07.02.2018, 10:01 Uhr

Leserbrief an Familie Stock (Finkenberg/Stock Resort) von AK-Präsident Erwin Zangerl

Ich möchte Ihren Leserbrief, der in der Ausgabe Schwaz der Tiroler Bezirksblätter erschienen ist (den Link zum Leserbrief der Familie Stock finden Sie HIER), nicht unwidersprochen lassen, erkennt man doch zahlreiche Vorurteile, mit denen Sie der Arbeiterkammer entgegentreten.  Ich freue mich, dass Sie in Ihrem Betrieb zufriedene Mitarbeiter haben, umso mehr verwundert es, dass Sie schwarze Schafe in ihrer Branche verteidigen. Es geht nicht um das Schlechtmachen im Tourismus, sondern um Lösungen für alle Betroffenen, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für die Tourismusbetriebe. Wenn in einer Branche der Personalmangel so eklatant ist wie in der Ihrigen, sollten die Verantwortlichen doch zumindest die Einsicht gewinnen, dass etwas mit dem Berufsbild, mit der Arbeitssituation oder mit der Entlohnung nicht stimmen kann. Wenn in der Gastronomie und Hotellerie so wenig heimisches Personal beschäftigt ist, und dazu noch eine so hohe Personalfluktuation herrscht, dann muss das doch viel tiefere Ursachen haben! Ganz zu schwiegen davon, dass selbst die Saisonniers von immer weiter hergeholt werden müssen, denn sie konnten oft am eigenen Leib erfahren, dass im heimischen Tourismus vieles nicht Gold ist, was glänzt. Ist da Ihre Behauptung nicht viel zu kurz gegriffen, dass heimische Mitarbeiter kaum Arbeitslust entwickeln, ja sogar lieber arbeitslos gemeldet blieben? Wurde das System Arbeitslosigkeit, mit Saisonbeschäftigung, mit Wiedereinstellungszusage etc. nicht gerade von ihrer Branche seit Jahrzehnten exzessiv ausgereizt? Haben nicht vor allem die Ganzjahresbetriebe unter dieser Methode am stärksten zu leiden? Wie kann es sein, dass eine ganze Branche zur Fluchtbranche verkommen ist? Wohin gegen die jährlich 800 Absolventinnen und Absolventen aus den Tiroler Tourismusschulen? Warum erkennen nicht die jungen Fachkräfte die tollen Berufsaussichten, von denen Sie reden, sondern versuchen meist in anderen Branchen ihr Arbeitsglück? Sind da nicht vielmehr über Jahrzehnte gravierende Versäumnisse in punkto Personalführung, Mitarbeiterpflege und finanzielle Wertschätzung der Tätigkeit passiert. Warum sind gerade die Einheimischen kaum für einen Beruf im Tourismus zu motivieren?
Wenn dann die AK vorschlägt, gemeinsam an einer Fachkräfteoffensive für den Tourismus zu arbeiten, und die Betroffenen in dieser Form reagieren, stellt sich für uns zurecht die Frage, ob sie tatsächlich an einer Änderung der Situation interessiert sind. Wenn auch die Einladung für gemeinsame Initiativen nicht angenommen werden, dann muss davon ausgegangen werden, dass hier eine Branche nur auf hohem Niveau jammert, aber in Wirklichkeit gar keine Veränderung will. Mit freundlichen Grüßen, AK Präsident Erwin Zangerl
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