Heimat gibt Hans-Peter Profunser Kraft und Freude

Er hat immer den Reißkofel vor Augen: Hans-Peter Profunser
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  • Er hat immer den Reißkofel vor Augen: Hans-Peter Profunser
  • hochgeladen von Michael Thun

Für den Bildhauer Hans-Peter Profunser ist Heimat ein "zentrales Thema", wie er vor seinem selbst gebauten Holzhaus in Berg/Drautal erzählt. Immer den Reißkofel, mit 2371 Metern der höchste Berg der Gailtaler Alpen, vor Augen, stellt die Bergwelt für den begeisterten Kletterer "Aussicht und Kraftquelle" zugleich dar. "Mit Dankbarkeit" denkt der 57-Jährige an seine Kindheit zurück, in der er "zwischen den Bauern" aufgewachsen sei. Und sich als Künstler auch jetzt bei ihnen "gut aufgenommen" fühle. Die Nachbarn in Oberberg erkennen es an, dass sein Umgang mit dem tonnenschweren Stein, überdimensionalen Metall und Holz eine ebenso schwere Arbeit wie die auf dem Feld sei. Heimat ermöglicht ihm seine Arbeit ohne Stechuhr oder Chef.

Dabei sind seine Skulpturen nicht unbedingt auf den ersten Blick verständlich. In "Die letzte Furche" wird ein steinerner, faltiger Körper auf einem mit Rädern versehenen metallenen Pflug zu Grabe gekarrt. Oder: Anlässlich der Olympischen Spiele 2008 in Peking hat Profunser stilisierte Maschinengewehre auf die fünf olympischen Ringe gerichtet - will mit "glänzt wie Gold" darauf hinweisen, wie ethnische Minderheiten und Andersdenkende verfolgt werden. Schließlich posieren in seinem Skulpturgarten neben dem Haus drei metallene Prostituierte. Sie standen bereits für ein paar Stunden vor dem Landtag in Klagenfurt und sollen die Parallelen zu Politikern im Wahlkampf verdeutlichen, wie Profunser schmunzelnd erklärt. Aus seiner politischen Überzeugung macht er übrigens keine Mördergrube: "Ich bekenne mich ganz offen zu meiner grünen Einstellung."
Zum Begriff "Heimat" hat der Künstler ein ambivalentes Verhältnis, wie er einräumt. So geißelt er den "Trachtenkult". Geradezu "inflationär" werde "Heimat" von Politikern verwendet, wenn sie "zwanghaft" im Kärnten-Anzug posieren. "Das Fass zum Überlaufen hat der auf dem Markt erschienene Kärnten-Sarg" gebracht, versehen mit Bordüren der Kärntner Tracht. Dem hat er provozierend mit einem "Kärnten-Kondom" geantwortet - einem vier Meter langen Baumstamm, dem er ein Trachtentuch übergezogen hat. Damit habe er seinen Ärger "verarbeitet". Profunser: "Das war für mich die Befreiung zum Kärnten-Thema."
Für den gelernten Maschinenschlosser, der seinen Beruf hingeschmissen und sich als 32-jähriger Familienvater als Autodidakt ganz der Kunst verschrieben hat, während seine Frau Anita gerade ihr Probejahr als Lehrerin zu bestehen hatte, hat Heimat auch etwas mit der Zuwendung zu tun, die er in der näheren Umgebung erfahre. Heimat sei das Potenzial, aus dem er, der 40.000 Kilometer jährlich im In- und Ausland unterwegs ist und in Innsbruck gelebt hat, seine Kraft und Freude beziehe. Innsbruck und Arbeitsplatz habe er nicht zuletzt deshalb verlassen, weil die inzwischen 28-jährige Tochter Elvira damals nur einen Sandkasten hatte, während ältere Nachbarinnen mahnten: "Blumenbeete dürfen nicht betreten werden." Da habe er gemerkt: "Das ist nicht meine Welt."
Der Familienvater, der auch noch 15 Jahre das Pflegekind Christian groß gezogen hat, verbindet Heimat auch mit dem sozialen Netz, das in einem Dorf wie Berg junge Menschen auffange. Den verschiedenen Vereinen schreibt er dabei eine große Bedeutung zu. Als Beispiel nennt er die lebendige Theatergruppe. Sie hatte gerade in den vergangenen Tagen in einem Kieswerk das Theaterstück „Frei zum Abschuss. Wölfe kitzeln“ aufgeführt. Er war für das Bühnenbild verantwortlich, seine Frau Anita führte Regie.

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