Mein wackerer Augenblick

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Linz. Es war an einem kühlen, ungemütlichen Mittwoch im Frühling 2008, genauer gesagt am 19. März 2008; streng müsste man also vom Winter sprechen. Und winterlich wurde es an diesem Tag ja auch – aber dazu später.
Unser FC Wacker reiste als Tabellenschlusslicht nach Oberösterreich. Wir Fans fuhren ohne größere Hoffnungen in die Stahlstadt, nicht ahnend, was uns an jenem Abend noch bevorstehen sollte. Die Mannschaft hatte sich viel vorgenommen für dieses Spiel. Und trotz allem lag man nach einer guten Viertelstunde 1:0 zurück und musste mal wieder einem Rückstand nachlaufen. Doch die Wackerianer gaben nicht auf, tasteten sich heran und erzielten durch einen von Kolousek getretenen Freistoß den Ausgleich zum 1:1. Hoffnung machte sich breit. Dieses Tor gab Selbstvertrauen, Wacker traute sich nun mehr zu und spielte gut, wenn nicht sogar besser als der LASK, der zum damaligen Zeitpunkt immerhin Tabellendritter war.
Doch was unseren Spielern mit dem Pausentee verabreicht worden war, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Denn während Ivica Vastic in der 57. Minute den Ball zur neuerlichen Führung über die Linie drückte, verweilte die Wacker-Defensive im Tiefschlaf.
Und nicht einmal eine Minute später – noch bevor wir alle das 2:1 so richtig realisiert hatten – stand es auch schon 3:1. Christoph Saurer, der ein paar Jahre später für die Schwarz-Grünen aus Innsbruck auflaufen sollte, hatte zugeschlagen. Die Vorentscheidung zugunsten der Linzer schien gefallen. Grund genug für die Innsbrucker, nun alles auf eine Karte zu setzen.
Hatte bisher vielleicht das ein oder andere Schneeflöckchen den Weg aus dem Linzer Nachthimmel auf das Grün der Linzer Gugl gefunden, setzte jetzt richtiger Schneefall ein. Doch das störte Wacker nicht – ganz im Gegenteil: Unsere Mannschaft begann in einer Art und Weise zu kämpfen, wie wir‘s damals nur selten sahen, und spielte immer besser; der LASK ließ sich immer mehr zurückdrängen. Während Wackers ungarischer Stürmer Peter Orosz bei seinem ersten Versuch 5 m vor dem Tor noch scheiterte, machte er es in der 72. Minute eindeutig besser. Andi Hölzl spielte einen Pass in den Rücken der Abwehr, den der Ungar zum 2:3 verwertete.
Nach dem verdienten Anschlusstreffer warf unser Team endgültig alles nach vorne. Das Schneetreiben wurde immer dichter, das Tabellenschlusslicht immer stärker. Chance um Chance wurde herausgespielt. Die großen Verteidiger Ferdinand Feldhofer und Torsten Knabel, die zu einem Eckball nach vorne gekommen waren, dachten gar nicht mehr daran, sich wieder in die eigene Hälfte zurückzuziehen. Das wäre auch gar nicht notwendig gewesen, denn es gelang den Linzern nicht wirklich, den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen. Erreichte ein Ball durch einen Befreiungsschlag doch mal die Mittellinie, war Bernd Windisch zur Stelle. Er fing die Bälle dort ab, um sie gleich wieder an seine Kollegen weiterzuleiten, die im oder um den Linzer Strafraum lauerten. Am nun eher weißen Rasen spielte also nur mehr eine Mannschaft: Wacker. Wir können uns selten an eine solche Überlegenheit einer Innsbrucker Mannschaft erinnern, auch nicht in den Meisterjahren 2000 – 2002.
Ein Blick auf die Uhr hätte gezeigt, dass jetzt bald 90 Minuten vorbei wären und dass inklusive Nachspielzeit vielleicht noch 5 Minuten blieben, um doch noch das längst fällige Tor zu erzielen.
Doch wer im Auswärtssektor schaute schon auf die Uhr? Erstens konnte man die Anzeigetafel im Schneegestöber ohnehin nur mehr schlecht erkennen und zweitens waren wir alle so gebannt von diesem Spiel und waren uns sicher, dass der Ball noch im Tor landen musste – egal wie, egal wann.
Mittlerweile war die Nachspielzeit angebrochen, wir schrieben die 93. Minute.
Es gab nochmals Freistoß für Wacker Innsbruck. Unsere (wahrscheinlich) letzte Chance! Sogar Torhüter Zeljko Pavlovic kam mit nach vorne, um sich – wenn nötig oder möglich – ins Offensivgeschehen einzuschalten. Doch Pavlovic musste nicht eingreifen, das Erzielen des Treffers übernahm jemand anderer: Michael Madl. Den von Kolousek von rechts hereingezirkelten (wegen des Schneefalls gelben) Ball brachte er per Kopf genau dort unter, wo ihn alle aus dem Innsbrucker Lager schon längst sehen wollten – im Netz. Was nun folgte, war der kollektive Wahnsinn, zumindest im Auswärtssektor. Denn dort war die Hölle los. So etwas wie Fangesänge gab es nicht mehr, nur noch grenzenlosen Jubel, (wildfremde) Menschen lagen sich in den Armen. Elf Schwarz-Grüne jubelten auf etwa einem Quadratmeter vor dem Zaun zum Gästeblock.
All diese Szenen erinnerten an Momente, in denen wichtige Siege gefeiert oder Meistertitel errungen worden waren, es war aber nur ein Punkt, den wir uns im Abstiegskampf gesichert hatten. Da hätte uns ein Sieg schon weit mehr geholfen. Außerdem stand das Keller-Derby gegen Hauptabstiegskonkurrent Austria Kärnten vor der Tür, das wir unbedingt gewinnen müssten (aber leider dann nicht taten). Ansonsten wäre der Punkt hier in Linz nichts wert… Das alles war zumindest uns zu diesem Zeitpunkt durchaus bewusst, konnte diesen glorreichen, besonderen, eben wackeren Moment aber nicht trüben.
Sekunden später war das Spiel zu Ende, ein Spiel, an das wir uns gerne zurückerinnern, obwohl es nichts daran änderte, dass sich Wacker am Ende der Saison am letzten Tabellenrang wiederfand.
Dieses Spiel war… UNSER WACKERER MOMENT!!!
Barbara und Michael Danler

Autor:

Barbara Danler aus Schwaz

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