25.08.2016, 16:47 Uhr

Ein „Tagebuch“ über verlorene "Spitals-Zeit"

V. l.: Stationsleitung Ingrid Daller sowie ihre Pflegefachkräfte Andrea Hell, Edith Moser und Eva Glas, die gemeinsam das Intensivtagebuch ins Leben gerufen haben. (Foto: gespag)

Das LKH Schärding führt "Intensivtagebuch". Die Idee stammt aus Skandinavien.

SCHÄRDING (ebd). Wie schon im gleichnamigen Film „Während du schliefst …“ ist es für Patienten, die bewusstlos sind oder künstlich beatmet werden schwierig, umliegende Geräusche, Lichtquellen oder die vielen Berührungen zuzuordnen. Aus diesem Grund wurde am LKH Schärding ein Intensivtagebuch, das von Pflegekräften und Angehörigen gleichermaßen geführt wird, ins Leben gerufen. Die Idee dazu wurde vor mehr als 20 Jahren in Skandinavien entwickelt. Denn: Viele Patienten leiden noch lange nach ihrem Spitalsaufenthalt unter Erinnerungslücken und manchmal sogar unter Ängsten oder Albträumen. Um dem entgegenzuwirken und die „verlorene Zeit“ zu dokumentieren, wurde das Intensivtagebuch ins Leben gerufen. „Viele Patienten erzählen von Erinnerungen, die oft nicht der Wirklichkeit entsprechen. Sie können das Puzzle in ihrem Kopf nicht richtig zusammenstellen und sind damit konfrontiert herauszufinden, was real ist und was Trugwahrnehmungen sind“, erzählt Edith Moser, die sich im Rahmen ihrer Fachbereichsarbeit mit der Konzepterstellung beschäftigte.

Erfahrungen verarbeiten

Tagebücher wurden vor über 20 Jahren in Skandinavien und England entwickelt. Das Intensivtagebuch wird vom interdisziplinären Intensivteam oder Angehörigen täglich geführt. Es werden Veränderungen, Rükschläge und Verbesserungen der Situation der Patientin so genau wie möglich beschrieben. In dem Tagebuch werden keine medizinischen Fachausdrücke benutzt. Es handelt sich vielmehr um Erzählungen oder Berichte, was mit dem Patienten jeden Tag geschieht.

„Wenn der Patient auf eine Normalstation verlegt wird, wird ihm das Tagebuch ausgehändigt und er kann, wenn er dazu bereit ist, darin lesen. Auch Angehörige können Einträge über ihre Gedanken, Beobachtungen und Sorgen
schreiben oder sie erzählen, was sich Zuhause getan hat. Ebenso sind Fotos eine willkommene Abwechslung. Ein Tagebuch wird nur angelegt, wenn die Angehörigen der Patienten damit einverstanden sind“, so Moser.
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