Er ist für alle da: Notar Ernst Moser im Interview

Notar Ernst Moser aus Schwaz
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Seit Mitte Jänner hat Notar Ernst Moser seine neuen Büroräumlichkeiten im gerade errichteten Kolpinghaus in Schwaz bezogen. Mitte 2016 hat er das Notariat von Dr. Hechenblaickner in Schwaz übernommen und freut sich jetzt auf die neue Kanzleistruktur direkt neben dem Bezirksgericht. Das RMagazin hat ihn zum Interview getroffen.

RM: Warum haben Sie sich für das Studium der Rechtswissenschaften entschieden und sind dann Notar geworden und nicht etwa Richter oder Rechtsanwalt?
Ernst Moser: „Eine Berufsfindung ist immer schwierig. Es hat mich schon interessiert aus einem gewissen Gerechtigkeitssinn heraus. Wenn man dann studiert und besonders dann in der Praxis ist, sieht man aber schon, dass Recht und Gerechtigkeit zwar immer wieder Berührungspunkte haben, aber sicher nicht deckungsgleich sind. Direkt im Anschluss an das Studium ist es mir ermöglicht worden, hier in der Kanzlei meines Vorgängers Fuß zu fassen und da habe ich gemerkt, dass die Entscheidung richtig war, weil das der Beruf ist. Hier kann man viel für die Zukunft regeln und präventiv tätig sein, damit es gar nicht erst zum Streit kommt. Dieser Beruf als Notar, beziehungsweise vorher 18 Jahre als Angestellter, erfüllt mich schon. Das Amt des Richters hätte mir auch zugesagt, aber das war aus Gründen der Personalersparnis damals nicht möglich. Aber wie es so schön heißt, wenn sich eine Tür schließt, ergeben sich oft bessere Möglichkeiten. Ich bin nicht der Typ für den Rechtsanwalt, weil man sich öfters auch abgesetzt von objektiven Maßstäben für seinen Mandanten einsetzen muss. Hier muss ich schauen, dass keine der Parteien unter die Räder kommt, und wenn einer benachteiligt wird, muss ich ausdrücklich darauf hinweisen. Das liegt mir schon, diesen Ausgleich zu schaffen.“

RM: Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Behörden?
Moser: „Das funktioniert sehr gut hier in Schwaz. Sowohl mit den Ämtern als auch den Gemeinden läuft das alles sehr reibungslos. Das ist alles sehr kooperativ.“

RM: Was ist Ihr Aufgabenbereich?
Moser: „Wir sind letztlich doch eine Landkanzlei, daher müssen wir vieles abdecken. Das ist aber bei den Notaren generell so. Da gibt es die Säule des Erbrechtes mit beratendem Teil für Testamente und als Gerichtskommissär. Dann gibt es das Liegenschaftsrecht mit Kaufverträgen, Übergabeverträgen und dergleichen. Das ist der Kernbereich. Zu schauen, dass man im Vorhinein bei der Vertragserstellung alles gut regelt. Die Standards hier sind sehr hoch. Weiters gibt es das Unternehmensrecht, wo gewisse Kompetenzen nur dem Notar vorbehalten sind, wie zum Beispiel die Gründung einer Gesellschaft. Schließlich habe ich noch die öffentliche Funktion mit dem Beurkundungsrecht. Der Vorsorgebereich wird immer mehr in Anspruch genommen. Dabei geht es nicht nur darum, mit dem Testament für den Ablebensfall vorzusorgen, sondern auch für den Fall, dass man nicht mehr geschäftsfähig ist, Vollmachten zu vergeben, damit man keinen Sachwalter vom Gericht braucht. Insgesamt muss man sagen, dass das Bewusstsein für die Ablebensvorsorge durch Testamente schwach ausgebildet ist. Nur ein kleiner Prozentsatz der Österreicher hat ein Testament. Aber eine Steigerung im Bewusstsein ist schon zu beobachten und vor allem eine Regelung zu Lebzeiten, wie beispielsweise eine Häuserübergabe, hat stark zugenommen. Dahinter stecken meist profane Gründe. Wenn die Eltern ins Heim kommen, wird für die Kosten auf das Haus zugegriffen. Daher wird es oft schon vorher an die Nachkommen übergeben, damit das nicht passiert.“

RM: Ist der Beruf des Notars eine rein kühle Angelegenheit?
Moser: „Die Kunst des Notars ist es, die Leute dort abzuholen, wo sie sind. Ich bin schon bemüht, nicht ein Schema F durchzuziehen, sondern die Leute auf ihrem Wissensstand abzuholen und alles so zu erklären, dass es jeder versteht. Da kann es dann auch vorkommen, dass eine Beratung oft länger dauert, weil die Dinge nicht immer einfach sind, besonders wenn es in Erb-Angelegenheiten um die Verwandtschaftsverhältnisse geht. Ich will einfach nicht, dass jemand nicht verstanden hat, wovon wir hier geredet haben, und damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Zum Notar kommt man ja nicht unbedingt freiwillig, sondern weil etwas geschehen ist, jemand ist gestorben oder große Entscheidungen stehen an. Da ist oft viel Nervosität bei den Menschen da, Emotionen sind vorhanden, die Leute wollen etwas loswerden. In vielen Fällen gelingt es dann schon, eine Einigung zu erzielen.“

RM: Wirken sich die ständigen Rechtsänderungen auf Ihre Kanzlei aus?
Moser: „Ja, auch das notarielle Geschäft unterliegt saisonellen Bedingungen. Ganz klar zu sehen ist das bei Änderungen im Steuerrecht. Immer wenn die Steuer mehr wird, kommen mehr Klienten zu uns, um sich beraten zu lassen.“

RM: Gibt es bei Notaren noch den Gebietsschutz?
Moser: „Der Gebietsschutz trifft für den Notar als Gerichtskommissär im Todesfall einer Person zu. Das wird nach den Bezirksgerichten zugeordnet. Darüber hinaus kann man sich den Notar aussuchen. Da herrscht ganz normaler Wettbewerb, speziell auch mit den Anwälten.“

RM: Kostet das Erstgespräch etwas?
Moser: „Nein. Das Erstgespräch heißt kurze allgemeine Rechtsberatung und kann von jedem gestellt werden. Wenn es dann ins Detail geht oder um einen Vertrag, der geprüft werden muss, zählt das aber nicht mehr dazu. Der Preis ist natürlich heutzutage viel mehr ein Thema als früher. Es gibt Tarifregelungen, aber man muss schon ordentlich mit den Kunden umgehen. Wir gehen auch in die Gemeinden und bieten Amtstage an, an denen die Leute in ihre eigene Gemeindestube gehen können, um sich Informationen von mir zu holen. Das wird von den Leuten gerne angenommen, weil eine gewisse Schwellenangst dadurch verringert wird.“

Word Rap

So entspanne ich... bei einer Skitour, im Sommer beim Bergwandern

Mein Traum-Urlaubsziel... derzeit beschränkt es sich auf Kinderhotels, an sich eher Italien, Gardasee, das gefällt mir sehr gut

In meiner Pension werde ich... hoffentlich eine Tätigkeit ausüben, die mich weiterhin erfüllt so wie der Beruf jetzt

Mein Leitspruch... „So wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück.“

Mein Rat an junge Menschen... Man sollte vorsorgen!

Darauf freue ich mich... Wenn die neue Kanzlei läuft und ich mich nur noch auf die Arbeit und meine Familie konzentrieren kann.

Mag. Ernst Moser, Öffentlicher Notar

Kontakt:
www.notar-schwaz.at
moser@notar-schwaz.at
05242/71600

Adresse:
Ludwig-Penz-Straße 11
6130 Schwaz

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