Bocksprünge ins Glück (2) – ODER: Tot sein wie ein Stein

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Was zuletzt geschah:

Vanessa Bock soll einen 0-8-15-Artikel über eine Geschäftseröffnung für die „Was gibt es Neues?“-Seite des “Wiener Bezirksquatsches” schreiben. Dessen Inhaber Martin Matzinger, eine sogenannte Person des öffentlichen Lebens, war nicht nur ein recht gut situierter Geschäfts- und Ehemann sowie angesehener Bezirkspolitiker, sondern offensichtlich auch in irgendwelche dubiosen Geschäfte verwickelt – so hatte ihr das zumindest Pablo, der Lieblingskellner ihrer Stammpizzeria, unter vorgehaltener Hand berichtet. Nun ist Vanessa fest davon überzeugt, DIE Aufdecker-Story des Jahres an der Angel zu haben und entschlossen, ihrem Chef Bruno zu zeigen, welch tolle Journalistin in ihr steckt…

Meine vorübergehende Erleichterung war allerdings nur von kurzer Dauer, denn als ich leichtfüßig wie eine Gazelle die Stiegen hinauf auf die noch immer dicht befahrene Mariahilferstraße hechtete und einen kurzen Blick durch die Scheibe besagten Geschäftslokals warf, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass Matzinger die Eröffnungsfeier bereits verlassen hatte. ÿUnd mein Entsetzen steigerte sich in blanke Hysterie, als mir plötzlich klar wurde, dass ich nun weder Fotos noch einen passablen Text für die Online-Ausgabe vorweisen konnte. Gott, wie dämlich! Warum hatte ich nicht Matzingers “Schmuckschachterl” eine sogenannte “Boutique für die Frau wie dich und mich in Zeiten wie diesen”, die mit so klingenden Markennamen wie “Null-Komma-Null-Karat” und “Plastics” in ihrer Presseaussendung warb, gleich als erstes einen Besuch abgestattet, Matzinger ein wenig auf den Zahn gefühlt – ganz unverfänglich, versteht sich – und ein paar nette Fotos geschossen. Warum um alles in der Welt hatte ich mich nicht erst DANACH auf die Lauer gelegt, um ihn beim Abwickeln irgendwelcher dubioser Geschäfte, von denen mir Pablo, ein Kellner meiner Stammpizzeria erzählt hatte, auf frischer Tat zu ertappen?

Es wäre eine vollkommen einfache und wasserdichte Sache gewesen – ein Artikel mit läppischen fünfhundert Anschlägen inklusive Foto, der noch am selben Abend auf “mein-quatsch.at” online gegangen wäre, meinen wackeligen Posten ein wenig gefestigt und es mit ein bisschen Glück vielleicht sogar in die Print-Ausgabe geschafft hätte. Aber nein, ich musste ja mal wieder auf meine innere Stimme hören. Diese fiese innere Stimme, die mich bisher so sicher durch mein Leben geleitet hatte wie eine völlig desorientierte Fledermaus. Diese innere Stimme, die sich in all den Jahren in einen ausgewachsenen Tinnitus verwandelt hatte…

Na toll, Bruno würde mir sicher den Idioten-Orden des Monats verleihen – im besten Fall. Ich tippte da schon eher auf eine fristlose Kündigung, denn erstens befand ich mich noch immer in meiner Probezeit und zweitens durfte ich auf keinen Fall Brunos Vertrauen in mich enttäuschen. Ich erinnere mich noch als wär’s gestern an jenen Tag, an dem ich Bruno das erste Mal begegnet war. Es war ein trüber, kühler Nachmittag im November gewesen, als ich Bruno in seinem kleinen, beengten Büro gegenüber saß. Der Regen prasselte rhythmisch an die Fenster, auf deren Scheiben der Qualm von abertausenden Zigaretten einen schmierigen, gelben Film hinterlassen hatte und das Zimmer in ein mattes, unwirkliches Licht tauchte. Ebenso unwirklich war es mir in diesem Moment auch erschienen, dass ich tatsächlich den Mumm hatte, mich um diesen Posten zu bewerben, hatte ich Publizistik doch stets nur im Geiste und nie im wahren Leben studiert. Auch sonst konnte ich keine nennenswerten Veröffentlichungen vorweisen. Doch ich hatte zu meiner Verteidigung in einem überaus schlauen Motivationsratgeber gelesen, dass wahrhaft erfolgreiche Menschen nur deshalb so erfolgreich geworden sind, weil sie sich alles im Leben zugetraut hatten. Es soll schon so mancher im Scherz gefragt worden sein, ob er vielleicht der nächste Finanzminister werden wolle, dann tatsächlich “ja” gesagt und den Job bekommen haben. Wie sagt man doch so schön? Frechheit siegt! Also wollte auch ich mal so richtig mutig sein und einen kapitalen Bock schießen.

Am Ende eines langen, Sie glauben gar nicht wie langen, Gespräches, hatte mir Bruno Brüller dann tatsächlich einen Dienstvertrag in meine verschwitzten Händchen gedrückt. Nur am Rande sei erwähnt, dass ich noch am selben Abend bei Amazon eine überaus kluge und für meine Zukunft richtungsweisende Buch-Bestellung aufgab. “Journalismus für Dummies”. Musste ich noch mehr sagen?…

Ich blickte auf meine Armbanduhr. Es war kurz vor Mitternacht und an Schlaf nach diesem Desaster nicht zu denken. Resigniert ließ ich mich auf die ein wenig abgewetzte Polsterung meiner treuen Rosi sinken und schaltete meinen batteriebetriebenen CD-Player, der auf dem Beifahrersitz lag – ja, diesen Luxus gönnte ich mir – ein. Habe ich übrigens schon erwähnt, dass mein Musikgeschmack nicht immer der aktuellste ist? Ich war vor Monaten durch Zufall auf eine CD der deutschen Schauspielerin Katja Riemann gestoßen. “Nachtblende” hieß das gute Stück, das mich sofort in seinen Bann gezogen hatte. Augenblicklich dröhnte das Lied “Tot sein wie ein Stein” aus den ein wenig blechern klingenden Lautsprechern. Bei meinem Glück handelte ich mir auch noch eine Anzeige wegen Ruhestörung ein, doch mein Adrenalinspiegel verlangte nach dieser Maßnahme und ich dachte ganz selbstmitleidig, dass dieser Titel zu meinem momentanen Zustand, der sich wohl nur als überaus bescheiden beschreiben ließ, wirklich vortrefflich passte. Als ich gerade den Wagen starten wollte, wurde allerdings plötzlich die Beifahrertür aufgerissen und eine dunkle Wollmütze mit Sehschlitzen und dazugehörigem Körper tauchte aus der Dunkelheit auf. Ich starrte blöde die Pistole an, die eine nervös fuchtelnde Hand direkt vor meine Nase hielt.

“Raus, sofort! Und den Schlüssel stecken lassen!”

Diese seltsame Mischung aus Selbstmitleid, jahrelang unterdrücktem Heldenmut und Übermüdung trug leider nicht dazu bei, dass ich die Nerven bewahrte, sondern ich ertappte mich dabei, hysterisch loszukreischen:

“Nimm mein Auto, nimm meinen CD-Player, nimm meine Kamera, aber bitte, bitte, nimm mich – äh – nicht…”

Aus dem inneren der Wollmütze schien so etwas wie ein verhaltenes, heißeres Lachen zu erklingen, doch Sekunden später war da wieder diese überaus anziehend männliche, wenn auch zugegebenermaßen ein wenig herrische Stimme:

“Los, mach keine Zicken. Alles, was ich brauche, ist dein Auto, also beweg deinen kleinen Hintern raus aus dieser Rostlaube.”

Okay, okay, den kleinen Hintern ließ ich ja gerade noch mal durchgehen – schließlich werden wir alle ja nicht jünger. Aber die Rostlaube ging mir gehörig gegen den Strich. Und wenn mir etwas gehörig gegen den Strich geht, dann pflege ich dies auch stets laut und deutlich zu artikulieren.

“Na hören Sie mal, wie sprechen Sie denn mit meiner Rosi, diesem alten, treuen Schlachtross? Ich warne Sie, wenn Sie nicht auf der Stelle Ihre lächerliche Spielzeugpistole aus meinen Nüstern nehmen und ihre verlauste Mütze aus diesem Wagen entfernen, schreibe ich über Sie einen Artikel in unserem Bezirksquatsch, der sich gewaschen hat! Ich bin nämlich berüchtigt für meine bissigen Kommentare, meine erbarmungslosen Aufdeckungs-Stories, meine…”

Die Gestalt vor mir zuckte zusammen und schien augenblicklich in sich zusammenzusinken. Betroffen blickte der Mann zuerst auf die Waffe, dann auf mich und murmelte, während er sich auf den Beifahrersitz niederließ – nicht ohne jedoch vorher behutsam den CD-Player hochgehoben und auf seinen für mein kleines Auto viel zu langen Beinen abgelegt zu haben:

“Sieht sie wirklich so unecht aus? Ich dachte, bei Dunkelheit und in der Hitze des Gefechtes könnte sie als echte Waffe durchgehen…”

Verständnislos blickte ich auf den Mann neben mir. Katja Riemanns “Nimm mich noch mal” schwebte zischen uns und ich nahm ihm irritiert den Player aus seinen Händen und schaltete ihn ab. Wohltuende Stille breitete sich aus. Minute um Minute stahl sich fort. Die Beifahrertüre stand immer noch offen und als unser beider gefrierender Atem im Wageninneren gerade drauf und dran war, sich zu vereinen, spürte ich erst, dass ich vor Kälte (und Aufregung – aber das wollte ich mir in dieser Situation nicht eingestehen) zu zittern begann.

“Hey, es ist saukalt! Machen Sie gefälligst wieder die Türe zu – wenn möglich von außen!”

Zum Glück hatte ich wieder zu jener Höflichkeit und dem mir so eigenen Charme zurückgefunden, mit dem ich mich aus jeder und sei sie auch auch noch so heiklen Situation manövrieren konnte…

- Fortsetzung folgt -

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