06.12.2017, 10:06 Uhr

Größte Erfassung von immateriellem Kulturgut in Tirol abgeschlossen

(Foto: Foto: Land Tirol)

Ehrenamtliche sammelten 120.000 Flurnamen in Tirol

BEZIRK (red). 120.000 Flurnamen wurden in einem breit angelegten Projekt in den letzten Jahren ehrenamtlich von Chronisten, Waldaufsehern, Landwirten, Jägern, Gemeindebediensteten und interessierten Bürgern zusammengetragen. Bei der Schlussveranstaltung des Tiroler Bildungsforums bedankte sich Landesrätin Beate Palfrader bei den Akteuren dieses Projektes und wies auf die Bedeutung der Sicherung von mündlich überlieferten Daten hin.

Der Nutzen der Erfassung der Flurnamen ist ein vielfältiger. Alle erfassten Flurbezeichnungen können nun digital über TIRIS (tirol.gv.at) von jedermann eingesehen werden. Die über mehrere Jahre erhobenen Flurbezeichnungen wurden ebenso in den Datenbestand der Landesleitstelle eingespielt. „Damit kann vor allem bei Unfällen im Forstbereich, am Berg oder im freien Gelände der Rettungseinsatz rascher und zielgerichteter abgewickelt werden“, hält Bernd Noggler, Geschäftsführer der Leitstelle Tirol fest.

Wissenschaftlicher Träger des Projektes war die Universität Innsbruck mit dem Institut für Sprachwissenschaften, das die Daten bearbeitete und das Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie. Es liegt nun eine großflächige landesweite verlässliche Bestandserhebung vor, die sowohl den besiedelten als auch den nichtbesiedelten Raum umfasst. „Dadurch können besondere sprachhistorische Fragestellungen, wie etwa Besiedlungsgeschichte hervorragend, auch kartografisch, bearbeitet und dargestellt werden,“ berichtet Dr. Gerhard Rampl (Uni Innsbruck).

Die Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Akteuren wie den Chronisten in den Gemeinden und wissenschaftlichen Vertretern der Universität zeigt, dass „public science“ und formale Wissenschaft nicht im Widerspruch stehen. Damit hat das Flurnamenprojekt bereits internationale Resonanz gefunden. Das auch international außergewöhnlich umfassende Projekt wurde von der Universität Innsbruck vor Vertretern der UNO in New York vorgestellt.

Das Tiroler Bildungsforum (TBF) als Projektpartner koordinierte die über 500 aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die am Gelingen dieses Projektes wesentlichen Anteil hatten und so auch die Sicherung des immateriellen Kulturguts sicherstellten.
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