16.11.2016, 20:44 Uhr

Schwäche des Polarwirbels

Das Foto entstand im Dezember 2015
Gerlos: Gerlos | "Während bei uns nach dem ersten Wintergruß milderes Wetter einkehrt, ist in anderen Regionen der Nordhalbkugel nichts normal. In Sibirien herrscht klirrende Kälte mit Abweichungen von bis zu 20 Grad unter dem langjährigen Mittel, dort hat sich ein gewaltiges Kältehoch festgesetzt. In der Arktis ist es dagegen bis zu 20 Grad wärmer als normal. Meteorologisch gesehen sind diese Abweichungen geradezu absurd und in der Arktis hat die Wärme verheerende Folgen: Die Meereisbildung stagniert, auf Spitzbergen herrschen immer noch Plusgrade.

Extreme Abweichungen: In der Arktis ist es derzeit bis zu 20 Grad wärmer als üblich, während es in Sibirien 20 Grad kälter ist als im langjährigen Mittel. Dort liegt auch so viel Schnee wie noch nie um diese Jahreszeit seit Beginn der Messungen. Quelle: University of Maine

All diese Wetterphänomene hängen auch mit dem Polarwirbel in der unteren Stratosphäre zusammen. Dieser Wirbel über dem Nordpolgebiet war in den letzten Wochen außergewöhnlich schwach ausgeprägt, was die Voraussetzungen für blockierende Hochdruckgebiete und damit Kälteeinbrüche begünstigt hat. In den kommenden Tagen kann sich dieser Wirbel zwar etwas erholen, für Ende November deutet sich dann aber eine erneute, möglicherweise markante Abschwächung an. Es gibt sogar Signale, die auf einen völligen Zusammenbruch dieses Wirbels hindeuten.

Vorhersage der Windgeschwindigkeit des Polarwirbels in der unteren Stratosphäre. Die neusten Simulationen deuten auf eine massive Schwächung zum Monatsende hin, sogar ein Zusammenbruch ist möglich. Quelle: State University of New York

Sollte der Polarwirbel in den kommenden Wochen tatsächlich markant schwächeln oder sogar komplett zusammenbrechen, könnte das weitreichende Folgen für die Wetterentwicklung in der Adventszeit haben. Denn ein schwacher Polarwirbel führt auch zu schwachen Atlantiktiefs. Große blockierende Hochdruckgebiete von Grönland und Island bis nach Russland werden dagegen deutlich wahrscheinlicher. Dies wiederum erhöht bei uns die Chancen auf heftige Kälteeinbrüche aus Norden und Osten mit reichlich Schnee und Dauerfrost.

Rückblende: Die Großwetterlage im Dezember 2010 war sehr ungewöhnlich. Hochdruckgebiete von Grönland bis Skandinavien blockierten atlantische Tiefs mit milder Luft, die nach Süden ausweichen mussten. An der Ostflanke der Hochs konnte wiederholt eisige Kaltluft ungehindert nach Südwesten vordringen.

Die aktuelle Schwäche des Polarwirbels erinnert ein wenig an 2010. Auch damals schwächte sich der Wirbel im November deutlich ab und brach zum Monatsende dann fast ganz zusammen. Es folgte der kälteste Dezember seit Jahrzehnten mit einer eiskalten Adventszeit, Rekordschneefällen und weißen Weihnachten für alle. Es ist unwahrscheinlich, dass sich das jetzt wiederholt. Ein paar ordentliche Kälteeinbrüche sollten im Dezember jedoch durchaus möglich sein. Ob damit auch ein kalter Winter ins Haus steht, muss abgewartet werden.

Die Wettermodelle berechnen seit einigen Tagen immer wieder starke Hochdruckimpulse über Grönland und Island. Winterwetter bekommen wir dadurch zwar (noch) nicht. Es könnte aber ein erster Fingerzeig auf eine mögliche kältere Wetterphase Anfang Dezember sein", berichtet wetteronline.
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Ferdinand Reindl aus Braunau | 16.11.2016 | 23:33   Melden
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Karl Pabi aus Bruck an der Mur | 17.11.2016 | 15:31   Melden
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Harald Schober aus Weiz | 17.11.2016 | 16:28   Melden
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