06.10.2016, 00:00 Uhr

Aufgepasst: Hier seid ihr gefragt

Sarah Steininger (li.) und ihre beiden Lehrlingskolleginnen von Metall Auer. Die 18-Jährige hat heuer als erstes Mädchen den Landeslehrlingsbewerb für Metalltechniker gewonnen. (Foto: Metall Auer)

Lehrlinge haben heutzutage die Qual der Wahl. Und: Mädchen stehen in technischen Berufen "ihren Mann".

BEZIRK (ska). Wer jetzt eine Lehre absolvieren möchte, hatte es wohl nie schöner: 120 offene Lehrstellen im Bezirk Schärding laut AMS und nur 27 Lehrstellensuchende.

Lehrlinge in spe haben somit die Qual der Wahl. Und für Firmen heißt das: Sie müssen um qualifizierten Nachwuchs geradezu ringen. Denn dieser ist Mangelware aufgrund der demographischen Entwicklung, wie Alois Ellmer, Leiter der Wirtschaftskammer Schärding, sagt. "Viele junge Menschen ziehen weg in die Zentralräume." Ihm zufolge sind es aber nicht nur die "klassischen" Berufe, in denen Fachkräfte fehlen, wie Metzger, Wirte und Friseure. "Es sind auch Kfz-Werkstätten, Metallunternehmen und Elektroinstallateuere, die intensiv auf Lehrlingssuche sind", sagt Ellmer (Mehr dazu unten).

Wie sieht's mit den Mädchen aus?

Und wie können diese Branchen Fachkräfte finden? Indem sie den Fokus verstärkt auf Mädchen legen, nennen der WK-Leiter und Harald Slaby, Chef des AMS Schärding, eine Möglichkeit. Bei der Technikrallye des Arbeitsmarktservices sei deutlich zu sehen: "Auch viele Mädchen sind technikinteressiert und geschickt", sagt Slaby. "Bei der definitiven Berufswahl entscheiden sich die meisten aber trotzdem für einen traditionellen Frauenberuf.
Das merkt auch Alois Ellmer: "Viele Mädchen mit technischen Begabungen gehen verloren. Am liebsten beginnen sie nach wie vor eine Lehre im Handel, im Büro oder im Finanzbereich." Nur 30 von 256 weiblichen Lehrlingen im Bezirk Schärding arbeiten im technischen Bereich. "Es ist an der Zeit, Rollenklischees aufzubrechen", sagt Ellmer.

Köpfchen geht über Kraft

Metall Auer in Wernstein macht's vor: Aktuell befinden sich 23 Lehrlinge in der Ausbildung zum Metalltechniker – drei davon sind Mädchen. "Sie arbeiten sehr verlässlich und genau, was von ihren männlichen Kollegen sehr geschätzt ist", berichtet Firmenchefin Maria Auer. "Auch durch ihr feinmotorisches Geschick und ihren Ehrgeiz können Mädchen punkten." Dennoch werde Frauen technisches Verständnis immer noch wenig zugetraut. "Die fehlende Körperkraft ist dabei ein Argument", sagt Auer. "Aber diese kann durch Hebekräne kompensiert werden." Das sieht auch Ellmer so: Eine Lehre stellt heutzutage mehr Anforderungen ans Köpfchen, als an die Kraft. "Die grobe, schwere Handwerksarbeit war einmal."


Die Lehre ist keine Einbahnstraße

Wer nach wie vor glaubt, die Lehre in einem ländlichen Bezirk wie Schärding sei eine Einbahnstraße, der irrt, sagt der Wirtschaftskammerleiter. "Wir haben unglaublich viele sogenannte 'Hidden Champions' im Bezirk Schärding: Firmen, die vielleicht nicht so bekannt, aber erfolgreich und international tätig sind und die weltweit exportieren."

Kommentar zum Thema von Sarah Steininger, Lehrling bei Metall Auer

Ein großer Vorteil, Lehrling zu sein: Man lernt sehr früh selbständig zu sein. Und nicht nur, weil man eigenes Geld verdient. Sondern weil man in der Praxis stets gefordert ist, Maschinen zu bedienen und Probleme zu lösen. Dabei ist vor allem die Zusammenarbeit mit den Kollegen sehr lehrreich. Denn jeder kennt andere Tricks oder hat andere Fertigkeiten. Wichtig in der Lehre: Speziell Ausbilder sollten ehrlich sein. Denn nur wenn Fehler angesprochen werden, können Lehrlinge aus diesen lernen. Ich denke, die Lehre rüstet gut für die Zukunft. Wer dann noch die Berufsreifeprüfung ablegt, umso besser. Mit der jahrelangen praktischen Ausbildung und der Berufsschule kann ein Lehrling mit einem Absolventen einer weiterführenden Schule auf jeden Fall mithalten.


Lehrstellen im Bezirk Schärding: "Jetzt vormerken lassen"

264 Lehrbetriebe bilden zur Zeit 809 Lehrlinge im Bezirk Schärding aus. 120 offene Lehrstellen sind beim AMS Schärding registriert. Diese Zahl werde bis ins erste Quartal 2017 noch kräftig ansteigen. Denn: "Firmen signalisieren schon jetzt, dass sie mit Ende des nächsten Schuljahres Lehrlinge einstellen wollen", erklärt AMS-Leiter Harald Slaby. Er rät deshalb allen Schülern, sich frühzeitig als lehrstellensuchend vormerken zu lassen.

Offene Lehrstellen nach Branchen:
- Metall/Elektro: 35
- Handel: 19
- Bau: 18
- Büro: 13
- Fremdenverkehr: 11

Außerdem hilfreich: Auf www.lehrbetriebsuebersicht.wko.at können Lehrbetriebe bezirksspezifisch gesucht werden. Die Unternehmen stellen sich vor, geben offene Stellen bekannt und informieren über Schnuppermöglichkeit.

Mehr über die LehrlingsRundschau und die LehrlingsRedakteure lesen Sie hier.
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