24.09.2014, 15:20 Uhr

Von Anhebern und Spruchheilern

Das Spruchheilen ist eine traditionelle, spirituelle Heilmethode mit langer Geschichte in Österreich, prinzipiell ist es aber in ganz Europa und in anderen Teilen der Welt verbreitet. In Österreich ist das Spruchheilen in einen christlichen Kontext eingebettet. Unter dem Begriff ist die Ausübung des Wortzaubers zu verstehen, worunter das stille oder laute Rezitieren von Worten, Sprüchen, Segen, Gebeten oder Beschwörungen fällt. Hinzu kommen „Hauch- und Berührungszauber“ und bestimmte Handlungen wie Handauflegen, Umfahren einer erkrankten Stelle mit dem Finger, dem Kreuzzeichen, Streichen oder Blasen.

Alte Lehre

Je nach Region wird das Spruchheilen als Bereden, Segnen, Beten, Gesundbeten, Verbeten, Vertreiben, Bannen, Berufen (Betonung der kommunikativen Aspekte) oder als Brauchen (im Sinne von Zaubern, mit "Sympathie" heilen) und Büssen (Synonym für Heilen) bezeichnet. In Ostösterreich wird meist vom „Wenden“ gesprochen, in Tirol sind vor allem die Begriffe „Anheben“ oder „Antun“ verbreitet. Die verwendeten Segen und Sprüche entstammen einer kanonisierten Spruchlandschaft und sind in den letzten Jahrhunderten aufgrund schriftlicher und mündlicher Tradierung annähernd konstant geblieben. Sie lassen sich teilweise bis ins 10. Jh. zurückverfolgen.

Zillertal ist Anheber Land

Es gibt kaum jemanden im Tal der es nicht kennt. Von jung bis Alt wissen alle im Tal um die Heilkraft bzw. die Fähigkeiten der Anheber Bescheid und obwohl öffentlich darüber kaum etwas bekannt ist gibt es doch unzählige Fälle die belegen, dass diese Form der Heilung funktioniert. Mediziner stöhnen teils unter dem Glauben der Zillertaler an die Kraft der Anheber. Zitat eines im Zillertal tätigen Arztes dazu: "Zuerst kommen die Anherber, dann kommt lang, lang nichts und dann kommen wir."
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