Gericht
Lebenslange Haftstrafe nach Hammermord in Ebergassing

Die Angeklagte leugnet die Tat, DNA-Spuren belasten sie schwer.
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  • Die Angeklagte leugnet die Tat, DNA-Spuren belasten sie schwer.
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UPDATE 22. Oktober 2019: 

Die Angeklagte wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe
verurteilt. Weitere Informationen folgen in Kürze.


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Im Jänner diesen Jahres kam es zu einem grausamen Mord an einer Pensionistin in Ebergassing. Unser Gerichtsreporter Michael Rath ist bei der Verhandlung anwesend. Anbei seine Zusammenfassung der ersten Verhandlungswoche.

EBERGASSING/KORNEUBURG (mr). Wie berichtet tagte am 15. Und 17. Oktober ein Schwurgericht über die Mordanklage gegen eine 44-jährige Frau aus Ebergassing. Laut Staatsanwalt Peter Zimmermann soll die Angeklagte am 22. Jänner 2019 einer 64-jährigen Pensionistin in deren Wohnung in Ebergassing vermutlich mit einem Zimmermannshammer zwanzig Schläge gegen den Schädel versetzt haben, wodurch diese an einem Schädel-Hirn-Trauma verstarb. Danach soll die Angeklagte einen Möbeltresor mit einem Gewicht von 7,5 kg und mit 11.000 Euro Inhalt mitgenommen haben. Die Angeklagte und das Mordopfer kannten einander, die Mutter der Angeklagten wohnte im selben Haus wie die 64-jährige.

Opfer lag tagelang tot in Wohnung

Die Tat wurde erst nach drei Tagen entdeckt. Die Ermittler befragten die Bewohner des Mordhauses und gerieten auch an die nunmehrige Angeklagte. Sie gab zunächst an, am Tattag das Opfer bloß vor dem Wohnhaus getroffen zu haben und nicht in der Wohnung gewesen zu sein. Erst zwei Wochen nach der Tat geriet die Frau in das Visier der Ermittler. Die Auswertung der Tatortspuren hatte ergeben, dass DNA-Spuren der 44-jährigen am Leichnam und dem zur Tatzeit getragenen Bademantel, auf einem Lichtschalter und an einer in der WC-Muschel schwimmenden Zigarettenkippe vorhanden waren. Inzwischen war den Kriminalbeamten auch bekannt geworden, dass die Frau bereits im Jahr 2009 zu einer 12-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, aus der sie jedoch Mitte 2015 bedingt entlassen wurde. Dieser Verurteilung lag ein Raubüberfall auf das Postamt Klosterneuburg-Kierling (Bezirk Tulln) zugrunde, bei der sie 30.000 Euro erbeutet hatte. Der Grund für die vergleichsweise hohe Strafe (Strafrahmen 5 bis 15 Jahre) für die bislang gerichtlich unbescholtene Frau ist wohl darin zu erblicken, dass die Täterin der Postmitarbeiterin nach Übergabe des Geldes ohne erkennbaren Grund mit einem 25 cm langen Küchenmesser einen gezielten Stich in den Oberkörper versetzt hatte, wodurch das Opfer lebensgefährliche Verletzungen erlitt.

Mordwerkzeug wurde bisher nicht gefunden

Die Kriminalisten hielten der Frau vor, dass sie bei der ersten Vernehmung nicht die Wahrheit gesagt hatte und angesichts ihrer festgestellten DNA-Spuren in der Wohnung des 64-jährigen Opfers gewesen sein müsse. Unter dem Druck dieser Beweisergebnisse gab die Angeklagte schließlich zu, dass sie der Frau in ihrer Wohnung verspätet zum Geburtstag gratuliert und sie dabei umarmt habe. Bei dieser Gelegenheit habe sie auch eine Zigarette geraucht, deren Stummel dann im WC des Opfers gelandet sei. Bei ihrem Abgang aus der Wohnung habe die Frau gelebt. Ihre gegenteiligen Angaben bei ihrer ersten Vernehmung begründete sie mit ihrer Vorstrafe und der Angst davor, dass man sie deshalb der Tat verdächtigen werde. Der Möbeltresor, das darin enthaltene Geld und die Tatwaffe – laut Gerichtsmediziner am ehesten ein Hammer wie ihn Zimmerer verwenden – wurden nie gefunden. Auch eine Verwendung der Beute konnte der hoch verschuldeten Frau nicht nachgewiesen werden, wenige Tage nach der Tat suchte sie bei einer Wohnbaugenossenschaft um eine Stundung des bereits fälligen Baukostenzuschusses an – Umstände, die zu denken geben.

DNA-Spuren belasten Verdächtige schwer

Am meisten belasten die Frau wohl DNA-Spuren am Handrücken des Opfers und auf einem Schlafrock, den die Frau beim Besuch der Angeklagten nicht getragen hatte, wohl aber beim Mord anhatte. Die Möglichkeit, dass es sich um sog. Sekundärspuren handelt (die vom vorherigen Besuch der Angeklagten stammen und dann vom Opfer selbst auf den Bademantel übertragen wurden), wollte die als Sachverständige beigezogene Mikrobiologin Dr. Christa Nussbaumer zwar nicht ausschließen, bezeichnete dies aber als wenig wahrscheinlich. Am Dienstag, den 22. Oktober, wird der Prozess fortgesetzt. Zu Wort kommen wird vor allem der gerichtsmedizinische Sachverständige Dr. Wolfgang Denk. Nach Schluss des Beweisverfahrens folgen die Plädoyers des Anklägers und des Verteidigers, sodann ziehen sich die Geschworenen nach einer Belehrung durch den Schwurgerichtshof zur Beratung zurück. Die Geschworenen entscheiden über die Schuldfrage alleine. Im Falle eines Schuldspruches beraten Geschworene und Berufsrichter gemeinsam über das Strafausmaß (bei Mord: 10 bis 20 Jahre oder lebenslang). Danach folgt die Verkündung des Urteils und die Verteidiger und Staatsanwalt geben ihre Rechtsmittelerklärungen ab, die sie sich auch drei Tage vorbehalten können. Wir werden weiter berichten.

Lesen Sie hierzu auch: 
>> Mordalarm: Pensionistin in Ebergassing erschlagen

Autor:

Markus Leshem aus Schwechat

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