Interview
"Brauchtum und Tradition wahren und schüren"

Gabi Kirchmair war 27 Jahre lang Obfrau des Trachtenvereins Jenbach
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JENBACH (dkh). 27 Jahre lang war Gabi Kirchmair Obfrau des Trachtenvereins Jenbach. Vergangenen November übergab sie die Vereinsagenden in jüngere Hände. Die BEZIRKSBLÄTTER baten die "Vollblut-Trachtlerin" zum Interview.

BB: Warum bist du dem Trachtenverein Jenbach beigetreten?
Kirchmair: "Als Mitglied bin ich seit 1976 dabei. Damals war ich bei der ersten Jugendgruppe als Teil der ersten Mädchen dabei. Die wurde damals von Wast Egerbacher gegründet. Seit Generationen ist meine ganze Familie schon beim Trachtenverein. Ich bin auch schon als kleines Mädl mit fünf Jahren mitgegangen. Das war gar kein Thema, weil schon Eltern, Großeltern und alle dabei waren. Durch die Jugendgruppe mit ihren Auftritten war natürlich noch einmal mehr ein Anreiz da."

BB: Wie entwickelte sich deine Karriere beim Trachtenverein?
"Ich bin mit 16 Jahren zur aktiven Gruppe beigetreten. Viele Jahre war ich da dabei und war dann auch schon als Schriftführerin im Ausschuss. Dann war ich ein paar Jahre zu Hause, weil ich Mutter geworden bin. Aber es hat mich immer wieder gejuckt und dann bin ich wieder beigetreten. Unser damaliger Obmann Martin Amrainer ist 1991 ganz plötzlich verstorben und das Amt wurde interimsmäßig von Klaus Omenitsch übernommen. Bei der Jahreshauptversammlung 1992 wurde ich dann zur Obfrau gewählt, und bis November 2018 bin ich das durchgehende geblieben."

BB: Gibt es in Trachtenvereinen viele Frauen in der Führungsposition?
"Jetzt werden es mehr, aber damals, als ich zur Obfrau gewählt wurde, war das schon noch sehr selten. Gerade im Trachtenverein Jenbach war das schon etwas Besonderes. Die alten Honoren haben schon ein bisschen damit gehadert, aber sie sind immer hinter mir gestanden und es hat auch gepasst. Sie standen mir auch immer mit Rat und Tat zur Seite."

BB: Warum bist du im November 2018 zurückgetreten?
"Irgendwann muss man das in jüngere Hände legen und jetzt habe ich jemanden, von dem ich sagen kann, dass das, was wir aufgebaut haben, weitergeführt wird. Christopher [Omentisch, Anm. d. Red.] war im Landesverband bereits 'Vorplattler' und hat immer gesagt, er wäre offen dafür und das hat jetzt gepasst. Natürlich war dieser Rücktritt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 27 Jahre kann man nicht einfach so hinter einem lassen. Aber dadurch, dass ich ihm noch als Stellvertreterin zur Verfügung sehe, ist es immer noch Teil meines Lebens."

BB: Was waren die Highlights während deiner Obfrauschaft?
"Ja es gab einige Highlights. Wir haben ja ein eigenes Vereinsheim auf eigenem Grund und Boden. Das war immer nur ein Holzhaus, aber wir haben es dann gemeinsam um- und zugebaut mit Küche und Toilette. Dann haben wir einige Landesverbands-Wandertage mit 500 Leuten aus ganz Tirol ausgerichtet. Einmal in dieser Zeit haben wir das Unterinntaler Verbandstrachtenfest gemacht. Auch viele Gewitterbälle, Regenfeste wurden von uns ausgerichtet und jedes Jahr – auch mit so manchen Schwierigkeiten – haben wir den Maibaum aufgestellt und natürlich auch den Unsinnigen Donnerstag mitgetragen. Wir haben immer geschaut, dass wir eine Jugendgruppe haben, was ja besonders in Jenbach mit den vielen Vereinen, schon schwierig ist."

BB: Gab es auch traurige oder unangenehme Situationen?
"Als wir für das Unterinntaler Verbandstrachtenfest Fotos gemacht haben, wollte wir unseren Ehrenobmann Wast Egerbacher unbedingt dabei haben. Sie haben ihn dann auch hergebracht, wir haben Fotos gemacht und an diesem Tag kam er ins Krankenhaus und er hat sich nie wieder erholt. Nach drei Wochen verstarb er. Der 'Wast' war einfach unser Mentor, das muss man so sagen. Sonst muss ich sagen, dass es eine bewegte Zeit aber einfach tolle Zeit war. Ich habe es schon geschätzt, dass der ganze Ausschuss immer hinter mir stand. Mein Stellvertreter Klaus [Omenitsch, Anm. d. Red.] und mein Kassier Andi [Andreas Schragl, Anm. d. Red.] waren genauso lange im Vorstand wie ich. Auch der Schriftführer, der macht jetzt sogar noch weiter."

BB: Hat sich deiner Meinung nach die Einstellung der Menschen zu Tradition und Tracht geändert?
"Es gab schon eine Zeit, in der Tracht und Schuhplattln nicht so angesagt war. Aber in der jetzigen Zeit kommt das immer mehr, weil wir uns und auch die Leute sich gerne mit unserem Land identifizieren und das geht nur über Tradition und Brauchtum. Ich glaube das kommt immer mehr und die Leute brauchen es auch immer mehr."

BB: Was sind die Aufgaben eines Trachtenvereins?
"Brauchtum und Tradition zu wahren und auch zu schüren. Man darf da nicht stehenbleiben. Ganz wichtig ist auch die Jugendarbeit, die bei uns im Land stark gefördert wird. In der Gemeinde aber auch, dass man präsent ist. Es gibt einfach Anlässe, da gehört das Traditionelle einfach dazu."

BB: Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du zu kämpfen hattest, bzw. womit Trachtenverbände generell hadern?
"Als ich zur aktiven Gruppe dazukam, hatten wir sechs Mal die Woche Tiroler Abend. Das gibt es heute nicht mehr. Es gibt noch Tiroler Abende, das machen wir auch noch, aber es ist nicht mehr so. Damals gab es landauf landab schon Tiroler Abende, da könnte einem schlecht werden vom Zuschauen. Jenbach war da nie dabei, wir haben immer saubere Tiroler Abende gemacht und uns auch von komischen Wünschen von Wirten distanziert. Schwierigkeiten gibt es natürlich auch mit der Jugend, weil die Kinder oft heute einen Freizeitstress haben. Bei den Burschen ist einfach Fußballspielen mehr angesagt. Bei Mädchen hat man weniger Probleme. Es funktioniert gut, wenn man eine Clique zusammen hat, da muss man sie nur über die kritischen Jahre kitzeln, dann bleiben sie erhalten. Was wir immer gemacht haben war, dass wir zu den Jungen gesagt haben, sie sollen gerne die Partner bzw. Partnerinnen mitnehmen, zum Zuschauen oder einfach dabei sein. Das hat gut funktioniert. Also für die Jugendgruppe suchen wir neue Mitglieder, auch besonders Burschen und Ziehharmonikaspieler sind immer herzlich willkommen!"

BB: Was möchtest du deinem Nachfolger Christopher Omenitsch noch mit auf den Weg geben?
"Ich kann ihm gar nicht mehr viel mehr mit auf den Weg geben als das, was wir ihm vorgelebt haben. Ich möchte einfach gerne, dass er den Verein so weiterleitet, dass Jung und Alt einfach miteinander können, so wie wir es ihm vorgelebt haben."

FACTBOX

170 Mitglieder
davon 80 Trachtenträger
davon 20 Aktive
Jährlich an die 30 Ausrücken

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