"Die Alm ist kein Streichelzoo"

Wollen aufklären und Almbauern unterstützen: Josef Obweger, Martin Gruber, Johann Mößler und Hubert Reiner
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BEZIRK SPITTAL (ven). "Die Alm ist kein Streichelzoo" - unter diesem Titel soll nun eine kärntenweit aufgelegte Broschüre Verhaltensregeln für ein friedliches Miteinander auf den bewirtschafteten Almen näherbringen. Vertreter von Almwirtschaft, Urlaub am Bauernhof, Landwirtschaftskammer (LK) und Landesregierung machten bei der Präsentation auch auf die Problematik des Wolfes aufmerksam.

Aufklärungsarbeit

Wie verhalte ich mich mit einem Hund auf der Alm, wenn Kühe in der Nähe sind? Darf ich als Mountainbiker querfeldein fahren? Die Broschüre mit einer Auflage von rund 15.000 Stück soll Aufklärungsarbeit leisten. Hubert Reiner, Obmann des Vereines „Urlaub am Bauernhof“ dazu: "Das Konzept boomt, auch der Urlaub auf der Alm. Es liegt auch an uns Vermieter, die Gäste darauf aufmerksam zu machen, was geht und was nicht."

Kulturlandschaft erhalten

"Ich bin selbst mit Leidenschaft Almbauer", so LK-Präsident Johann Mößler. Er plädiert auf natürliche Regelungen, die so wichtige Almwirtschaft solle nicht bedroht werden. "Ausschlaggebend waren einige Vorfälle und auch ein Leserbrief in der Kärntner WOCHE (wir berichteten), sodass wir nun Maßnahmen setzen müssen."
Agrarreferent Martin Gruber betont: "Wir haben wir keine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft. Der grundsätzliche Umgang damit wird Platz im Regierungsprogramm haben." Der Almwegebau werde auch mit rund 435.000 Euro im Jahr budgetiert. 
In Kärnten gibt es 1.853 bewirtschaftete Almen, rund 900 davon allein im Bezirk Spittal. "Bewusstseinsbildung ist enorm wichtig. Was bedeutet Almwirtschaft? Wo kommen Lebensmittel her?" 

Schutzstatus aufheben

Mößler, Gruber und auch der Obmann des Almwirtschaftsvereines Josef Obweger sprachen das Thema Wolf an. "Es gab im Winter in der Gegend Sichtungen von Wölfen. Deshalb plädieren wir in einer Petition für die Aufhebung des Schutzstatusses des Wolfes, denn er ist keineswegs eine bedrohte Art", so Obweger und Gruber. Der Alpenraum soll als wolfsfreier Raum tituliert werden, Almbauern müssen derzeit noch um ihre Herden (vorwiegend Schafe, Ziegen, aber auch Kälber) fürchten und treiben sie oft gar nicht mehr auf die Alm auf. "Ein Wildschadensfond - dotiert auf 100.000 Euro - ist derzeit in Ausarbeitung, wir sind in Gesprächen mit Naturschutzreferentin Sara Schaar, um die Summe zu verdoppeln", so Gruber.

Maßnahmen nicht realisierbar

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune, Herdenschutzhunde oder auch Behirtung sieht Obweger in der Praxis weder finanziell noch zeitlich von den Bauern realisierbar. "Wir haben hier viel zu kleine Strukturen, zwei Drittel der Bauern arbeiten im Nebenerwerb, die Empfehlung der Herdenzusammenlegung führt dazu, dass kleinere Almen nicht mehr bewirtschaftet werden", so Obweger.
Gruber ergänzt: "Es kann nicht sein, dass zuerst etwas passieren muss, bevor etwas passiert." Gruber möchte deshalb alle Agrar- und Naturschutzreferenten österreichweit zusammentrommeln, um gemeinsam auf nationaler und auch EU-Ebene etwas bewirken zu können, vor allem in punkto Leistungsabgeltungen der Almbauern durch den Agrarhaushalt nach 2020. 

Geordnete Verhältnisse

Mößler abschließend: "Es gibt das Sprichwort 'Auf der Alm gibts ka Sünd'. Aber man soll sich nicht an denen versündigen, die die Almen erhalten. Wir brauchen geordnete Verhältnisse und Sicherheit für die Bauern." 

Zur Sache:

Folder "Die Alm ist kein Streichelzoo": Erhältlich in allen Tourismusbüros, in "Urlaub am Bauernhof"-Betrieben, auf Almhütten, beim Almwirtschaftsverband, zusätzlich kann die Broschüre per Mail an praesidium@lk-kaernten.at kostenlos bezogen werden.

Almen in Kärnten: 1.862, von denen sind 103 nur zu Fuß erreichbar

Bewirtschaftete Almen in Kärnten: 1.853

Davon im Bezirk Spittal: Rund 900

Landwirtschaftliche Betriebe mit Almwirtschaft: Rund 4.000, die jährlich rund 65.800 Stück Vieh auf die Alm auftreiben

Rund 16 Prozent der Landesfläche und 26 Prozent der Agrarfläche Kärntens sind Almen

Aufgetriebene Tiere: 73 Prozent Rinder, 25 Prozent Schafe und Ziegen, zwei Prozent Pferde

Auf 482 Almen sind insgesamt 587 Personen als Hirten beschäftigt

Rund 30 Prozent aller in Österreich vorkommenen Pflanzenarten und rund 50 Prozent aller Säugetiere, Vögel und Reptilien kommen auf Almen vor und ein Ende der Bewirtschaftung führt nachweislich zum Verlust der biologischen Vielfalt. 

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