13.07.2017, 00:01 Uhr

Das Mädchen mit der "Blech-Kuh" im Stall

Marlene Perndofer mit Hofhund Oskar. Die 21-Jährige übernimmt den Bauernhof ihrer Eltern in Altschwendt.

Marlene Perndorfer aus Altschwendt (21) übernimmt den Bauernhof ihrer Eltern – mitsamt dem 24-Stunden-Milchautomaten.

ALTSCHWENDT (ska). Den Milchautomaten ihrer Familie berühmt zu machen, das ist der Wunsch von Marlene Perndorfer. Kurzerhand hat die 21-jährige Altschwendterin aus dem Automaten die "Blech-Kuh" gemacht, ein Logo nach dem Gesicht von Kuh Bonita entworfen und eine Facebook-Seite gestaltet. In der kleinen Gemeinde Altschwendt ist die Blech-Kuh bereits sehr beliebt. Und auch aus den umliegenden Orten kommen Menschen zu den Perndorfers um sich Milch, quasi fast direkt aus dem Euter der Kuh, zu holen.

Die Idee, Milch aus einem Automaten anzubieten, ward bereits 1995 geboren. Marlenes Eltern, Christine und Felix Perndorfer haben damals den Milchautomaten ins Leben gerufen. Sie führen den Betrieb seit 1990. Inzwischen leben bei den Perndorfers 40 Milchkühe mit Nachzucht. Marlene Perndorfer wird den Betrieb übernehmen. Zur Zeit arbeitet sie noch hauptberuflich bei der Firma Scheuch. Doch der Bauernhof ist ihre Zukunft. Und diesen möchte die 21-Jährige nachhaltig bewirtschaften. Schon ihre Eltern haben sich für eine umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Führung des Hofes verpflichtet. "Die Menschen dürfen den Bezug zur Natur und der Landwirtschaft nicht verlieren", sagt sie. Der Milchautomat passt dabei gut ins Konzept: "Was die Konsumenten wollen, sind keine Tierfabriken, sondern Bauernhöfe, auf denen jede Kuh einen Namen hat", ist Perndorfer überzeugt.

"Die Konsumenten wollen keine Tierfabriken, sondern Bauernhöfe, auf denen jede Kuh einen Namen hat"

Ein großer Vorteil des Milchautomaten gegenüber den Supermärkten ist ihr zufolge die uneingeschränkte Verfügbarkeit. "Es gibt keine Öffnungszeiten, die Blech-Kuh ist 24 Stunden am Tag zugänglich", beschreibt die junge Landwirten. Wer Milch kaufen will, nimmt am besten ein Gefäß mit mindestens 0,7 Litern Fassungsvermögen mit. Denn das ist die Mindestfüllmenge. Diese 0,7 Liter kosten 50 Cent. "Das ist ein fairer Preis für uns. Und für die Kunden immer noch billiger als im Supermarkt", weiß sie. Die Milch aus der Blech-Kuh ist vollkommen unbehandelt. Sie wird lediglich durch einen Filter gepumpt und anschließend gekühlt. Familie Perndorfer unterzieht sich strengen Qualitätskontrollen, um diese frische Milch anbieten zu können. "Mehrmals im Monat wird sie auf all ihre Inhaltsstoffe geprüft", erklärt Marlene Perndorfer. "Dazu kommen unangemeldete Überprüfungen der AMA und des Tiergesundheitsdienstes."

Landwirtin zu werden war schon immer ein Traum der 21-Jährigen. Auch wenn sie zunächst gar nicht als "Hoferbin" vorgesehen war. "Das hätte mein Bruder sein sollen", erzählt sie. Weil dieser verstarb, übernimmt nun Marlene Perndorfer. "Ich bin so froh, diese Chance nun zu bekommen", sagt sie. "Wichtig ist mir, mit der Natur und nicht gegen die Natur zu arbeiten. Die Tiere sollen eine schöne Zeit bei mir haben." Im Moment besucht die 21-Jährige die Abendschule der landwirtschaftlichen Fachschule Otterbach, um den Facharbeiter zu absolvieren.

Auf Besucher und Kunden ihrer Blech-Kuh freut sie sich gemeinsam mit Hofhund Oskar.

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