25.08.2016, 00:00 Uhr

Die große Frage: Sind sie qualifiziert?

Friseurmeisterin Christina Schlöglmann ist stolz auf Ayoub Alkhaled, der als Herrenfriseur in Zell gut ankommt.

43 Asylberechtigte suchen derzeit im Bezirk Schärding eine Arbeit. Ein Hindernis ist die Sprache.

BEZIRK (ska). Bei vielen scheitert's an sprachlichen Barrieren und fachlichen Defiziten: Nur für wenige Asylberechtigte im Bezirk Schärding hat sich bisher ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis ergeben, wie Rudolf Zweimüller, stellvertretender Leiter des Arbeitsmarktservice (AMS) Schärding, berichtet. Das AMS ist Teil des Arbeitskreises "Asyl – was nun". Ein erkärtes Ziel dieser Projektgruppe ist, die Asylberechtigten in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

"Ayoub nimmt niemandem einen Arbeitsplatz weg"

Ein Flüchtling, der bereits eine Anstellung gefunden hat, ist Ayoub Alkhaled (22). Der Syrer arbeitet seit Juni im Friseursalon ChrisTina in Zell an der Pram. Den Vorwurf, die Asylberechtigten nehmen den Österreichern die Arbeitsplätze weg, will Ayoubs Chefin Christina Schlöglmann so nicht stehen lassen. "Wir haben lange nach einer Fachkraft für den Posten bei uns gesucht und sind auch in den eigenen Reihen nicht fündig geworden", erklärt sie. Von einer Verdrängung inländischer Arbeitskräfte kann keine Rede sein, sagt auch Zweimüller vom AMS. "Viele Asylberechtigte können nur durch einen Hilfs- oder Anlernberuf in den Arbeitsmarkt einsteigen. In diesem Bereich ist die Konkurrenz unter den Arbeitskräften schon lange groß." Flüchtlinge hätten durch mangelnde Sprachkenntnisse und eingeschränkte Mobilität – sie sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen – nicht gerade einen Vorteil. 43 Asylberechtigte werden vom AMS Schärding derzeit betreut.

Wie ausgebildet sind sie?

Dennoch bedeute die Integration von Asylberechtigten in den Arbeitsmarkt eine Chance – und zwar für sogenannte Mangellehrberufe, zu denen Restaurantfachkraft, Koch und auch Friseur zählen. "Hier werden gut qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt", sagt Zweimüller. Und können die Flüchtlinge dabei tatsächlich Abhilfe schaffen? "Noch nicht", sagt er. "Denn das Ausbildungsniveau lässt sich schwer vergleichen", sagt Zweimüller. In den Herkunftsländern der Asylberechtigten gebe es duale Formen, wie die Lehre eine ist, nicht. Ayoub aus Zell beispielsweise hat eine dreimonatige Ausbildung zum Herrenfriseur absolviert, die mit einem Diplom abschloss. Mit Kompetenzchecks sollen nun die Fertigkeiten und beruflichen Kenntnisse der Asylberechtigten festgestellt werden. Laut Zweimüller besteht die Herausforderung anschließend darin, die Flüchtlinge auf die Anforderungen der bei uns nachgefragten Arbeitsplätze vorzubereiten.

Großes Manko sind zudem nach wie vor fehlende Sprachkenntnisse. Ziel des AMS ist es deshalb, alle vorgemerkten Personen mit Kursen zumindest auf das Sprachniveau A2 heranzuführen, wie Stockmayr sagt. Das hat Ayoub Alkhaled längst geschafft. Der Syrer hat keinen Sprachkurs besucht, sondern sich Deutsch im Eigenstudium beigebracht, wie er erzählt. Eineinhalb Jahre muss sein Dienstverhältnis im Friseursalon ChrisTina nun dauern. Dann kann er die österreichische Lehrabschlussprüfung nachholen. Das ist Ayoubs Wunsch.

Zur Sache: Asylwerber vs. Asylberechtigte am Arbeitsmarkt
Asylwerber, also jene Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft, dürfen noch nicht in Österreich arbeiten. Ausgenommen davon sind Asylwerber bis 25 Jahre: Sie dürfen eine Lehrstelle in einem Mangelberuf beginnen.
Asylberechtigte (positiver Asylbescheid) haben freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt.
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