Friseurlehrlinge müssen künftig nach Klagenfurt

Die Sparte der Friseure in der Berufsschule in Spittal soll ab 2025 geschlossen werden
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  • hochgeladen von Verena Niedermüller

SPITTAL (ven). Die Friseur-Lehrlinge aus dem Bezirk Spittal werden ab 2025 eine weite Reise auf sich nehmen müssen: Der Berufsschulzweig in Spittal wird geschlossen, die nächste Ausbildungsmöglichkeit ist dann in Klagenfurt.

Sinkende Schülerzahlen

Ein von Experten erarbeitetes, zukunftsorientiertes Standortekonzept 2020-2025 für Fachberufsschulen in Kärnten wurde von Bildungsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser präsentiert. Direktoren, Standortbürgermeister und Sozialpartner stimmten zu, dass aufgrund der demographischen Entwicklung mit sinkenden Schülerzahlen und gleichzeitig stark steigenden Kosten für Infrastruktur in Folge des technologischen Fortschritts einschneidende Veränderungen im Bereich der Berufsschulen erforderlich sind.

Evaluierung nötig

"Im Siebenjahresvergleich hat die Anzahl der Lehrlinge um sage und schreibe 22 Prozent abgenommen, was die zehn Kärntner Berufsschulstandorte natürlich gehörig unter Druck bringt und eine Evaluierung der Standorte notwendig machte", so Kaiser. Allein seit dem Schuljahr 2010/11 ist die Zahl der Fachberufsschüler von 9.629 auf aktuell 7.535 gesunken.

Ein Standort pro Sparte

War früher die schulische Ausbildungsstätte einer Fachberufssparte oft auf drei Standorte in Kärnten verteilt, wird es gemäß dem nun präsentiertem Konzept nach einer Übergangsphase ab dem Schuljahr 2020 für jede Ausbildungssparte nur mehr einen Standort geben. "In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass kein einziger derzeit bestehender Schulstandort in Kärnten geschlossen werden wird", betont Kaiser dezidiert. Vielmehr soll es durch Ressourcenbündelung zu einzelnen Kompetenzzentren der verschiedenen Berufsgruppen kommen. "Damit schützen wir die besten Ausbildungsmöglichkeiten unserer Jugend in diesem Bereich für die Zukunft und sichern damit die Basis für unsere erfolgreichen Wirtschaftsbetriebe", betont Kaiser.

"Lade Kaiser ein"

Bezirksinnungsmeister und stellvertretender Landesinnungsmeister der Friseure Dietmar Koschitz ist darüber wenig begeistert. Er betreibt in der dritten Generation einen Friseurbetrieb in Spittal, arbeitet seit 28 Jahren in der Innung und ist auch für Wettbewerbe, Lehrabschluss- und Meisterprüfungen tätig. Bevor eine Entscheidung in Sachen Berufsschulkonzept neu umgesetzt werde, lädt er Landeshauptmann Peter Kaiser ein, die Spittaler Friseurwerkstätte persönlich zu besuchen. Er solle sich ein Bild über die "kleine, aber feine Friseurschule in Spittal machen. Das Niveau der Spittaler Lehrlinge ist über die Kärntner Grenzen weithin bekannt."
Koschitz verweist damit auch auf Lena Rindler, ein Lehrling aus seinem Betrieb, der kürzlich beim Bundeslehrlingswettbewerb den 1. Platz im dritten Lehrjahr geholt hat.

Schülerzahlen würden steigen

Für Koschitz könnte Spittal eine Elite-Schule werden. "Die engagierte Lehrkraft Birgit Mosser, die auch jährlich den Young Stylist Welcome Day für Lehrlinge aus ganz Kärnten in Spittal organisiert, hat bereits viele Konzepte ausgearbeitet, die nun in der Schublade liegen. Alleine die Aufhebung der Schulsprengel würde die Schülerzahlen in Spittal sprunghaft ansteigen lassen. Viele meiner Kollegen blicken neidvoll nach Spittal, wie kompetent und praxisorientiert hier unterrichtet wird", so Koschitz weiter.

Mehr Kosten für Eltern

Er sieht auch keine Kostensenkung in der Schließung der Sparten. "Es hieß, es werden in zehn Jahren 70.000 Euro eingespart. Das sind pro Jahr und Schüler nur 25 Euro", so Koschitz, der die Wirtschaftskammer in dieser Hinsicht nicht versteht.
Derzeit vertritt er 102 Betriebe im Bezirk, davon sind 70 Prozent Einzelunternehmer. "Nur mehr ein Viertel davon bildet Lehrlinge aus. Wie sollen die Lehrlinge aus den Tälern die Schule in Klagenfurt in einer bestimmten Zeit erreichen? Die Eltern müssen die Kinder dann in einem Heim unterbringen, womöglich werden die Lehrherren aufgefordert, das zu bezahlen", meldet er Bedenken an.

Kreativität nur in Betrieb

Koschitz sieht auch eine Gefahr in der Verschlechterung der Ausbildung. "Es gibt die Möglichkeit, ab 18 Jahren ohne Berufsschule mit externen Schulungen eine verkürzte Lehre zu machen. Dazu gibt es Kurse, wo die Lehrlinge aber nie einen Betrieb wirklich von innen sehen." Er verweist dazu auf Wifi und BFI, aber: "Kreativität kann man nur in einem Betrieb lernen." Koschitz betont, er sei für Konsens, aber man solle nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg entscheiden.

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