28.11.2016, 12:47 Uhr

Käseschneide und -verpackungsanlage kommt am Kolbitsch-Areal

SCHLITTERS (fh). Zehn Tiroler Sennereien vom Außerfern über das Zillertal bis zum Kaiserwinkl haben sich zusammengeschlossen und errichten in Schlitters im Zillertal eine gemeinsame Käseschneide- und Verpackungsanlage. Denn immer mehr KonsumentInnen greifen zu kleineren Verpackungseinheiten und geschnittenem Käse. „Eine junge, engagierte Truppe an Käsern richtet den Blick nach vorne und macht ihre Betriebe fit für die Zukunft. Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel für eine erfolgsversprechende Zusammenarbeit und ein kräftiges, positives Zeichen für die gesamte Tiroler Milchwirtschaft. Hier geht Kooperation über Konkurrenz“, gratuliert LHStv Josef Geisler den sechs privaten und vier genossenschaftlichen Sennereien. Baubeginn für die Käseschneide- und Verpackungsanlage ist im Frühjahr 2017. Ende nächsten Jahres soll das Gemeinschaftswerk den Betrieb aufnehmen und jährlich 5.000 Tonnen Käse reiben, in Scheiben, Stücke oder Zwickel schneiden und verpacken.

Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land

Kosten wird die Käseschneide- und Verpackungsanlage 17 Millionen Euro. Das AWS – Austria Wirtschaftsservice – hat das Projekt äußerst positiv bewertet. Neben einer EU-Förderung wird das Projekt auch vom Land Tirol unterstützt. „Diese Investition dient der Absicherung des Milchpreises, der Erschließung neuer Absatzmärkte für Tiroler Käsespezialitäten und der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen“, so Geisler. Fünf Millionen Euro beträgt der Landeszuschlag für das überbetriebliche Zukunftsprojekt. Rund ein Viertel der in Tirol produzierten Milch wird in diesen Kleinsennereien verarbeitet. Die zehn Sennereien, die sich zur „Tirol Pack“ zusammengeschlossen haben, verarbeiten hochwertige Heumilch und Bio-Heumilch von über 1.500 Bauernhöfen und Almen zu erstklassigen Käsespezialitäten und beschäftigen 200 MitarbeiterInnen. „Durch die ‚Tirol Pack‘ kommen nochmals 25 Arbeitsplätze hinzu“, freut sich Geisler über den weiteren Impuls für den ländlichen Raum.

Kunden wollen Qualität und Komfort

Zusammengebracht hat die zehn Gesellschafter der „Tirol Pack“ die Agrarmarketing Tirol. „In der Produktion sind die Tiroler Kleinsennereien bestens aufgestellt. Herausforderungen liegen vor allem in den vom Markt geforderten Verpackungseinheiten“, erklärt Wendelin Juen, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol. Für kleine Haushalte müssen die Käsespezialitäten aus der Region bequem verpackt, für Großverbraucher in Großküchen und Gastronomie beispielsweise in Scheiben geschnitten sein, damit die Spezialitäten ohne weitere Bearbeitungsschritte serviert werden können.
Die neue Käseschneide- und Verpackungsanlage ist auch ganz im Sinne von „gewachsen und veredelt in Tirol“. Bislang wird ein Großteil des Tiroler Käses in Bayern verpackt. Somit ist auch das deutsche Genusstauglichkeitskennzeichen auf der Verpackung angeführt. „Damit ist die Herkunft nicht mehr klar erkennbar und das irritiert die Konsumentinnen und Konsumenten“, so Juen.

Impulsgeber Agrarmarketing Tirol
Seit die Agrarmarketing Tirol 2012 die Initiative für eine gemeinsame Käseschneide- und Verpackungsanlage ergriff, ist viel passiert. „Der intensive Diskussionsprozess hat den Austausch der Sennereien untereinander gefördert und uns unsere gemeinsamen Stärken bewusst gemacht“, sind sich Hannes Esterhammer, Hansjörg Hirschhuber und Christian Kröll einig. Sie haben das Projekt in den letzten Jahren gemeinsam mit der Agrarmarketing Tirol vorangetrieben.
„Jede Sennerei produziert und vermarktet ihre Produkte auch weiterhin selbständig. Die Dienstleistung des Käseschneidens und –verpackens sowie die Logistik Richtung Handel machen wir in Zukunft gemeinsam“, hebt Hansjörg Hirschuber von der Bergkäserei Zillertal die Vorteile des Zusammenschlusses hervor. Damit werde man unabhängig von Betrieben im Ausland, habe kurze Transportwege und könne dem Handel die gewünschten Verpackungseinheiten anbieten.
„Wir haben uns über 20 Grundstücke in ganz Tirol angesehen. Der Standort Schlitters hat sich als ideal herausgestellt. Die Anlage wird auf einem ehemaligen Betriebsgelände errichtet und kommt damit ohne neue Versiegelung von wertvollem Grünland aus“, berichtet Christian Kröll von der ErlebnisSennerei Zillertal über die Wahl des Betriebsstandortes.

Ausbaupotenzial gegeben

In einem ersten Ausbauschritt werden in Schlitters pro Tag 20.000 kg Käse geschnitten und verpackt. Umgesetzt werden fünf Verpackungslinien. Vom Zwickel bis zu Käsescheiben oder Reibkäse kann alles produziert werden. Die Käseschneide- und Verpackungsanlage ist auf eine Produktionsmenge von 5.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt. Mit der Einführung eines Zwei-Schicht-Betriebs wäre eine Kapazitätssteigerung auf 10.000 Tonnen pro Jahr möglich.
„Der Umsetzung unseres großen Vorhabens steht nichts mehr im Weg. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind geklärt, die Finanzierung ist gesichert, die Wirtschaftlichkeit gegeben und die Planungen sind erfolgt“, bedankt sich Hannes Esterhammer von der Zillertaler Heumilch Sennerei stellvertretend für alle beteiligten Betriebe beim Land Tirol und der Agrarmarketing Tirol. „Wir alle freuen uns auf einen Top-Betrieb am neuesten Stand der Technik.“
Das Investitionsvolumen für dieses Projekt beträgt 15 Millionen Euro. Der Grund am Kolbitsch Areal wurde vom Besitzer desselben, Heinz Schultz, gekauft.
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