19.12.2017, 09:47 Uhr

"(K)Eine schöne Bescherung" für ältere Arbeitslose im Bezirk Scheibbs

AMS-Geschäftsstellenleiter Josef Musil in Scheibbs.

"(K)eine schöne Bescherung": Über 50-Jährige auf Jobsuche zu Weihnachten im Bezirk Scheibbs.

BEZIRK SCHEIBBS. Niederösterreich, derzeit ein Winter- und Jobwunderland – zumindest auf den ersten Blick. Denn obwohl der Wirtschaftsmotor heuer Fahrt aufgenommen hat, gibt es für eine spezielle Gruppe keine guten Nachrichten zu Weihnachten: Bei den Über-50-Jährigen ist die Arbeitslosenquote im November um 0,7 Prozent gestiegen. Auch im Bezirk Scheibbs sind die älteren Arbeitnehmer die Sorgenkinder des Arbeitsmarktservice (AMS).

Betroffene geben Auskunft

Besonders Frauen, die ihren 50. Geburtstag bereits überschritten haben, scheinen bei der Jobsuche im Bezirk Scheibbs mit Problemen konfrontiert zu sein. Wir haben zwei Betroffene befragt.
"Ich bin jetzt 51 Jahre alt und war während der letzten beiden Jahre permanent auf Arbeitssuche im Bezirk Scheibbs. Da ich in unserer Region aber in der Gastronomie nichts Passendes finden konnte, muss ich nun täglich bis nach Wien pendeln. Wenn die Dienstgeber, bei denen man sich bewirbt, das Geburtsdatum sehen, erhält man zu 90 Prozent keine Antwort, von einem persönlichen Gespräch ganz zu schweigen. Ich arbeite heuer auch zu Weihnachten und zu Silvester – so viel sei zum Thema 'Motivation bei älteren Arbeitnehmern‘ einfach gesagt", erzählt Godula Kroiß aus Scheibbs.
"Ich bin 52 Jahre alt und war 23 Jahre im Außendienst unterwegs und habe diverse Aus- und Weiterbildungen hinter mir. Ich bin jetzt zwar erst seit einem Monat auf Jobsuche, aber wenn einem immer wieder gesagt wird, dass man ja nicht mehr lange warten müsse, bis man in Pension gehen könne, ist das sehr frustrierend, wenn man eigentlich motiviert ist, einer geregelten Arbeit nachgehen zu können, die einen fordert", meint Cornelia Steiner aus Wieselburg.

Ältere haben mehr Erfahrung

Die Gaminger Bürgermeisterin, die als Landtagsabgeordnete die Sozialdemokraten im kommenden Landtagswahlkampf als Spitzenkandidatin vertreten wird, findet zwar, dass das AMS eine tolle Arbeit leiste, um ältere Arbeitnehmer wieder in den Arbeitsalltag zu führen, dass aber gleichzeitig die Arbeitgeber gefordert wären.
"Viele Unternehmer sollten die Hemmschwelle verlieren, ältere Personen aufzunehmen, denn diese sind meistens fast genauso leistungsfähig wie ihre jungen Kollegen und können sich mit ihrem Erfahrungsschatz aktiv in ein Unternehmen einbringen. Auch das Land sollte für diese Personengruppe entsprechende Arbeitsplätze schaffen und auch wir in der Gemeinde Gaming führen diesbezüglich intensive Gespräche", erklärt Renate Gruber.

Das AMS setzt sich aktiv ein

AMS-Geschäftsstellenleiter Josef Musil, der uns dankenswerterweise monatlich als Regionaut die Arbeitslosenzahlen aus dem Bezirk Scheibbs zur Verfügung stellt, ist mit der Gesamtentwicklung am Arbeitsmarkt zufrieden, sieht aber vor allem bei der Gruppe der Über-50-Jährigen Handlungsbedarf.
"Wir haben in den Bezirken Amstetten, Melk und Scheibbs das große Glück, die niedrigsten Arbeitslosenzahlen im ganzen Land aufzuweisen. So sind die Beschäftigtenzahlen während der vergangenen Jahre auch bei den Älteren gestiegen. Mit der Beschäftigungsaktion 20.000 wollen wir hier weiter gegensteuern", so Josef Musil.

Beschäftigung 50+ im Bezirk Scheibbs

Während man im Bezirk Scheibbs im Oktober 2015 16.840 unselbstständig Beschäftigte vermelden konnte, ist diese Zahl im Oktober 2017 auf 17.181 angewachsen. Aus der Gruppe der Über-50-Jährigen gehen um 349 Personen mehr einer Beschäftigung nach.

Schnabl: Langzeitarbeitslose können in Schule mithelfen


Die Aktion 20.000 läuft als Pilotprojekt im Bezirk Baden. Wie ist hier die Situation?
FRANZ SCHNABL: Seit Anfang Juli wurden hundert Jobs in Gemeinden geschaffen. Mit jedem einzelnen Arbeitsplatz wurden einem Menschen Würde und Selbstvertrauen zurückgegeben. Deshalb ist es sehr wichtig, dass dieses Projekt – wie vorgesehen – im Jänner in ganz NÖ startet. Ein Streichen wäre ein fataler Einschnitt bei Menschen, die Unterstützung brauchen und zeugt von sozialer Eiseskälte bei ÖVP und FPÖ.
Die SPÖ NÖ hat die Ausweitung auf den Landesdienst gefordert.
Aber die ÖVP hat die Chance ausgelassen, ernsthafte Anstrengungen bei den Arbeitnehmern über 50 Jahre, die überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen sind, auch nur in Erwägung zu ziehen. Der SPÖ-Antrag auf Schaffung von 300 Arbeitsplätzen im Landesdienst wurde nicht unterstützt – so sehen wir Sozialdemokraten uns verpflichtet, einzuspringen: Wir haben eine Initiative im Bereich der Schulen gestartet.

Worum geht's dabei genau?
Mit der „Aktion 20.000“ sollen ältere Langzeitarbeitslose in Schulen administrative Tätigkeiten übernehmen, die Kinder in deren Freizeit betreuen oder als Haustechniker eingesetzt werden. Diesen Vorschlag von Sonja Hammerschmid und Alois Stöger möchte ich auch auf die Pflichtschulen in NÖ ausweiten. Mein erstes Ziel: Arbeitsplätze für 200 Menschen schaffen.
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Hermann Biber aus Scheibbs | 27.12.2017 | 09:54   Melden
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