18.10.2017, 13:57 Uhr

Im Kindergarten St. Florian am Inn hat das Spielzeug Urlaub

Acht Wochen lang heißt es bei der Roten Gruppe im KIndergarten St. Florian am Inn Kartonschachteln statt Spielzeug. (Foto: Pfarrcaritas Kindergarten St. Florian am Inn)

Acht Wochen lang wurde Spielzeug komplett verbannt: Mit dieser Aktion ist der Pfarrcaritas-Kindergarten im Rennen für den Lernen fürs Leben-Preis

ST. FLORIAN AM INN. Trotz Bergen von Spielsachen – oder womöglich gerade deshalb – wissen Kinder oft gar nicht mehr, womit sie eigentlich spielen sollen. Denn egal ob am Vormittag im Kindergarten, nachmittags zu Hause oder bei den Großeltern – überrall steht den Kindern ein Überangebot an herkömmlichen Spielsachen zur Verfügung. Und genau davon haben sich die Pädagoginnen des Pfarrcaritas-Kindergartens St. Florian am Inn für acht Wochen verabschiedet.

"Mit diesem Projekt sollte den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, aus dem starr vorgefertigten Angeboten für eine Weile auszubrechen", beschreibt Kindergarten-Leiterin Isolde König. Gemeinsam wurden die Spielsachen in Schachteln verpackt und "in den wohlverdienten Urlaub geschickt."

Plötzlich stand den Kindern ein Gruppenraum der ganz anderen Art zur Verfügung: Tische, Sesseln, Schachteln, Seile, Bänder, Decken und mehr. All das forderte die Neugier der Kleinen. "Ideen und Kreativität traten an die Stelle von bespielt und aktiviert werden", schildert König. "Wir als Erzieher geben bewusst keine Lösungen vor, sondern stellen Fragen, so dass die Kinder selbst Lösungen finden."

Als erstes bleibt die Puppenstube verwaist. Der Bauplatz und die freien Flächen werden zum Schachtelparadies. "Ein Mädchen will sich ein Bett bauen und beschäftigt sich mit Schachteln, die mit buntem Papier austapeziert werden. Zwei Buben haben die brennende Idee, dass aus einer Schachtel ein Flugzeug werden soll. Kinder, die sonst nur Zuschauer sind, fangen an sich einzubringen", berichtet König von den Tagen ohne Spielzeug. Der Bewegungsraum musste in dieser Zeit nicht oft aufgesucht werden. Bewegung fand ständig im Gruppenraum statt.

Während der gesamten acht Wochen waren die Pädagoginnen stets im Kontakt mit den Eltern. Bei einem Elternabend zum Abschluss ließen alle die spielzeugfreie Zeit Revue passieren. "Die Eltern beobachteten, dass die Kinder auch zuhause ihr Spielverhalten verändert haben", berichtet König. "Sie haben begonnen, Materialien zu sammen, kreative Bauwerke sind entstanden. Das Wohnzimmer wurde zur Baustelle." Einige der Eltern stellten ihr zufolge außerdem Überlegungen an, auch zuhause das Spielzeug zu reduzieren.

"Uns war es wichtig, die Menge an Spielzeug kritisch zu hinterfragen", sagt die Kindergarten-Leiterin. "Bei einem zu Viel an Angeboten verlieren die Kinder den Überblick und es fällt ihnen schwer sich zu ordnen."
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