Drautal
Wolf riss zahlreiche Schafe auf „Unholde-Alm“

Kärntenweit wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Wolfsrisse verzeichnet.
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  • Kärntenweit wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Wolfsrisse verzeichnet.
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Ein weiterer vermutlicher Wolfsriss verunsichert Oberdrauburgs Bevölkerung. Ende Juli wurden zehn Schafe am Fuße des Hochstadels gerissen.

OBERDRAUBURG. Der „Agrargemeinschaft Unholde“ in der Gemeinde Oberdrauburg gehören 13 Bauern an. Obmann Johann Krieghofer spricht im Interview mit der WOCHE über die Wolfsproblematik, die derzeit das Obere Drautal beunruhigt.

Vermehrte Wolfsrisse

Insgesamt 14 tote Schafe seit Anfang Juli, ein gerissenes Kalb und dem hinzu sind 20 Schafe gegenwärtig unauffindbar auf der „Unholde-Alm“. Eine bedrückende Situation für die betroffenen Landwirte, die die prägenden Bilder ihrer toten Tiere bestimmt nicht so schnell vergessen können. „Bereits am 6. Juli wurden auf unserer Alm vier Schafe vom Wolf gerissen“, erzählt Johann Krieghofer entmutigt. Der Landwirt ist Obmann der „Agrargemeinschaft Unholde“ und setzt sich auf allen Ebenen für die Mitglieder der Almgemeinschaft ein. In den Nächten von 29. auf 30. Juli sowie von 30. auf 31. Juli 2021 hat ein Wolf auf der „Unholde-Alm“ erneut zugeschlagen. Zehn tote Schafe wurden aufgefunden, zwei davon mussten notgetötet werden. Seither werden 20 weitere Schafe des gesamten, aufgealmten Viehbestandes vermisst. „Es ist einfach furchtbar“, so Krieghofer.

Ein Schaf mit Kehlbiss und Nutzung im Brustbereich.
  • Ein Schaf mit Kehlbiss und Nutzung im Brustbereich.
  • Foto: Land Kärnten
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Große Betroffenheit

Auf der Unholde-Alm weiden einerseits Rinder, andererseits verbringen dort über 100 Schafe die Sommermonate. „Die Schafe weiden normalerweise in den höherliegenden Gebieten unserer Alm, seit dem ersten Wolfsriss am 6. Juli haben wir die Tiere nicht höher auftreiben können, weil sie vom Wolfsriss verstört sind und Angst haben“, so der Obmann. Ein Raubtier im Blutrausch, dass mittlerweile großen Schaden bei den Landwirten verursacht hat. Vier Bauern der Agrargemeinschaft sind vom vermeintlichen Wolfsriss Ende Juli betroffen. Vom Obmann selbst wurde ein sieben Monate altes Kalb durch den Angriff des Raubtieres schwer verletzt: „Unser Kalb ist mit starken Bisswunden davon gekommen. Ich vermute, dass sich das Jungtier während seiner Flucht vor dem Wolf am Fuß verstaucht hat und ihm deshalb ausgeliefert war. Als das Kalb angegriffen wurde, hat es wahrscheinlich halslaut vor Angst geschrieen und wurde von der Mutterkuh verteidigt“, so Krieghofer. Das Tier wurde zwischenzeitlich von der Alm ins Tal gebracht und vom Tierarzt behandelt.

Insgesamt 14 Schafe mussten auf der "Unholde-Alm" schwere Qualen durch einen vermeintlichen Wolfsriss erleiden.
  • Insgesamt 14 Schafe mussten auf der "Unholde-Alm" schwere Qualen durch einen vermeintlichen Wolfsriss erleiden.
  • Foto: Privat
  • hochgeladen von Thomas Klose

Herdenschutzmaßnahmen untauglich

Einmal mehr zeigt sich, dass die empfohlenen „Herdenschutzmaßnahmen“, die der Wolfsproblematik entgegenwirken sollten, auf Kärntens Almen nicht praxistauglich sind. Am Beispiel der Unholde-Alm wäre das „wolfssichere Einzäunen“ nicht umsetzbar, schon alleine aufgrund der alpinen Gegebenheiten. Eine weitere Herdenschutzmaßnahme wäre der Einsatz von Herdenschutzhunden, der sich ebenso problematisch erweist, müssen die Tiere doch laut dem „Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs“ auf die Schafherden sozialisiert sein und von Beginn an mit der Schafherde leben. Der Viehbestand der Unholde-Alm wird derzeit von zwei Hirten bewacht und betreut. „Unsere Hirten kümmern sich in erster Linie um die Rinder auf der Alm. Da es typisch ist, dass die Schafe in Höhen um die 2.000 Meter auf der Alm hinauf gehen, ist es nicht umsetzbar, dass sich Hirten rund um die Uhr um den gesamten Viehbestand kümmern und diesen im Blick haben“, so Krieghofer.

Das verletzte Kalb hat sich schon ein Stück weit vom Wolfsriss erholt. Auch auf der Staner-Alm in Obervellach wurde diese Woche ein Kalb gerissen.
  • Das verletzte Kalb hat sich schon ein Stück weit vom Wolfsriss erholt. Auch auf der Staner-Alm in Obervellach wurde diese Woche ein Kalb gerissen.
  • Foto: Privat
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Schadensersatz entschädigt nicht Bezug zum Vieh

Für die betroffenen Bauern der „Agrargemeinschaft Unholde“ muss der Obmann bei der Landwirtschaftskammer einen Antrag auf „höhere Gewalt am Tier“ einreichen, wofür sie Schadensersatz für ihren gerissenen Viehbestand bekommen. Dass ein entgeltlicher Schadensersatz bei Weitem nicht den persönlichen Bezug zum eigenen Viehbestand entschädigt, ist jedoch kein Geheimnis. Krieghofer verweist hier auf eine weitere Problematik: „Auch unsere Schafbauern haben durch die Wolfsrisse ihre Schafe nun von der Alm ins Tal gebracht. Wenn die Tiere frühzeitig abgealmt werden, brauchen sie am Hof natürlich genügend zu fressen und fressen den Futtervorrat, den die Landwirte über die Wintermonate dringend brauchen, auf. Dadurch entsteht ein weiteres Problem für uns Landwirte.“

Johann Krieghofer ist Obmann der "Agrargemeinschaft Unholde“.
  • Johann Krieghofer ist Obmann der "Agrargemeinschaft Unholde“.
  • Foto: RMK
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Wichtige Maßnahme

Um die nötigen Förderungen der AMA zu bekommen, muss der Viehbestand je Landwirt mindestens 60 Tage auf den Alm weiden. Wird dies nicht erreicht bzw. werden die Tiere frühzeitig abgetrieben, kann es sein, dass man um die ÖPUL-Alpungsprämie fällt. Eine schwere Einbuße für die Landwirte, die finanzielle und soziokulturelle Folgen mit sich trägt. Aufgrund der Vielzahl an bestätigten Wolfsrissen der vergangenen Monate auf Kärntens Almen, wurde deshalb eine Sonderregelung erlassen. Wenn ein bestätigter Wolfsriss auftritt und Tiere frühzeitig abgetrieben werden, wird die ÖPUL-Förderung nicht abgezogen, denn in diesem Fall handelt es sich um höhere Gewalt.

Nachweis Wolfsriss

Nach Meldung der vermeintlichen Wolfsrisse auf der Unholde-Alm, hat sich Patricia Graf, Sachverständige für Wildökologie, Bibermanagement und Rissbeauftragte des Landes Kärnten, vor Ort ein Bild von den Rissen an den toten Tieren gemacht: „Wir orientieren uns am sogenannten ‚Rissbild“ bzw. an den detaillierten Verletzungen der Tiere. Das Rissbild der toten Tiere auf der Unholde-Alm deutet sehr stark auf einen Wolfsriss hin“, so Graf. Der genetische DNA-Nachweis wird noch zwei bis drei Wochen dauern. Obmann Krieghofer spricht für seine Landwirte und im Sinne der Almwirtschaft: „Wir hoffen, dass baldmöglichst umsetzbare Lösungen hinsichtlich der Wolfsproblematik getroffen werden, um eine Weiterbewirtschaftung unserer Almflächen zu gewährleisten.“

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