Vierbergelauf 2011: Eine der ältesten Wallfahrten der Alpen

Die heilige Helena zeigt den Pilgern den Weg auf den Magdalensberg  © Franz Waditzer
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1933 schrieb Georg Graber, dass die Zahl der Vierberger von Jahr zu Jahr abnimmt. In jenen Jahren gingen kaum mehr als drei bis vier Dutzend über die vier Berge. 1830 bis 1840 nahmen noch mehrere Tausend am Vierbergelauf teil. In Kürze, meinte Graber damals, dürfte dieser alte Brauch ganz eingehen.

Er irrte sich: Schon Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre wuchs die Zahl der Pilger stetig. Bald nahmen - wie schon 150 Jahre vorher - wieder Tausende an der Wallfahrt teil und heuer, bei recht angenehmen Wetter, lag die Teilnehmerzahl wohl in einem Bereich, die nie zuvor in der neueren Geschichte des Vierbergelaufs erreicht worden ist.

2011: Die Wallfahrt als Massenphänomen

Der Weg war heuer recht einfach. Die Anzahl der Teilnehmer wird für die Wallfahrt in Hinkunft ein nicht unerhebliches Problem darstellen, zumal schon am Weg zwischen Treffelsdorf und Schloss Meiselberg auf einem dunklen und morastigen Waldweg an der Nordseite des Kruckekugels die Massen zum Stehen kommen und sich lange Staus bilden. Schon am Zollfeld zog sich der Zug jedoch wieder in die Länge und fächert sich auf.

Ein ebenso großes Problem ist die Anfahrt auf den Magdalensberg. Während die Metnitztaler, Krappfelder und Gurktaler von Maria Wolschart aus zu Fuß über St.Sebastian auf den Berg kommen, viele St.Veiter und Wallfahrer als der Sörger Gegend bei St.Donat und in der Nähe von Mairist den Berg besteigen, fahren über Willersdorf Tausende mit Privatautos und Busse bis zum Parkplatz bei den Ausgrabungen. Hier wird das Problem ein Infrastrukturelles: Staus, Wallfahrer, die schon weit vor Mitternacht den Berg hinuntergehen, Busfahrer mit Problemen. Aber wie durch ein Wunder lösen sich auch hier die Kalamitäten gegen 0:30 Uhr, wenn alle Privatautos und Busse die Bergstraße hinuntergefahren sind, in reine Bergluft auf.

Pilgerwege im Grundbuchkataster

Ein völlig neues Problem stellen die zahlreichen Zäune, kurz die versuchte Regulierung des Ulrichberges, durch einen privaten Grundbesitzer dar. Über sein Privatgrundstück führen Wege der Vierbergler, mit Zäunen und Baumpflanzungen, meterhohen Holzhaufen und flächendeckend ausgebrachten Holzscheitern versucht er Wanderwege zu sperren und sein Kerngrundstück zu sichern. Das hat in den letzten Jahren zu erheblichen Problemen und Staus im An- und Abstieg am Ulrichsberg geführt. Der verschlossene Schranken am Fuß des Berges ist zusätzlich ein Sicherheitsrisiko und versperrte einem Notarztwagen und zwei Rettungswägen heuer den sofortigen Zugang zu einer 50-jährigen Frau aus Albeck, die unweit unter dem Gipfel zusammengebrochen war und von Mitwanderern reanimiert wurde. Trotz weiterer zweistündiger Reanimation verstarb die Frau im Klinikum Klagenfurt.

Viele Grundstücke, die als Pilgerwege seit Jahrhunderten genutzt wurden und werden, tragen seit Einführung des Grundbuchkatasters Mitte des 18. Jahrhunderts Vermerke, wonach der Eigentümer verpflichtet ist, den Pilgern den uneingeschränkten Durchgang zu erlauben. Ob dies auch für den Zufahrtsweg auf den Ulrichsberg zutrifft, wird geprüft.

Über Mobiltelefone und durch Anrainer des Wallfahrtsweges, die im Internet, im Radio und auf Teletext die Nachrichten verfolgten, verbreitete sich das Geschehene unter den Wallfahrern. Beim Abschlussgottesdienst am Lorenziberg wurde der verstorbenen Vierberglerin gedacht und mein Freund schrieb mir eine SMS: "Jeder Vierbergelauf ist anders. Dieser war sehr schön und traurig."

Die Wallfahrt organisiert sich aus sich selbst heraus

Die Wallfahrt ist in nur Grundzügen organisiert, in sich logisch durchstrukturiert und noch immer, aber bestenfalls marginal, durch die Messen und Andachten bestimmt.
Alle Kirchen sind längst zu klein, um die Masse der Wallfahrer aufzunehmen, aber jeder Versuch den Pilgerweg institutionell zu organisieren, war bislang zum Scheitern verurteilt und wird es auch in Zukunft sein.
Über Jahrzehnte änderte sich Wegverlauf öfters. Gasthöfe entlang der Strecke wurden aufgelassen. Bauern und Anrainer verpflegen nun die Vierbergler im großen Stil. Was sich nicht ändert, ist das ganz persönliche und das unbändig Individuelle am Vierberglauf. Jeder geht für sich und jeder schleift seinen ganz persönlichen Rucksack über die Vierberge. Es ist ein starker, vieltausendfacher Individualismus, der sich nicht in Normen pressen läßt.

Ein Ausblick

Wer über die Jahre die sternenklare Nacht am Magdalensberg, den strömenden Regen am Ulrichsbergosthang kennengelernt oder durch den Schnee im Gipfelbereich des Veitsberges gestapft ist und dann und wann auch in einer Kirche saß und gebetet hat, dass die Schmerzen aufhören mögen, der ist ein Vierbergler. Der kommt am Dreinagelfreitag immer wieder, jahrelang, jahrzehntelang.

Wir alle zusammen haben den Vierbergelauf ins 21.Jahrhundert getragen.

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