Thema der Woche
Treibjagden weiter sehr umstritten

BEZIRK (les). Für die einen sind sie Inbegriff der Schießwut, für die anderen sind sie Tradition und natürliche Bewirtschaftung des Wildbestandes. Im Bezirk Bruck ist die Zeit der Treibjagden angebrochen – und das Thema polarisiert die Bevölkerung. Die Bezirksblätter versuchen, das Phänomen nüchtern zu analysieren.

Ein Interessenkonflikt
Laut Bezirksjägermeister Johann Dietrich halten sich Konflikte zwischen Jägern und Sportlern oder Erholungssuchenden in Grenzen. Gänzlich vermeiden lassen sie sich, wie überall, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, nicht. Erhebungen darüber gibt es keine. Da es keine zentrale Stelle gibt, an die Treibjagden gemeldet werden, lässt sich auch nicht eruieren, wie viele tatsächlich stattfinden. Einer, der dem waidmännischen Treiben nichts abgewinnen kann, ist Alfons Bärbeck (78) aus Zwölfaxing (Name von der Redaktion geändert). Vor mittlerweile 60 Jahren war der damals 18-Jährige zum ersten Mal bei einer Treibjagd dabei. "Und definitiv für alle Zeiten zum letzten Mal...", meint der Pensionist kopfschüttelnd. "Das war eine Erfahrung, die ich nicht gebraucht hätte. Ein Freund hat mich damals eingeladen, als Treiber das Wild für die Jäger aufzuscheuchen. Mir wurde damals klar, dass so eine Treibjagd mit einer Bestandsregulierung nichts zu tun haben kann." Die Erinnerung an diesen Tag ist auch nach sechs Jahrzehnten noch frisch: "Wir marschierten damals organisiert durch die Felder von Münchendorf bis Himberg und es wurde auf alles geschossen, das sich bewegt hat. Ein Hase wurde am Hinterlauf getroffen und lief vor Schmerzen schreiend vor uns davon. Ich wollte ihn erlösen, konnte ihn aber nicht erreichen. Er war zu schnell. Da wusste ich, dass ich so etwas nie wieder erleben möchte."

Die Jäger sind im Recht
Da es für die Bevölkerung keine Möglichkeit gibt, sich vorab darüber zu informieren, wo eine Treibjagd stattfindet, ist es leider nicht ausgeschlossen, einer Jagdgesellschaft unbeabsichtigt in die Quere zu kommen. Man kann aus verschiedenen Gründen Vorbehalte gegen die Jagd an sich haben, aber man sollte aber immer bedenken, dass die Jäger grundsätzlich im Recht sind, da sie auch die Pacht für das Jagdgebiet bezahlen müssen. Die Jagd hat die Menschen seit jeher begleitet und hat gerade im ländlichen Raum oft einen hohen Stellenwert. Gejagt wurde in der Region schon lange bevor Jogger und Radfahrer ein üblicher Anblick in der freien Natur wurden und man den Begriff Freizeitnutzer überhaupt kannte.

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