02.06.2017, 11:48 Uhr

„Den Jungen gehört die Zukunft“: CROC Ski setzt auf High Performance

22 Schichten bilden einen Ski

Abgesehen von echten Enthusiasten und Skiteams ist für den Großteil der Wintersportler die diesjährige Skisaison längst vorüber. Doch nach der vergangenen Saison ist vor der kommenden. Auch für Jukka Peltola. Der Finne lebt in Mayrhofen und ist CEO von CROC Sports.


Belgier bei WM-Teambewerb in St. Moritz vor Marcel Hirscher

Nicht nur Athleten und Rennläufer arbeiten an Verbesserungen und Optimierungen. Auch Skiproduzenten erkunden ihren Status Quo. Diese Abstimmung zwischen Rennläufer und Ski ist speziell für „kleine“ Marken immens wichtig. „Wer tagein tagaus auf Ski steht und Rückmeldung bekommt (z. B. über die Fahrzeiten), macht Marktforschung. Junge und eher unbekannte Fahrer übernehmen diese Arbeit. Ihr Feedback lassen wir in unsere Entwicklungsarbeit einfließen“, gibt Peltola zu verstehen.

Obwohl kleine Skimarken weniger über nötige Netzwerke verfügen, sorgen sie trotzdem immer wieder für Aufsehen. Mit dem Sieg über Marcel Hirscher im Teambewerb der Ski-WM von St. Moritz gelang dem Belgier Dries van den Broecke eine kleine Sensation. „Es war schon eine Überraschung, als er schneller als der spätere Gesamtweltcupsieger war“, so Jukka bei unserer Fahrt in die Fabrik nach Stuhlfelden. „Er war aber nicht der einzige an diesem Tag. Der Slowake Matej Falat gewann auf einem unserer Slalomski mit seinem Team Silber“, so Peltola, der mit seiner Familie vor sieben seinen Hauptwohnsitz von Finnland nach Österreich verlegt hat.

„Ich musste mich erst mal an das Denken in Hierarchien gewöhnen. Mein Sohn musste in der Schule z. B. seine Lehrerin mit Frau Lehrerin ansprechen. In Finnland grüßen sich Kinder und Lehrpersonen mit Vornamen“. Bei CROC sei es ähnlich. Die Unternehmenspolitik werde vom CEO vorgegeben, aber man sei mehr eine Familie: Egal ob jemand mit der Seitenwange der Ski beschäftigt ist, das Marketing macht oder für den Vertrieb zuständig sei.


„Wir machen alles zu 100 Prozent. High Performance ist unsere Devise“. (Jukka Peltola, CEO CROC Sports)

Die gesamte Skiwirtschaft befinde sich zwar in einer schwierigen Phase, trotzdem ist an den Ausbau des Werks gedacht. Als kleiner Hersteller müsse man sich „auf High Performance konzentrieren, um gegen die Größen der Branche überhaupt Chancen zu haben“. Vor zehn Jahren wurden noch 6 Millionen Paar Ski (Rennski, All Mountain, Tourenski, Freestyle ...) produziert, heute ist es die Hälfte. „Wer Skiurlaub macht, leiht sich vor Ort Material aus. Kaum jemand kauft sich heute noch sein eigenes Paar Ski“, sagt Johann Brolenius. Der schwedische Ex-Rennläufer wohnt seit 13 Jahren in Innsbruck und ist Verkaufsrepräsentant. In dem Werk nahe Zell am See werden im Jahr übrigens rund 4.000 Paar Ski produziert, 10.000 sind möglich. CROC verwendet für die Produktion Hölzer wie Buche, Esche oder Pappel ebenso wie Glasfiber oder eine spezielle Metall-Mischung. Ein handwerklich gebauter CROC Ski besteht aus 22 verschiedenen Schichten.

Die Muttergesellschaft CSH kommt aus Finnland. Diese erledigt das Branding und den Auftritt nach außen sowie all das Rechtliche. In dieser Holding organisiert sind CROC Ski, CROC Bike (Mountainbikes, E-Bikes und Straßenräder – diese werden in Finnland hergestellt) und CROC-Sports (Online-Store). Apropos Bikes: Die Vorjahressiegern der „Zillertal Bike Challenge“ , Sini Alusniemi gewann mit einem Bike von CROC. Rund 4.000 Fahrräder werden in Finnland hergestellt.
Aber zurück zu den Skiern: Viele Ski werden online bestellt und direkt an den Kunden geliefert. „In Zukunft soll online bestellte Ware bei einem Händler eigener Wahl abgeholt werden können. Über diese Händler soll dann auch das nötige Service abgewickelt werden“.

Die Produktion erledigen je zur Hälfte finnische wie österreichische Mitarbeiter in Stuhlfelden bei Zell am See. Zum größten Teil haben alle Rennsportvergangenheit und waren mitverantwortlich für Erfolge von bekannten Läufern wie Mario Matt oder Viktoria Rebensburg. „Humankapital spielt bei CROC eine große Rolle“, sagt Jukka Peltola. „Wir haben nur wenige bekannte Rennläufer, die für uns fahren“. Grund dafür sei der betriebliche Fokus, der ganz klar auf junge Athletinnen und Athleten gesetzt sei.

Der Alpine Skiweltcup sei eine willkommene Plattform, um CROC – besonders in China, Japan und Südamerika - bekannt zu machen. Der Weg dorthin führe über die nationalen Skipools und sei zum Teil sehr mühsam. „Junge Fahrer können derzeit CROC fahren – für A-, B- und C-Kader-Athleten müssen es dann aber Skier aus den Pools sein“. Der Preis für nötige Lizenzen sei davon abhängig, ob man bei FIS-Rennen, im Europacup oder im Weltcup vertreten sein möchte. „Aufstrebende Rennläufer bei Damen und Herren wollen wir von Anfang an bestens unterstützen. Mit bestem Material und Service“, meint der CEO des finnisch-österreichischen Joint-Venture.
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