13.12.2017, 10:02 Uhr

Sonderschulen: Politisch unerwünscht?

BEZIRK (fh). Im Verbreitungsgebiet der BEZIRKSBLÄTTER Schwaz (Bezirk Schwaz bis Wattens) befinden sich 5 Sonderpädagogische Schulen (SPZ). In den Gemeinden Zell a. Z., Fügen, Jenbach, Schwaz und Wattens werden Kinder mit besonderen Förderbedarf betreut. Eltern von Kindern mit Behinderung haben die Wahl ob sie ihr Kind in ein Sonderpädagogisches Zentrum oder in eine integrative Klasse schicken wollen. Rund um die sogenannten SPZ (Sonderschulen) gibt es bereits seit längerer Zeit eine intensive, politische Auseinandersetzung, welche größtenteils ideologisch behaftet ist. Wie die BEZIRKSBLÄTTER-Redaktion erfahren hat, ist er Trend dahin gehend, dass man die Sonderschulen mittelfristige abschaffen will um SchülerInnen mit Beeinträchtigung komplett in "herkömmliche" Schulklassen zu integrieren. "Die Eltern bzw. Kinder hatten bis jetzt die freie Wahl ob sie in eine Integrationsklasse oder eben in ein SPZ gehen wollen. Manche Eltern entscheiden sich für ein SPZ weil sie der Meinung sind das es besser für ihr Kind ist und manche Eltern sagen, dass sie ihr Kind lieber in die Inklusionsklase schicken wollen. Wir spüren sehr stark, dass alles in Richtung Inklusion gehen soll und man uns mehr oder weniger schleichend abschaffen will", erklärt eine Person die im sonderpädagogischen Bereich tätig ist, jedoch anonym bleiben will.

Nicht gegen Inklusion

Von Seiten der Sonderpädagogischen Zentren ist man nicht gegen die Inklusion jedoch ist diese, laut Expertenmeinung, nicht immer möglich. "Man muss schon berücksichtigen, dass jeder Fall individuell ist und das mit der Inklusion keinesfalls überall funktioniert. Außerdem muss man sagen dass all jene Kinder die in den SPZs betreut werden freiwillig bzw. mit dem Einverständnis ihrer Eltern dort in die Schule gehen", so die betreffende Person weiter.
Der Status der Sonderschulen ist gesetzlich verankert und um diesen Schultypus abzuschaffen bedarf es einer parlamentarischen Mehrheit.

Landesschulrat nimmt Stellung

Auf Anfrage der BEZIRKSBLÄTTER-Redaktion beim Landesschulrat für Tirol erklärt Bernhard Deflorian: "Die Entscheidung, ob Kinder mit Behinderungen eine allgemeine Schule oder eine Sonderschule besuchen, treffen die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Im Verfahren zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfes werden alle Wahlmöglichkeiten angeführt und den Erziehungsberechtigten nachweislich zur Kenntnis gebracht. Das Land Tirol bekennt sich, laut Regierungsübereinkommen für Tirol zu einer jährlichen, kontinuierlichen Erhöhung der Inklusionsanteils in den Tiroler Schulen. Der Erhalt von besonderen Förderschulen wird dabei nicht in Frage gestellt." Laut Auskunft des LSR weist Tirol, im österreichweiten Vergleich, die geringste Inklusionsquote auf.

Kein Sparprogramm?

Auf Anfrage der Redaktion im Bezug auf eine etwaige Kostenersparnis durch vermehrte Inklusion erklärt Bernhard Deflorian vom LSR: "nklusion/Sonderpädagogik wird grundsätzlich nicht als Sparprogramm verstanden. Im Personalbereich sind seitens des Bundes für einen bestimmten Anteil von Schülern mit Behinderungen (2,7%) Planstellen vorgesehen. Dieser Anteil wird an der Zahl aller Pflichtschüler gemessen, unabhängig davon, ob sie eine Sonderschule oder eine allgemeine Schule besuchen. Da der tatsächliche Anteil von Kindern, die zusätzliche Unterstützung benötigen, deutlich höher ist, stellt das Land Tirol seit vielen Jahren aus eigenen Mitteln ca. 100 zusätzliche Planstellen bereit."
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