17.11.2016, 00:00 Uhr

Glasfaser-Internet: Das große Aufrüsten hat begonnen

Im Ortszentrum in Engelhartszell ist der Glasfaserausbau in vollem Gang. Noch heuer soll alles abgeschlossen sein.

Der Bezirk setzt auf Lichtgeschwindigkeit: Eine Gemeinde nach der anderen bekommt Glasfaser-Power.

BEZIRK (ska). "Lieber heute als morgen" ist die Devise, wenn es um den Breitbandausbau geht. Das signalisieren Schärdings Gemeinden. Nach Dorf an der Pram im Oktober ist Anfang November in Engelhartszell der Startschuss für ein Glasfasernetz im Ortskern gefallen. Die BezirksRundschau hat nachgefragt, welche Gemeinden im Bezirk als nächstes auf die "Datenautobahn" aufspringen.

Neue "ultraschnelle" Gemeinden im Bezirk bis Ende 2017

St. Roman, Esternberg, St. Marienkirchen samt Hackenbuch, die Orte Aichberg und Wesenufer in Waldkirchen und Wernstein mit Zwickledt stehen in den Startlöchern für ein Glasfasernetz. Weil der Bezirk Schärding zum Versorgungsgebiet der Energie AG zählt, ist diese zuständig für den Ausbau. Regionalprojektleiter Milan Hinterleithner teilte beim Glasfaserstart in Engelhartszell mit, dass alle diese Projekte für die Breitbandförderung Access 2020 eingereicht wurden. "Bis Ende 2017 soll der Glasfaserausbau in diesen Gemeinden abgeschlossen sein", sagt er.

Die große Breitbandinitiative des Landes Oberösterreich startete 2014. Das mehr als 4.500 Kilometer lange Glasfasernetz der Energie AG wird seither nach und nach für Privathaushalte geöffnet. Den Bezirk Schärding versorgt die Energie AG. Zunächst hatten nur Gemeindeämter, Behörden und Banken Zugang dazu. Der Fokus beim derzeitigen Ausbau liegt auf den dicht besiedelten Ortskernen. In St. Roman etwa wird das Zentrum samt aller angrenzenden Dörfer mit ultraschnellem Internet ausgestattet.

Leerrohre ebnen den Weg

"Die Nachfrage der Bevölkerung ist enorm", sagt Bürgermeister Sigfried Berlinger. "Speziell die etlichen Gewerbetreibenden im Zentrum drängen darauf." Dass Glasfaser die Zukunft ist, war der Gemeinde schon 2013 klar. Im Zuge der Ortskernsanierung wurden laut Berlinger unter den Gehsteigen Leerrohre mitverlegt. Nun können diese für den Glasfaserausbau genutzt werden. Diese Weitsicht bewies Engelhartszell schon 1999. Denn Bürgermeister Roland Pichler ist sich sicher: "Das Internet müssen wir in Zukunft als fünfte Infrastruktur neben Kanal, Wasser, Strom und Straße mitdenken."
Dass er mit dieser Meinung nicht alleine ist, zeigen die Siedlungsbaumaßnahmen der Gemeinden: In Schardenberg etwa könnten im neu erschlossenen Kubingerfeld bereits alle Haushalte an das Glasfaser-Internet anschließen.

Dann kommen die Dörfer

Ist der Ausbau in den Ortskernen abgeschlossen, ist Hinterleithner zufolge der nächste Schritt, in die Dörfer zu gehen. So wie in Dorf an der Pram: Zur Zeit wird das gesamte Zentrum von Ortstafel zu Ortstafel vernetzt. "Im Anschluss daran kann ein Dorf nach dem anderen aufgefädelt werden", macht der Projektleiter anschaulich. Dabei werden für längere Strecken bestehende Hochspannungsleitungen genutzt. Ins Haus geht's schließlich wieder via Erdkabel.


Zur Sache: Glasfaser-Internet

Mithilfe eines Glasfaserkabels ist eine Internetverbindung ab 100 Megabits pro Sekunde möglich. Die jetzt standardisierten acht Megabits im Kupferkabel sind für viele Haushalte nicht mehr ausreichend. Und wie kommt eine Gemeinde zum schnellen Internet? Grundvoraussetzung für einen Start des Glasfaserausbaus durch die Energie AG sind genügend potentielle Vertragskunden. Wieviele Anschlussverträge nötig sind, richtet sich laut Milan Hinterleithner von der Energie AG nach den Ausbaukosten. Und diese sind abhängig davon, ob es sich um ein Fördergebiet mit bisher schlechter Versorgung handelt, beziehungsweise ob bereits Leerrohre verlegt wurden. Je weiter die Baukosten gesenkt werden, desto weniger Verträge werden benötigt. "Wichtig ist die Mithilfe der Anwohner", sagt Hinterleithner. "Ist Interesse da, steigen die Chancen für einen Ausbau."

Kommentar zum Thema von Kathrin Schwendinger

Wer kann sich noch erinnern: Die kratzigen Töne beim Einwählen ins Internet. Die genervten Rufe der Eltern oder Geschwister, man solle nicht so lange das Telefon blockieren. Die 20 Sekunden Wartezeit bis eine Webseite endlich geladen war. Und der Anruf um sicherzugehen, ob die Mail, die ich abgeschickt habe, auch tatsächlich angekommen ist. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen. Es war ein kurioses neues "Spielzeug", das jeder ausprobieren wollte. Und heute? Heute ist alles Internet. In der Freizeit ist es Social Media und Film-Streaming. Im Job ist es Mail-Verkehr, Cloud-Dienste und Videotelefonie. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Der Glasfaserausbau zeigt, dass sich die Gemeindeverantwortlichen dessen auch bewusst sind. Denn speziell in der Wirtschaft heißt es: Wer hier nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
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