11.01.2018, 10:53 Uhr

Methusalem-Code: Das jüngste Enkerl ist schon 50

Anna Kneissl ist im Ersten Weltkrieg geboren und hat viel zu erzählen (Foto: Maria Ecker)

Hundertjährige sind nach wie vor eine Ausnahme. Noch seltener sind die, die sich noch gut erinnern können.

Im Bezirk Bruck gibt es acht Menschen, die schon mehr als ein ganzes Jahrhundert erlebt haben. Die älteste Dame ist sagenhafte 111 Jahre. In Himberg lebt eine 101-Jährige. In Schwechat kommt im Juni eine neue 100-Jährige dazu. Anna Kneissl wurde vor 103 Jahren in Wilfleinsdorf geboren. Sie benötigt zwar einen Rollator, ihr Gedächtnis funktioniert aber noch bestens.
Anna Kneissls Mutter lernte deren Vater in Wien kennen und zog mit ihrem Mann in die Bundeshauptstadt. Als die Mutter schwanger war musste der Vater einrücken. Es war der erste Weltkrieg. Er starb im Dezember. Seine Tochter hat er nicht mehr kennenlernen dürfen. Die ersten drei Lebensjahre verbrachte die kleine Anna daraufhin bei den Großeltern in Wilfleinsdorf. Als sie elf Jahre alt war, verstarb schließlich leider auch noch die Mutter.

Dann kam der zweite Krieg

Mit 15, als sie die Schule beendet hatte, fand sie ihre erste Arbeitsstelle in Bruck. Sie arbeitete im Kino, das von der Familie Vanicek betrieben wurde. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen, den sie mit 19 Jahren heiratete. In dieser Zeit arbeitete Frau Kneissl bei der Firma Perlmoser in der Küche. Nach vier Jahren kehrte ihr Mann zwar aus Russland heim, war aber krank und musste von ihr gepflegt werden. Er erholte sich bald und konnte wieder eine Arbeit aufnehmen. Aus der Ehe entstanden fünf Kinder. Frau Kneissl kümmerte sich gleichzeitig noch um die pflegebedürftigen Schwiegereltern.

Viele Schicksalsschläge

Ihr Mann starb schließlich an Krebs. Um die Schwiegereltern kümmerte sie sich bis zu deren Tod. Als die Kinder erwachsen wurden betreute sie ihre Enkelkinder. "Mein jüngstes Enkerl ist jetzt auch schon 50", schmunzelt sie.
Selbst hat sie einige schwere Krankheiten, darunter Brustkrebs, überstanden. Ein Sohn starb mit 67 Jahren an den Folgen einer Thrombose. Bis sie vor viereinhalb Jahren ins Heim kam, konnte sie "sich noch alles alleine machen". Dieses Jahr hat sie nur mehr Kekse ausgestochen. Dass sie nicht mehr gut sieht und darum nicht mehr lesen kann bedauert sie sehr. Sie ist froh, dass sie sich mit ihrer Zimmernachbarin gut versteht, das macht es ein bisschen leichter. "Arbeit und Geben, das war mein Leben", fasst Kneissl zusammen.
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