19.04.2017, 08:30 Uhr

"Du traust da und tånzt mit'm Totengräber!"

Josef Rossgatterer war nicht nur 40 Jahre lang Totengräber in Kopfing, sondern ist noch heute als Mesner aktiv.

40 Jahre Totengräber in Kopfing: Josef Rossgatterer hat für so manchen Freund eine Grube gegraben.

KOPFING. Über 700 Personen hat der Kopfinger im Laufe seiner Totengräber-Tätigkeit am Pfarrfriedhof eingegraben. "Und fast alle habe ich gekannt – viele davon gut", erklärt der Pensionist, dem für seine Verdienste in der Pfarre Kopfing erst kürzlich die Severinmedaille verliehen wurde.
Den Job als Totengräber hat Rossgatterer 1964 dank den Überredungskünsten des damaligen Pfarrers Alois Heinzl angenommen. "Der Pfarrer meinte, ob ich's nicht mal probieren möchte. Ich wehrte zuerst ab. Hatte ja noch nie einen Toten gesehen und früher wurden die ja noch zuhause aufgebahrt. Aber dann hab ich's doch gemacht, weil's eben irgendwer machen musste", erinnert sich der heute 78-Jährige. "Und weil ich mich gut mit dem Herrn Pfarrer verstand", fügt er noch hinzu.
Schönes konnte er der Aufgabe nie abgewinnen. Die Arbeit sei vielmehr mühsam und hart gewesen – und musste ja neben dem eigentlichen Job erledigt werden. "Es war ja früher alles Handarbeit. Alles mit Schaufel und Spaten. Bei jedem Wetter und jeder Witterung, zu jeder Jahreszeit", erklärt Rossgatterer. Besonders im Winter, wenn der Boden gefroren war, wurde das Schaufeln zu einem wahren Kraftakt. Die Gräber mussten schließlich eine Tiefe von 2,20 bis 2,30 Meter haben. Drei bis vier Stunden dauerte im Schnitt das Ausheben eines Grabes, weitere ein bis zwei das Zuschaufeln. Die Zeit dafür nahm der Kopfinger sich meist abends oder wenn er von den Nachtschichten als Portier im Schärdinger Krankenhaus nachhause kam.

"Und plötzlich war Grab weg"

Kurioses sei ihm dabei auch bisweilen passiert. "Da schaust du schön blöd, wenn du abends ein Grab schaufelst und es am nächsten Tag nicht mehr da ist. Weil's in der Nacht so stark geregnet hat, dass die Erde nachgegeben hat", schmunzelt er. Ansonsten hielt das Grabschaufeln wenig Amüsantes bereit. Im Gegenteil: Ständig mit Trauer und Schmerz konfrontiert zu sein, habe ihn zu Beginn arg deprimiert, gibt Rossgatterer zu. "Aber da musst du dich schnell einmal damit abfinden, sonst kannst du's nicht machen. Und irgendwann geht das Ganze mit der Zeit in Fleisch und Blut über. Du denkst nicht mehr so darüber nach."
Und wie haben sich die Kopfinger dem Totengräber gegenüber verhalten? Gab's da nicht mal distanziertes Verhalten oder skeptische Blicke? "Nein, gar nicht. Die nahmen's eher mit Humor. Bei einem Ball tanzte ich etwa mal mit einer Bekannten. Da kam ein Mann und meinte zu ihr: Du traust da, du tånzt mit'm Totngråba!"
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