08.10.2014, 11:35 Uhr

Frauen sind noch im Nachteil

Kämpfen für mehr Gerechtigkeit: Andrea Schneider, Michael Kirchmair, Beatrix Szloboda, Victoria Weber

Beim Equal Pay Day wird auf den Unterschied in der Entlohnung zwischen Mann und Frau hingewiesen.

BEZIRK (dk). Seit 20 Jahren herrscht ein Kampf der Frauen für gleiche Entlohnung, bei dem sich in dieser Zeit nur wenig geändert hat. Der Equal Pay Day ist jener Tag im Jahr, ab dem die Frauen im Vergleich zu den Männern gratis arbeiten, das heißt, im Jahresschnitt gesehen erhalten Männer um so viel mehr Entlohnung, dass es die Zeit vom 29. September bis Jahresende ausmacht. Aus diesem Anlass lud SPÖ Bezirksfrauenvorsitzende Victoria Weber zu einem Gespräch mit Andrea Schneider, AMS Geschäftsstellenleiterin Schwaz, Beatrix Szloboda, stellvertretende Vorsitzende der PRO-GE Frauen Tirol und Michael Kirchmair, Geschäftsführer der Firma Blechprofi und Vizebürgermeister der Stadt Schwaz.

Gesellschaftsproblem

"Es ist nicht nur ein Thema für Frauen, sondern für die Familie und die ganze Gesellschaft, weil Frauen weniger ausgeben können, wenn sie weniger verdienen", weiß Beatrix Szloboda. In Österreich würde seit 2009 aktiv für gleiche Entlohnung gekämpft werden, erklärt die Gewerkschafterin. "Es geht pro Jahr um ein bis zwei Tage weiter. Mit dieser Geschwindigkeit haben wir erst in 40 Jahren den Ausgleich erreicht", rechnet Szloboda vor.
Andrea Schneider vom AMS sieht es als europäischen Auftrag, durch das AMS Chancengleichheit herzustellen. Das Problem führt nämlich auch weiter, dass arbeitslose Frauen weniger Arbeitslosengeld beziehen. "Durch die neue Regelung in den Stelleninseraten war ein politisches Bemühen für Chancengleichheit zu sehen, aber man merkt noch nicht, dass das fruchtet", berichtet Schneider. Der kollektivvertragliche Lohn oder Gehalt muss immer derselbe sein, es ginge allerdings um die Überzahlung, die äußerst unterschiedlich sei.

Überaltetes Modell

Michael Kirchmair sieht eine der Ursachen für diese große Lücke in einem längst überalteten Gesellschaftsmodell. "Früher war der Mann der Versorger, heute herrscht eine andere Familiensituation", ist sich Kirchmair sicher. Er klagt allerdings auch, dass nicht nur die Betriebe für diesen Unterschied zu belangen seien: "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vor allem bei kleinen und mittleren Betrieben ein schwieriges Thema", erklärt er. Daher fordert er ein Umdenken in der Gesellschaft. Die klassischen Frauenberufe sind seit jeher schlechter bezahlt als technische Berufe. Sowohl Schneider als auch Kirchmair appellieren daher stark für mehr Frauen in der Technik.

Mehr Selbstbewusstsein

Einen weiteren Grund für den Unterschied in der Entlohnung sehen die Experten in der Herangehensweise von Männern und Frauen bei den Gehaltsverhandlungen. Während Männer selbstbewusst ihren Preis verlangen, würden Frauen eher dazu tendieren, sich unter ihrem Wert zu verkaufen, da sie in erster Linie froh seien, einen Job zu bekommen.
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wolfgang kratina aus Schwaz | 13.10.2014 | 16:34   Melden
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