerwehren Respekt zollen. Denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Allgemeinwohl. In Notsituationen wie den schweren Unwettern in letzter Zeit, gäbe es ohne sie weder ein noch aus.

Haibach und seine Feuerwehr

In Freinberg liegt die Ortschaft Haibach. Inzwischen kennt diese wohl jeder im Bezirk. Zwar ist sie nicht gerade groß, dennoch gibt es eine Feuerwehr. Oft wird bezweifelt, ob man die kleinen Einsatzstellen überhaupt braucht. Nach dem schlimmen Unwetter, ist diese Frage zumindest in Haibach hinfällig. "Es ist schade, dass immer etwas passieren muss, bis die Leute erkennen, dass man die kleinen Feuerwehren braucht", so Altweger.

Der Nacht der Katastrophe

In der Nacht zum Sonntag, als der große Sturm begann war der Feuerwehrkommandant unterwegs mit der Jugend. In Hinterstoder sollten sie belohnt werden für die fleißigen Leistungen bei verschiedensten Bewerben. "Als innerhalb kürzester Zeit 15 Einsätze auf meinem Handy waren wusste ich dass etwas passiert war." Über Telefon versuchte der erfahrene Feuerwehrmann irgendwie Informationen zu bekommen. Nach langem hin und her telefonieren hieß es, ein Unwetter wüte über Haibach. Seine Männer waren schon dabei, alle im Fluss verkeilten Autos zu überprüfen - ob Insassen gerettet werden mussten. "Während dem Regen gilt es ohnehin nur das Nötigste zu tun. Also Menschen und Tiere retten, die in Gefahr sind." Der Notruf kam so plötzlich, dass es dauerte bis genügend Männer im Feuerwehrhaus ankamen. Es war eigentlich eine laue Sommernacht und viele waren unterwegs. "Gegen Sonntag Mittag traf ich dann in Freinberg ein, wo schon 13 weitere Feuerwehren zur Stelle waren." Das erste was Christian Altweger nun zu tun hatte, war alle Häuser abzuklappern. "Wie man so schön sagt, die Lage erkunden." Was ist in den einzelnen Häusern zu tun? Steht der Keller unter Wasser? Muss Schlamm entfernt werden? Bei Katastropheneinsätzen sind diese Leistungen natürlich kostenlos. "Die Menschen haben schon genug Schaden gehabt", bedauert der Kommandant.

Helfer und Gaffer

150 Feuerwehrmänner halfen zusammen und teilten sich die Arbeit auf. "Selbst in Häusern, wo niemand mit Hochwasser gerechnet hatte, stand der Keller unter Wasser." Ohne die zusätzlichen Freiwilligen Helfer wären aber auch die geschulten Fachkräfte überfordert gewesen. Leider fanden sich nicht nur hilfsbereite Bürger am Ort des Geschehens. Auch jede Menge Schaulustige tummelten sich dort (die BezirksRundschau berichtete). Lange nach dem eigentlichen Horrorerlebnis gab es für die Haibacher Feuerwehrler noch viel zu tun. "Immer wieder meldeten sich Leute, die den Schaden alleine nicht beseitigen konnten."

Einschneidende Erlebnisse


Auch die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr sind mit den Folgen ihrer Einsätze konfrontiert. "Eigentlich war das der bewegendste Einsatz, den ich bisher erlebt habe. So viel Verzweiflung geht einem schon an die Substanz." Meist kennen sie die Menschen, denen Leid widerfahren ist, die sie bergen oder denen sie helfen. "Das steckt man nicht immer so leicht weg." Trotzdem, beim nächsten Einsatz wird Feuerwehrkommandant Altweger mit seinem 20-köpfigen Team wieder zur Stelle sein wenn wieder "jeder hilft wo er kann."
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