08.02.2017, 18:30 Uhr

"Bin gerne mal eine störende Gelse"

Sandra Hofbauer spricht über Pseudowirte Klartext. (Foto: direttissima)

Sandra Hofbauer, Chefin des Cafe Lachinger, ist Wirtin mit Leib und Seele – und ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn.

SCHÄRDING (ebd). Im Interview spricht die Vollblutwirtin über ihr Engagement für Bedürftige, warum es heute schwer ist Wirt zu sein und weshalb sie gerne auch mal eine lästige Gelse ist.

Frau Hofbauer, Sie und ihr Partner engagieren sich sehr für die gute Sache – wie dem jährlichen Charity-Golfturnier – warum eigentlich? 
Hofbauer: Mein Patenkind Amelie ist mit 2,5 Jahren an Leukemie erkrankt und erst wenn es einen selbst betrifft sieht man, welchen Leidensweg diese Kinder zu bestreiten haben. Da ist es sehr wichtig, dass es Institutionen wie die OÖ Kinderkrebshilfe gibt, die durch ihre Unterstützung jeden Tag einen kleinen Teil dazu beiträgt, es erträglicher zu machen. Wir sind sehr glücklich einen Weg gefunden zu haben, andere Menschen darauf aufmerksam zu machen.

Zählen Sie kurz die einzelnen karitativen Engagements auf?
Hauptsächlich unterstützen wir die Kinderkrebshilfe, aber auch bei kleineren Aktionen beteiligen wir uns natürlich gerne – etwa wie Weihnachtsgeschenke für Flüchtlingskinder. Mein Mann ist zudem Mitglied des Kiwanis Club Schärding, die ausschließlich notleidende Kinder unterstützen.

Sie und ihr Mann kämpfen immer wieder gegen Gesetzesänderungen wie etwa das Rauchverbot an. Hand aufs Herz - bringt das überhaupt etwas?
Ich habe einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und wenn etwas in meinem Leben passiert, dass ich als ungerecht empfinde, dann kann ich gar nicht anders als aufzustehen und mich zu wehren. Natürlich hat das wie überall im Leben zwei Seiten wie etwa das angesprochene Rauchverbot in der Gastronomie. Ich denke jeder Wirt ist doch so klug sich auf die Wünsche der Gäste einzulassen. Wir haben im Restaurant im 1. Stock seit über einem Jahr ausschließlich Nichtraucherplätze. Im BARista im Erdgeschoss wäre das noch nicht denkbar, hier brauchen wir einfach Raucher und Nichtraucherplätze um den Wünschen unserer Gäste gerecht zu werden. Aber warum brauchen wir dazu ein Gesetz? Warum soll die Schärdinger Gastronomie in Zukunft die Nachtruhe der Bewohner stören, indem sie die Gäste vor die Tür schickt, wenn das ganze doch mit ein bisschen Hausverstand und Gespür so einfach zu lösen wäre? Selbstverständlich gehen gerade bei diesem Thema die Meinungen sehr weit auseinander. Aber wenn man den Menschen erklärt, dass man nicht für eine verpestete Raucherhöhle kämpft, sondern für die Bedürfnisse der verschiedenen Gäste, verstehen es eigentlich alle. Ob es etwas hilft kann ich nicht sagen, aber ein kluger Mann hat einmal gesagt: wenn ein Einzelner glaubt er kann nichts ausrichten, dann soll er einmal versuchen zu schlafen, wenn eine Gelse im Zimmer ist. Ab und an bin ich einfach gerne eine kleine störende Gelse.

Das allgemeine Wirtesterben schreitet immer weiter voran. Was glauben Sie, müsste sich ändern, um dem Einhalt zu gebieten?
Es sollte nur erlaubt sein Wirt zu werden, wenn man über eine fundiertee Ausbildung und ausreichend Berfuspraxis verfügt. In der heutigen Zeit macht jeder der ein paar Mal gut Essen war und ein paar Kochshow´s gesehen hat ein Lokal auf, hat aber von der Materie keine Ahnung. Diese selbst ernannten Profis machen unsere Branche kaputt und zerstören das Vertrauen der Gäste an die Gastronomie.

Schärding ist gastronomisch gut aufgestellt. Was fehlt Ihrer Meinung nach trotzdem noch?
In Schärding ist noch sehr viel möglich. Ich persönlich freue mich über jeden neuen Mitbewerber, der unsere Vielfalt erweitert und dafür sorgt, dass die Menschen positiv über unsere Stadt sprechen.

Sie haben auf Facebook eine Interview-Aktion mit ihren Lehrlingen gestartet. Warum?
Ein Gast war bei uns und hat mir erzählt, dass er personelle Probleme hat, weil drei Mitarbeiterinnen ein Kind bekommen haben. Das kenne ich, aber bei uns müssen die Mädl´s auf die Minute in Frühkarenz gehen. Darauf meinte der Gast: Bei mir ist das was anderes, ich brauche ja intelligente Mitarbeiter, die sind ja viel schwerer nachbesetzt als bei dir. Da hab ich mir dann gedacht, wenn das die Meinung der Menschen über unseren Beruf ist, brauchen wir uns nicht wundern, wenn die jungen Leute nicht mehr in die Gastro wollen. Ich habe mich dann mit meinen Mitarbeitern besprochen und wir haben beschlossen, diese Aktion zu starten. Um zu erzählen, wie viele schöne Seiten dieser Beruf hat. Das kein Tag wie der andere ist, dass es viele Herausforderungen gibt und dass es einer der schönsten Berufe ist. Was wir damit erreichen wollen ist, der Jugend den Beruf wieder schmackhaft zu machen und ein klein wenig mehr Wertschätzung zu bekommen.

Was ist für Sie das schöne am Beruf „Wirtin“?
Gehen Sie ins Reisebüro und versuchen Sie zwei Stunden weg vom Alltag zu buchen. Bei uns kommen die Gäste zur Tür herein – nach einem anstrengenden, nervenaufreibenden Tag und oft gestresst. Sie sitzen bei uns und genießen vielleicht ein gutes Essen, ein schönes Glas Wein, unterhalten sich mit Freunden und gehen glücklich und zufrieden wieder nach Hause. Das kann Ihnen sonst keiner bieten.

Wenn Ihnen eine gute Fee bezüglich Wirt sein einen Wunsch erfüllen würde, welcher wäre das?
Ich fürchte fast, da wird es eine gute Fee brauchen, denn ich würde mir wünschen, dass unseren Mitarbeitern etwas mehr vom Bruttogehalt bleibt. Damit die fianzielle Spanne zwischen Arbeiten und nicht Arbeiten wieder größer wird.

Wie sind Sie mit der Entwicklung des Lachingers zufrieden. Wo sehen Sie das Lokal in zehn Jahren?
Ich bin jetzt Lachinger Wirtin in dritter Generation. Jede Generation hat einen enormen Anteil zum heutigen Lachinger beigetragen. Drei Generationen haben hart gearbeitet und ich denke, wir können sehr stolz darauf sein, was wir alle geschaffen haben. Und ich weiß, dass der Lachinger auch in zehn Jahren ein Betrieb sein wird, der mit der Zeit geht. Denn Stillstand ist bei uns nicht denkbar.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.