07.09.2016, 13:17 Uhr

Wie Coworking am Land wirkt

Thomas Wagner (Themenfeldsprecher Junges Unternehmertum), Margaretha Bewersdorff und Mariella Pfannenstill (FH-Mitarbeiterinnen), Andrea Kovacic (Fachbereichsleitung), Bürgermeister Günther Leichtfried (Wieselburg), Astin Malschinger (Studiengangsleiterin), Hannes Scheuchelbauer (Volksbank), Andreas Hanger (Eisenstraße-Obmann), Stadtrat Kurt Hraby (Waidhofen), Bürgermeister Bürgermeister Wolfgang Pöhacker (Steinakirchen) und Joseph Hofmarcher (Coworking Eisenstraße Management).

Am FH-Campus Wieselburg hat man eine Motivstudie über Coworking im ländlichen Raum durchgeführt.

WIESELBURG. Interessiert, aber noch nicht infiziert vom Coworking-Trend: So lässt sich das Ergebnis einer breit angelegten Studie über neue Arbeitsformen im ländlichen Raum zusammenfassen. Rund 160 Personen befragte ein wissenschaftliches Team des FH Campus Wieselburg (Austrian Marketing University) im Auftrag der LEADER-Region Eisenstraße Niederösterreich zum Thema "Coworking".

Aufbau eines Netzwerks

Die Ergebnisse der Studie wurden vor Bürgermeistern und zukünftigen Betreibern der Coworking Space-Standorte präsentiert. Die Erforschung der Arbeitsräume für junge Unternehmer ist ein wesentlicher Teil im LEADER-Projekt „Coworking Eisenstraße“.
Dieses Projekt zum Aufbau eines Netzwerkes von Gemeinschaftsbüros für junge Dienstleister im Städte-Dreieck Waidhofen an der Ybbs, Wieselburg und Scheibbs/Neubruck wird gefördert durch Mittel von Land Niederösterreich und Europäischer Union.
Das Angebot "Arbeitsplatz im Coworking Space" soll mit einem Gesamtpreis von 240 Euro pro Monat (inkl. Strom, Heizung, Internet, Grundreinigung, usw.) eine gute Möglichkeit für Gründer, Selbständige und Rückkehrer sein.

Heimbüro als Konkurrenz

Die Motivstudie, präsentiert durch die wissenschaftliche FH-Mitarbeiterin Mariella Pfannenstill, konnte viele interessante Details zu Tage befördern und Vermutungen bestätigen. So haben die ausgewählten Zielgruppenvertreter (Dienstleister rund um die drei Regionszentren) beinahe einstimmig geäußert, dass eine komplette Büroinfrastruktur das Wichtigste für den Einzug in einen Coworking Space sei. Die größte Konkurrenz für das Gemeinschaftsbüro ist immer noch das Heimbüro, weil quasi kostenfrei.

Neubrucker Pioniergeist


Im Vergleich der drei Regionszentren zeigen Waidhofen und Wieselburg, zumindest in der Anzahl der möglichen Coworker, ein sehr großes Potenzial auf. Für den Pionier-Standort "Coworking Neubruck" bei Scheibbs, welcher seit Februar 2016 mit drei Arbeitsplätzen belegt ist, bestätigt die Erhebung eine deutlich geringere Anzahl an Kleinunternehmern, für welche ein Coworking Space geeignet wäre.

Mehr als ein Großraumbüro

Auch wenn das neudeutsche Wort "Coworking" etwas sperrig sei, es drücke mehr aus als nur ein bloßes Gemeinschaftsbüro aus. "Es ist eine Philosophie-Frage. Soziale Interaktion ist das Wichtigste für einen funktionierenden Coworking Space. Es hängt stark von den Personen ab, wie sie ihre Co-Arbeit gestalten", sagt Eisenstraße-Obmann Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger. Das Prinzip "Coworking" müsse noch stärker kommuniziert werden. Außerdem sei auch zu bemerken, dass es eine österreichische Erfindung vor bereits 15 Jahren gewesen sei.

Coworking als Kulturfrage

"Coworking ist eine Kulturfrage", bestätigt Studiengangsleiterin Astin Malschinger vom FH Campus Wieselburg. Aus eigenen Beobachtungen weiß sie, dass "die Durchmischung von unterschiedlichen Fachgebieten immer fruchtbar ist, weil sie gegenseitige Unterstützung, Kooperationen und mehr Kreativität fördert."

Coworking Space in Wieselburg

Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried betonte: "Wieselburg bewährt sich als Wirtschaftsstandort zwischen Amstetten und St. Pölten." Daher sei das Angebot eines Coworking Spaces durchaus wichtig am Standort Wieselburg. Erste Vorgespräche mit der Volksbank Ötscherland für einen Coworking Space mitten am Hauptplatz laufen sehr positiv.

"Kulturelle Urbanisierung"

"Coworking ist ja eigentlich ein städtisches Phänomen", sagt "Coworking Eisenstraße"-Projektmanager Joseph Hofmarcher. In urbanen Zentren sei eine höhere Bevölkerungsdichte vorhanden und Arbeitsräume mit sozialen Interaktionsmöglichkeiten würden dort aus einem räumlichen Bedürfnis heraus entstehen. "Für den ländlichen Raum sind wir überzeugt, dass wir mit Coworking Spaces langfristig auch Studien-Rückkehrern zurückgewinnen können." Damit würden die Eisenstraße-Standorte eine "kulturelle Urbanisierung" der ländlichen Region begünstigen.

Viele Kraetive im Mostviertel

LEADER-Themenfeldsprecher Thomas Wagner bestätigt den Aspekt des Bedarfs an flexiblen Arbeitsräumen: "Die Kreativwirtschaft existiert in ländlichen Regionen und ist sehr gut aufgestellt. Das ist nur noch nicht in allen Köpfen angekommen."

Weitere Termine zum Thema

Eine Informationsveranstaltung "Coworking Wieselburg" mit Expertenbericht ist für November im Gebäude der Volksbank im Stadtzentrum geplant. Dort könnte im letzten Obergeschoss ein Coworking Space mit fünf Arbeitsplätzen bezugsfertig sein. Wenn größerer Bedarf erkennbar ist, können weitere Plätze geschaffen werden.
"Coworking Waidhofen an der Ybbs" im Stadtteil Zell an der Ybbs wird für mindestens acht Arbeitsplätze ab 1. März 2017 bezugsfertig sein.
Steinakirchen am Forst hegt Ambitionen, dort einen kleinen Coworking Space einzurichten, mit dem Schwerpunkt Büroarbeitsplätze und Therapieräume.
"Coworking Neubruck" hat im September den ersten Sommerfrische-Coworker für vier Wochen. Von 9. Oktober bis 12. Dezember werden in den Coworking-Räumlichkeiten die besten Arbeiten von Scheibbser Industriedesigner Clemens Auer ausgestellt. Die Vernissage dafür findet am Freitag, 14. Oktober statt.

Das Fazit der Motivstudie

58 Prozent der befragten Unternehmer (EPUs, Kleinstunternehmen) arbeiten derzeit im Home-Office.
38 Prozent haben bereits einmal über einen Bürowechsel nachgedacht.
Flexible Büroöffnungszeiten, gute technische Infrastruktur und günstiger Mietpreis werden als die drei wichtigsten Aspekte für einen Bürostandort angesehen. Die Möglichkeit für entspannende Tätigkeiten (Wutzler etc.) ist im Gegensatz zum städtischen Bereich, wo dieses Motiv ganz oben steht, für UnternehmerInnen im ländlichen Raum unwesentlich.
40 Prozent der interviewten UnternehmerInnen haben schon einmal etwas über das Konzept Coworking gehört.
Die maximale Anfahrtszeit zum Coworking Space, die die UnternehmerInnen in Kauf nehmen, sind 15 Minuten (62 Prozent), 30 Minuten (37 Prozent) bzw. mehr als 30 Minuten (ein Prozent).
Das meiste Potenzial für Coworking Spaces im Mostviertel orten die Befragten in den Städten Amstetten, Waidhofen an der Ybbs, Wieselburg. Dahinter folgt Scheibbs.
Fazit: Das Konzept Coworking ist im ländlichen Raum bereits bekannt, wird aber meistens mit einem bloßen Gemeinschaftsbüro assoziiert. Der Vorteil durch das kreative Umfeld und die gegenseitige Bereicherung durch neue Kontakte wird nur wenig wahrgenommen und selten als Vorteil gesehen.

Weitere Infos über "Coworking Eisenstraße" erhält man hier sowie bei Joseph Hofmarcher unter Tel. 0660/5666331 bzw. unter coworking@eisenstrasse.info
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