Für neuen Heizwerk-Standort in Millstatt geworben

Unmittelbar vor dem Bauhof Großdombra soll das Heizwerk entstehen
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MILLSTATT. Die vor sieben Jahren aufgenommene Verwirklichung eines Biomasse-Heizwerkes ist in eine neue Phase getreten. Um den Anrainern des ins Auge gefassten neuen Standorts auf dem gemeindeeigenen Gelände des Bauhofs in Großdombra die "Angst zu nehmen", wie es Geschäftsführer Franz Aschbacher von der Betreiberfirma "A&P" ausdrückte, wurde zu einer Informationsveranstaltung geladen. Mehr als 100 Millstätter, unter ihnen auch mehrere Gemeindevorstände und -räte, folgten den Informationen mit anschließender Diskussion im "Blauen Saal" des Kongresshauses.

Bürgermeister-Entschuldigung

Eingangs informierte Bürgermeister Johann Schuster, der Gemeinderat habe mit der Umwidmung des knapp 3.000 Quadratmeter großen Grundstücks von "Grünland" in "Bauland Sondergebiet Bioheizwerk" die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Zugleich entschuldigte er sich dafür, dass aus terminlichen Gründen die zugesagte Bürgerinformation vorab nicht einberufen worden war.

Die Zeit drängt

Denn wie ein Damoklesschwert hängt der Zeitfaktor über der Standort-Entscheidung. Nur noch bis Ende des Jahres nämlich gilt das Angebot des Landes Kärnten, mit 60 Prozent die Abnehmer und weiteren 30 Prozent das Heizwerk zu fördern. Die entsprechenden Fördersummen machen 1,25 beziehungsweise 1,35 Millionen Euro aus.

Schuster warb wie auch die weiteren Referenten eindringlich dafür, der umweltfreundlichen Fernwärme endlich grünes Licht zu geben, damit Millstatt nicht weiter ein "weißer Fleck" auf der Landkarte von Biowärmeanlagen im Bezirk bleibe - umgeben von Bad Kleinkirchheim, Radenthein, Seeboden, Kremsbrücke, Rennweg, Trebesing und Heiligenblut. Aschbacher ergänzte, in der Zeit, in der Millstatt alle bisherigen Standorte abgelehnt hatte, habe seine Rennweger Firma bereits vier Fernwärmeanlagen errichtet.

"Bessere Luft als vorher"

Abgesehen davon, dass man sich mit Biowärme von den endlichen fossilen Trägern wie Erdöl und Gas verabschiede, biete das Projekt in Großdombra handfeste Vorteile. Die "A&P"-Mitarbeiter verwiesen darauf, dass bei der 4,5 Millionen teuren Anlage von sechs Millionen Kilowattstunden jährlich 800.000 Liter Öl sowie 1.800 Tonnen CO2 eingespart würden. Rudi Rattenberger: "Mit dem Heizkraftwerk erhält Millstatt eine bessere Luft als bisher", da ein Kamin 100 ersetze. Alte Zentralheizungen und Einzelfeuerungen werden ersetzt (zirka 35 Anlagen zwischen 30 und 45Jahren, weitere 35 zwischen 20 und 30Jahren). Geplant sind 80 bis 100 Abnehmer, das Leitungsnetz parallel zu Straße umfasse sechs Kilometer.

Kamin auf einem Hügel

Ein Rauchgaskondensator sorge zudem dafür, dass 85 Prozent der ausströmenden Luft schwadenfrei entweiche. Ferner sei in Großdombra als Besonderheit geplant, den 32 Meter hohen Kamin abseits vom Heizhaus auf einer Anhöhe, versteckt hinter Bäumen, zu errichten. Angeliefert werde das fertiger Häckselgut drei Mal wöchentlich nur an Werktagen. Das unbehandelte Hackgut komme zu 80 Prozent aus einem Umkreis von weniger als 50 Kilometern. Sicht- und Schallschutzwände sollen auch die bereits vorhandene Lärmemission des Bauhofes mindern.

Wertschöpfung für Region

Nicht zuletzt bedeute das Bioheizwerk eine Wertschöpfung für die Region. Die örtlichen Landwirte könnten durch den Holzverkauf mit jährlich 195.000 Euro rechnen. Innerhalb von zwei Jahren entstünden zudem 45 regionale und Arbeitsplätze und vier bis fünf Dauerarbeitsplätze. Der promovierte Gutachter Erich Moschik stellte dem Heizwerk in spe in Großdombra hinsichtlich der zu erwartenden Lärm-, Geruchs- und Abgasemissionen ein tadelloses Zeugnis aus. So übersteige beispielspielswerte der Lärmpegel nachts nicht mehr als 22 Dezibel (zum Vergleich: eine Luftwärmepumpe kommt auf 30 dB).

Anrainer fühlen sich "überfahren"

In der anschließenden, teilweise emotional geführten Diskussion wurde deutlich, dass sich manche Anrainer "überfahren" fühlten. So klagte etwa Josef Pirker, er befürchte eine Minderung der Wohnqualität. Angesichts der vorhandenen 200 Bewohner wäre ein Standort in der Ortsmitte besser geeignet.

Doch die Mehrheit der Wortbeiträge befürwortete den Standort. Birgit Göckler, die in einer der beiden Mietwohnungen des Bauhofs zu Hause ist, meinte, zwar sei ein jeder für den Umwektschutz, nach dem Floriansprinzip aber "nicht bei mir". Und: Die Lautstärke der Diskussion übertreffe schon jetzt die des Heizwerks.

Das abschließende Angebot von Mario Rauter, mit Bussen zu Nachbarn vorhandener Biowärmeanlagen in Kärnten zu fahren und sie nach vermeintlichen Belästigungen zu befragen, nahm niemand an.

Wie geht's weiter?

Der vom Gemeinderat umgewidmete Standort liegt zurzeit der Aufsichtsbehörde zur Prüfung vor. Bei einem Ja sind die Voraussetzungen für einen Bauantrag gegeben. Allerdings haben die Anrainer dazu das letzte Wort.

Der zweite, vom Betreiber nach wie vor verfolgte Millstätter Standort südlich des Kalvarienbergs, wird zurzeit vom Landesverwaltungsgerichtshof Klagenfurt in der dritten Instanz geprüft. Er ist bisher am Einspruch eines einzelnen Anrainers gescheitert - dem Vernehmen nach einem Ingolstädter. Dabei hatte Geschäftsführer Christian Pirker-Frühauf, der diesmal krankheitsbedingt fehlte, noch im vergangenen Herbst auf einen baldigen Baubeginn gehofft (wir berichteten).

Autor:

Michael Thun aus Spittal

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