06.02.2018, 11:03 Uhr

RMagazin Schmuckstück: Rattenberg – Auf der Suche nach Wappen

In Rattenberg findet man eine Fülle an verschiedenen Wappen. (Foto: Anton Prock)

Dieses Mal machen wir einen Streifzug durch Rattenberg und suchen die verschiedensten Wappen an allen Ecken und Enden. Zudem begeben wir uns auf eine kurze Reise in das Wappenwesen an sich.

– von Anton Prock

Das Wappenwesen hat seinen Ursprung in den Kreuzzügen des 11. Jahrhunderts. Damals schützten sich die Ritter immer besser, die Helme verdeckten bald das ganze Gesicht. Nun konnte man Freund und Feind nicht mehr unterscheiden. Die Lösung war die Bemalung der Schilde mit geometrischen Mustern, Pflanzenmotiven, Gegenständen, Tieren etc. Gerade bei Tieren wurden solche gewählt, mit denen man bestimmte Eigenschaften verband. So steht die Schlange etwa für schnelles Zubeißen, bedeuten Bär und Löwe Stärke und symbolisiert der Adler ein scharfes Auge und blitzschnellen Zugriff auf die Beute.

Heraldik

Langsam entwickelte sich daraus das Wappenwesen. Bald wurde die Heraldik zu einer Wissenschaft. Zuständig war dafür der Herold, der auch bei Schlachten eine neutrale Stellung einnahm und nach dem Kampf die Toten und Verwundeten zählte.

Statussymbol

Wappen wurden Adelsfamilien, Bürgern, Städten, Klöstern, Geistlichen, Bistümern, Handwerkern, Händlern etc. verliehen und sind auch heute noch ein deutliches Statussymbol. Gerade auf Grabsteinen findet man sie immer wieder.

Memorialschild

Stellen wir uns die Frage, aus welchen Teilen ein Wappen aufgebaut ist. Als Beispiel dient der Memorialschild aus der Zeit um 1520 in der Hoferkapelle im Augustinermuseum, der an Johann Kummersbrucker und seine Gattin Anna Castelbarco erinnert. Ein Vollwappen besteht aus vier Teilen: dem Schild (hier mit einem Fisch und einem Löwen), dem Helm, der Helmzier als Aufsatz des Helms und der Helmdecke. Letztere ähnelt stark einem pflanzenartigen Gebilde. Die Ritter trugen unter dem Helm gerne ein Tuch, das über den Nacken und Rücken herabfiel. Dieses konnte in Streifen geschnitten werden und der Wind bewegte und kräuselte es in alle Richtungen. Die beiden Wappen sind einander zugeneigt, da es sich um Allianz- bzw. Hochzeitswappen handelt.

Familienwappen

Auf einem Grabstein neben dem Südeingang zur Stadtpfarrkirche sind mehrere Familienwappen zu finden, die ebenfalls einander zugeneigt sind. Besonders interessant dabei ist die Darstellung eines Eichhörnchens. Ein ähnliches Wappen befindet sich in Hall und weist auf die Familie Getzner hin.

Wappenbild

Wenden wir uns nun dem großen Wappenbild auf dem Haus Südtirolerstraße Nr. 24 zu, dem einstigen Sitz der landesfürstlichen Bergwerksverwaltung. Die Jahreszahl 1620 weist auf den Tiroler Landesfürsten Erzherzog Leopold V. hin. Das Wappen wird vom Erzherzogshut bekrönt. Österreich war bis 1804 Erzherzogtum. Links und rechts davon erinnern die Wappen der Diözesen Strassburg und Passau an den Erzherzog, der vor seiner Heirat mit Claudia de‘ Medici dort Bischof war. Es war üblich, dass Adelige Diözesen übernahmen, auch wenn sie keine geistlichen Weihen besaßen. Es ging dabei grundsätzlich um die standesgemäße Versorgung. Welche Teilwappen sind zu sehen? Die Betrachtung erfolgt von links oben nach rechts unten: Königreich Ungarn (waagrechte weiß-rote Streifen), Königreich Böhmen (doppelschwänziger Löwe), Königreich Kastilien (Turm), Königreich Leon (Löwe), Doppelwappen Österreich-Burgund, Herzogtum Steiermark (Panther), Herzogtum Kärnten (Bindenschild und drei Löwen), Königreich Aragon (senkrechte gold-rote Streifen), Königreich Silizien (gold-rote Streifen mit zwei schwarzen Adlern), Herzogtum Krain (schwarzer Adler), Grafschaft Tirol (roter Adler), Königreich Granada (Granatapfel), Phantasiewappen, Grafschaft Habsburg (Löwe). Diese Länder sind in Verbindung mit den Habsburgern zu sehen. Es gab ja eine österreichische und eine spanische Linie dieser Familie.

Stadtwappen

Das Stadtwappen von Rattenberg, das an mehreren Stellen abgebildet ist, zeigt ein Rad auf einem dreiteiligen Berg und ist schon vor der Stadterhebung 1393 zu finden.

Zum Autor:

Anton Prock ist nicht nur Direktor der NMS 1 Jenbach, sondern auch Kunsthistoriker und als solcher seit über 20 Jahren in der Ausbildung der Tiroler Fremdenführer tätig. Mehr Informationen auf www.antonprock.at
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