Prozess beendet
Häuselbauer-Betrüger zu vier Jahren Haft verurteilt

Rechtsanwalt Christian Kies
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Nach sechs Verhandlungstagen endete für einen 57-Jährigen am Landesgericht St. Pölten ein Betrugsprozess, bei dem mehrere Opfer mit einer Gesamtschadenssumme von etwas mehr als 1,6 Millionen Euro möglicherweise auf der Strecke bleiben.

BEZIRK. Der Beschuldigte hat zwischen 2017 und Juni 2020 seine Kunden, meist junge Häuselbauer, auch Freunde und Verwandte aus den Bezirken Scheibbs und Amstetten betrogen, indem er ihnen als Selbständiger anbot, deren Bauvorhaben zu koordinieren, Kreditangebote einzuholen und die Baurechnungen je Baufortschritt zu bezahlen.
Das Geld dafür ließ er sich in vielen Fällen auf sein Firmenkonto überweisen. Gegen entsprechende Vereinbarungen hat er jedoch nur jeweils geringe Baurechnungen seiner Kunden beglichen.

Darüber hinaus soll er auch Rechnungen einer Baufirma gefälscht oder Kunden Blankoformulare untergeschoben haben.

Ein angemessenes Urteil

Anfangs zögerlich, bekannte sich der ehemalige Robin Hood der Häuselbauer gegenüber Richter Slawomir Wiaderek schließlich doch schuldig. Verteidiger Michael Dohr erklärte, dass der Angeklagte kein typischer Betrüger sei, der sich auf Kosten der Opfer teure Autos und Urlaube leistete, vielmehr sei ihm seine Geschäftsgebarung über den Kopf gewachsen.

Für das Urteil (nicht rechtskräftig) von vier Jahren Haft, Schadensgutmachung und Wertersatzverfall ebenfalls in Höhe des Schadens nahm Dohr im Namen seines Mandanten Bedenkzeit, wobei er das Urteil für tat- und schuldangemessen hält.

82.000 Euro: Alarmglocken schrillten

Schwer im Zaum halten musste sich Robert L. als Prozessbeobachter, als der Angeklagte in Handschellen an ihm vorbeigeführt wurde. Der 39-Jährige ließ aufwändige Sanierungsarbeiten von dem 57-Jährigen koordinieren, wofür 82.000 Euro auf das Konto des Betrügers flossen.
Als ihn die Heizungsfirma klagte, da nur ein Bruchteil der Kosten bezahlt worden war, schrillten bei dem Auftraggeber die Alarmglocken. Gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN meinte er, dass er dem 57-Jährigen aufgrund seines damals guten Rufes vertraut habe.
Jetzt musste er einen weiteren Kredit aufnehmen, um nicht bezahlte Rechnungen zu begleichen. Wie es mit den Sanierungsarbeiten weitergehe, stehe vorerst noch im Raum.

Auf die Frage nach der Rückerstattung des Geldes durch den Beschuldigten erklärte er: „Ich glaube nicht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt!“

Sieben Opfer in ihrer Existenz gefährdet

Teilweise in ihrer Existenz gefährdet sind auch weitere sieben Opfer, für die Rechtsanwalt Christian Kies im Prozess großteils den Schadenersatz in Höhe von insgesamt rund 600.000 Euro zugesprochen bekam. Ob von dem Geld, von dem der Angeklagte zumindest 650.000 Euro im Casino verspielte, noch etwas übrig ist, wird sich zeigen. Bis dahin ist der 57-Jährige zumindest bei den Opfern vom Robin Hood zum Albtraum mutiert.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Gerichtsverhandlung: 

Mostviertel: "Robin Hood der Häuselbauer" muss vor Gericht
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