Entner: Gewerbe braucht Ordnung

Martina Entner, Obfrau der Wirtschaftskammer Schwaz, steht zu einer neuen Gewerbeordnung, eine Turbo-Liberalisierung ist aber nicht erstrebenswert. Sie würde vor allem die Konsumenten, Mitarbeiter und Lehrlinge treffen. Die Novelle zur Gewerbeordnung ist derzeit der politischen Wahltaktik zum Opfer gefallen und in die Warteschleife zurückgewiesen worden. WK-Schwaz Obfrau Martina Entner hofft doch noch auf politischen Sachverstand und eine Beschlussfassung vor dem Sommer: „Die Novelle ist intensiv verhandelt worden und enthält in der Endfassung einen vernünftigen Kompromiss. Die Gewerbeordnung hat Auswirkungen weit über die Betriebe hinaus und betrifft vor allem Konsumenten, Mitarbeiter und die Jugend“, verweist Entner auf die breiten gesellschaftspolitischen Auswirkungen bei Qualität, Kollektivverträgen, Lehre und Meisterausbildung – ganz abgesehen von Entbürokratisierungen und Erleichterungen für die heimischen Klein- und Mittelbetriebe. „Während die Kritiker der Gewerbeordnung öffentlichkeits-wirksam immer von einem ‚Zuviel‘ warnen – das es zugegebenermaßen auch geben kann –, sind sie für die Nachteile der von ihnen geforderten radikalen Öffnung völlig blind“, warnt die WK-Schwaz Obfrau, „es braucht die goldene Mitte und keine kurzsichtige Veränderung mit der Brechstange“. Schon derzeit stehen nur 80 gebundene Gewerbe 440 freien Gewerben gegenüber. „Und, man darf die Gewerbeordnung nicht nur aus der Sicht des Gewerbeantrittes sehen. Das ist nur für einige wenige ein Problem. Viel lieber wäre mir, wenn die neue Gewerbeordnung Entlastungen für die Betriebe beim Betriebsanlagenrecht bringen würde“, sieht Entner einen anderen Handlungsbedarf für die neue Gewerbeordnung.
Keine amerikanischen Verhältnisse Was eine schrankenlose Liberalisierung bedeutet, zeigen die Beispiele Deutschland und USA: In Deutschland ist nach einer radikalen Streichung regulierter Gewerbe vor mehr als zehn Jahren die Zahl der Lehrbetriebe drastisch zurückgegangen. Und auch die Klein und Mittelbetriebe in Deutschland werden immer weniger. Der Trend in Deutschland geht ganz eindeutig zu nur mehr Groß- oder zu nur mehr Ein-Personen-Firmen. „Das müssen wir verhindern. Unserer wirtschaftliches Rückgrat sind die oftmals familiär geführten Klein- und Mittelbetriebe. Die sind flexibel und stehen zum Standort“, weiß Entner um die wahren Stützen in der heimischen Wirtschaft. Und der amerikanische Weg, zunächst von irgendjemandem eine (mangelhafte) Leistung erbringen zu lassen und diese notfalls im Klagsweg zu sanieren, bedeutet, das Pferd von hinten aufzuzäumen.
Von diesen Konsequenzen reden die Turbo-Liberalisierer nie. Und die WK-Schwaz Obfrau mahnt: „Wenn wir auf ein sinnvolles Maß an Regulierung verzichten, müssen sich die Konsumenten mit unprofessionellen Leistungen, die Mitarbeiter mit wenig kompetenten Arbeitgebern und die Jugendlichen mit dramatisch sinkenden Lehrstellen auseinandersetzen. Das kann doch nicht erstrebenswert sein?“

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