08.03.2017, 09:53 Uhr

Die Chefin, die ihren Mann steht

Karin Kastinger ist seit 1998 Geschäftsleiterin des Verkaufs im Einrichtungsstudio Gupfinger in Schärding. (Foto: Kastinger)

Chefinnen sind auf dem Vormarsch: 2015 wurde in Oberösterreich fast jedes zweite Unternehmen von einer Frau geführt. Die BezirksRundschau hat sich auf die Suche nach erfolgreichen Frauen im Bezirk Schärding gemacht. Karin Kastinger, Geschäftsführerin im Verkauf des Einrichtungsstudios Gupfinger in Schärding verrät im Interview ihr "Geheimrezept" und warnt vor zu vielen Kompromissen.

SCHÄRDING (ska). Frau Kastinger, Haben Sie das Gefühl, sich als Frau mehr beweisen zu müssen – vor allem in der Männerdomäne der Handwerksbranche?
Frau oder Mann ist nicht die Frage – seine Arbeit gut zu erledigen, das ist wichtig.
Da ich handwerklich nie in Konkurrenz mit meinen Mitarbeitern trete, muss ich hier auch nichts „beweisen“. Ich verfüge über ausreichend Selbstvertrauen und Erfahrung in meinem Beruf, so dass ich mich auch als Frau in dieser „männerlastigen“ Welt sehr wohl fühle und akzeptiert werde.

Haben Sie in der Vergangenheit skeptische Blicke geerntet als Chefin eines Handwerksbetriebs? Und wie schaffen Sie es, „als Frau Ihren Mann zu stehen“?

Es wird immer jemanden geben, der argwöhnisch auf einen blickt. Im Grunde gibt es aber einen sehr netten Umgang unter Berufskollegen. Als Frau meinen Mann zu stehen – damit hatte ich noch nie ein Problem. Im Gegenteil, ich arbeite gern mit Männern zusammen. Mit Charme kommt man manchmal leichter ans Ziel.

Wie können Sie als Frau den Betrieb positiv beeinflussen. Was bringen Frauen mit, was Männern eventuell fehlt?

Die gute Mischung macht es: Weibliche Intuition und ein wenig Einfühlungsvermögen schadet in einem männerdominierten Arbeitsbereich bestimmt nicht. Gegenseitige Akzeptanz ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Arbeitsklima.

Gibt es einen Leitsatz, an den Sie sich in Ihrer täglichen Arbeit halten?
Ich sage immer: „Geht nicht – gibt es nicht“. So finde ich zumeist auch die richtigen Lösungen im täglichen Ablauf. Mir macht meine Arbeit Spaß – die wichtigste Voraussetzung überhaupt.

Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Es war nicht immer einfach, aber ich hatte Hilfe und wusste immer, dass die Kinder gut aufgehoben sind. Wichtig ist, die gemeinsame Zeit intensiv zu nutzen. Das schlechte Gewissen aber bleibt, wenn man oftmals der Familie die Zeit stiehlt und den Beruf in den Vordergrund setzt. Also: Die Balance halten und wieder Ausgleich schaffen – dann funktioniert es.

Welche Tipps möchten Sie Frauen, die Karriere machen möchten, noch mit auf den Weg geben?

Sich selbst treu bleiben und dabei immer das persönliche Glück als eigentliches Ziel vor Augen haben – sei es der Berufserfolg, die Familie oder beides. Aber: Bei zu vielen Kompromissen wäre Vorsicht angesagt ...
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