Wieselburgs Bauern im Gespräch
Bezirk Scheibbs: Heimisches Fleisch steht am Abgrund

Bauernbunddirektor Paul Nemecek, Wieselburger Bauer Hubert Karlinger und Vater Franz Karlinger "wollen faire Preise“.
  • Bauernbunddirektor Paul Nemecek, Wieselburger Bauer Hubert Karlinger und Vater Franz Karlinger "wollen faire Preise“.
  • Foto: NÖ Bauernbund/Franz Crepaz
  • hochgeladen von Sara Handl

Die Preise sinken, der Lohn ist gering und die Qualität soll dennoch hoch sein: Wieselburgs Bauern verzweifeln.

WIESELBURG. "Die Preise waren das ganze Jahr schon im Keller. Aber jetzt stürzen sie endgültig ganz ab“, sagt Landwirt Hubert Karlinger aus Krügling bei Wieselburg. Die Rede ist vom Preisverfall des heimischen Fleisches. Egal, ob Schweine- oder Rinderschnitzel: Man bekommt es jetzt so günstig wie noch nie. Sehr zum Leiden der regionalen Bauern. Dazu kommen wegen Corona auch die fehlenden Absatzmärkte in der Gastronomie und im Export.

"nicht auf Dauer überleben"

Aktuell bekommt man ein Kilo Schweinekotelett im Handel bereits ab 6,99 Euro. Der Bauer bekommt dafür gerade einmal 1,30 Euro – Wenn nicht sogar weniger.

„Ich bin allen Konsumenten dankbar, die Frischfleisch oder beim Direktvermarkter kaufen. Bei diesen Produzentenpreisen kann ich sonst wirtschaftlich nicht auf Dauer überleben“, so Karlinger. Doch nicht nur der 28-Jährige Landwirt aus Wieselburg blickt in eine unsichere Zukunft. Generell besteht die Angst, dass nach der Wiedereröffnung der Wirtshäuser das Schnitzel am Teller nicht mehr aus Österreich stammt.

Forderungen der Bauern

„Beim Schweinefleisch beträgt der Preiseinbruch im Vergleich zum Vorjahr rund 25 Prozent!“, sagt NÖ Bauernbunddirektor und ebenfalls Wieselburger Paul Nemecek. Für die 4.415 schweinehaltenden Betriebe in Niederösterreich eine Katastrophe.

"Wenn unsere Schweinebauern nicht bald wieder einen fairen Preis für ihren ehrlichen Fleiß bekommen, werden sie das Handtuch werfen. Woher soll dann das berühmte österreichische Schnitzel kommen? Damit folgen Importe aus Ländern mit deutlich niedrigeren Produktionsstandards und eine Abhängigkeit von ausländischen Produzenten“, meinen die beiden Wieselburger Nemecek und Karlinger einstimmig.

Transparente Lösungen

Laut Nemecek würde die Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel (etwa wie durch das AMA-Gütesiegel) und ein klares Bekenntnis beim Fleischeinkauf in öffentlichen Einrichtungen die Lage bereits etwas entspannen. „Beide Maßnahmen wären auch im Regierungsprogramm verankert, leider lässt die österreichweite Umsetzung derzeit noch auf sich warten“, so Nemecek.

Übrigens: Im Durchschnitt isst ein Österreicher rund 37 Kilogramm Schweine- und 18 Kilogramm Rindfleisch im Jahr. Noch beträgt der Selbstversorgungsgrad bei beiden Sorten über 100 Prozent, in Stein gemeißelt ist diese Versorgung mit heimischem Fleisch angesichts der Marktlage allerdings nicht.

Zur Sache
In NÖ gibt es 4.415 schweinehaltende Betriebe – Das 770.000 Tiere. Das Schweinefleisch kostet nun 25 Prozent weniger als im Vorjahr (Ein Schweinekotelett etwa kommt auf 6,99 Euro.) Der Bauer bekommt dafür 1,30 Euro.

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