01.02.2012, 10:40 Uhr

Fairtrade beginnt vor uns’rer Tür

Weltweit werden die Hälfte aller Lebensmittel weggeschmissen: Moderator Thomas Mohrs (Wie’s Innviertel schmeckt), Herbert Kamesberger (OÖ Umweltprofis), Philipp Braun (Slow Food OÖ), Bürgermeister Karl Ehwallner (Vorsitzender BAV Ried) und Biobauer Walter Stockenhuber (Biogärtnerei Engelhartszell) diskutieren über globale Ursachen und regionale Lösungen. Fotos: Doms/Wagnermaier

BAV Ried & Schärding über Lebensmittel im Müll – ein globales und regionales Desaster

Riesigen Besucherandrang brachte der Filmabend der Bezirksabfallverbände Ried und Schärding in Kooperation mit der BezirsRundschau. Danach wurde heiß diskutiert und eine Hausaufgabe mitgegeben: Zwei Wochen nur Lebensmittel ohne Strichcode!

RIED (was). Auch bei uns im Innviertel wird Brot weggeworfen, hieß es gleich nach dem Film „Taste the Waste“, der weltweit Lebensmittelberge aufzeigte, die auf dem Müll landen. Nicht nur der deutsche Kartoffelbauer lässt fast 50 Prozent seiner Ernte auf dem Acker liegen, weil die Knollen zu dick oder zu klein sind. Auch Biobauer Walter Stockenhuber nimmt der Handel schon mal Melanzani nicht ab, weil sie zu groß sind. „Auf den 400 Kilogramm bleiben wir nicht sitzen, es gibt genügend Köche, denen die Größe egal ist.“

Von der Lebensmittelproduktion über die Verarbeitung, Handel, Einkauf und Konsum zeigt „Taste the Waste“ die Verschwendung auf.
„Ich habe in Sachen Entsorgung schon viel gesehen, aber mich überwältigt der Film. Er zeigt den Wahnsinn, was alles vernichtet wird“, ist Karl Ehwallner, Vorsitzender des BAV Ried, beeindruckt. Und von der Produktion bis zum Konsum gibt es Anregungen von Experten und Diskutanten.

Biobauer Walter Stockenhuber lässt seine Kunden die Tomaten von den Stauden schneiden und ruft zum Gärtnern auf. „Wer mehr Bezug zur Produktion von Lebensmittel hat, schmeißt nichts mehr so schnell weg.“
Johannes Liebl, Komposter aus Suben, kennt Konsumfallen wie den „Kübeltrick“ aus seinem Alltag. Angebote verlocken große Mengen zu kaufen, die dann auf dem Müll oder im Kompost landen. „Fairer Handel fängt nicht bei Kaffee aus Nicaragua an, sonderen vor unserer Haustür“, weiß Thomas Mohrs, Initiative Wie’s Innviertel schmeckt. Für regionale Produkte soll auch ein fairer Preis bezahlt werden. Bewusster einkaufen kann auch heißen, den Handel auszuschalten: Sich zwei Wochen nur von Lebensmittel ohne Strichcode zu ernähren, könnte den Blick für Regionales und Saisonales schärfen.

Beim Konsum rät Slow-Food-Experte Philipp Braun, sich Zeit zu nehmen für’s Kochen und für’s Essen. Die scheidende Schärdinger Bezirksbäuerin Gerti Grabmann geht einen Schritt weiter: Schon den Kindern sollte Kochen gelehrt werden. Statt Brot wegzuwerfen, werden dann Knödel gedreht.
1
0
1 Kommentarausblenden
27
Thomas Mohrs aus Schärding | 01.02.2012 | 13:22   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.