Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Gudrun Haneder
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SPITTAL. Um jugendlichen Schulabgängern mit Handicap bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen, bietet das Netzwerk Berufliche Assistenz (Neba) zum zweiten Mal österreichweit Schnuppertage an.
In Spittal beteiligen sich drei Unternehmen an der Aktion, an der im Sommer 2013 150 Firmen mit über 90 Berufen mitgemacht hatten. "Für mich ist es ein wirkliches Anliegen, dass eine gute Ausbildung auch eine Verpflichtung darstellt", stellt Gudrun Haneder fest. Die 48-Jährige hat die gastronomische Leitung des Café-Restaurants im Stadtpark-Center inne und beaufsichtigt neun Mitarbeiter, unter ihnen vier Lehrlinge.
Die gebürtige Kärntnerin ist ausgebildete Kommunikationstrainerin. Sie hatte 19 Jahre in Linz, Oberösterreich, im sozialen Bereich Integrationsprojekte wie auch Veranstaltungen gemanagt. Seit fünfeinhalb Jahren zurück in Spittal, versucht sie, jungen Menschen Gastronomie schmackhaft zu machen. Deshalb beteiligt sich Gudrun Haneder am Neba-Projekt.
An diesen drei Schnuppertagen will Gudrun Haneder dem Schüler bzw. der Schülerin vor allem so viel Grundwissen über den Beruf vermitteln - sei es im Service, sei es in der Küche. Nur dann könne sich ein Schulabgänger mit voller Überzeugung für die Gastronomie entscheiden und nicht notgedrungen deshalb, weil er in seinem "Traumberuf" keinen Ausbildungsplatz gefunden hat.
"Wir haben große Probleme, genügend Nachwuchs zu finden", räumt die Quereinsteigerin ein, weil der Beruf allgemein wegen seiner Arbeitszeiten - auch am Wochenende - nicht gerade als familienfreundlich gilt. Im Stadtcenter mit seinen "normalen" Öffnungszeiten haben es die Restaurantbediensteten allerdings leichter.
"Lehrlinge sind wie meine Kinder", fasst die Mutter eines 24-Jährigen zusammen, die mit Herz und Seele den Betrieb führt. "Ich muss meinen jungen Mitarbeitern einen stabilen Rahmen schaffen, in dem sie sich wohl fühlen." Dazu gehöre auch, den Heranwachsenden zu helfen und eine Stütze zu sein, wenn sie Probleme im Elternhaus haben. Diese Verantwortung will Gudrun Haneder nun auch an den Neba-Schnuppertagen tragen.

Soziale Verntwortung

"Ich bin ein aufgeschlossener Mensch und mache aus sozialer Verantwortung mit." So begründet Rauchfangkehrermeister Werner Gelbmann sein Engagement für das vom Bundessozialamt ins Leben gerufene Netzwerk, das verschiedene Projekte der beruflichen Assistenz für Menschen mit Behinderung oder Benachteiligungen umfasst. Und für den Lebenslauf eines solchen Schülers könne es nur von Vorteil sein, einem Kaminkehrer über die Schulter geschaut zu haben.
Zwar wusste der 39-Jährige bis zum Druck dieses Artikels noch nicht, ob und wen er für ein paar Schnuppertage bekommt, doch freut er sich, einen jungen Mensch mit der Vielseitigkeit dieses Handwerks vertraut zu machen. Voraussetzung für diesen Beruf sei, absolut schwindelfrei zu sein - auch wenn der von Neba vermittelte Jugendliche wohl nicht mit aufs Dach steigt. Ferner sollte der künftige Lehrling praktisch veranlagt sei, zum Beispiel, wenn es um die Reinigung von Feuerungsanlagen geht. Ein gepflegtes Auftreten bei den Kunden sei ebenfalls vonnöten. Und, wenn möglich, ein Führerschein.

Ähnlich wie die Gastronomie habe such das Rauchfangkehrerhandwerk mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. "Dabei haben wir in Spittal den Vorteil der vielen Schulen", führt Gelbmann aus, der den Familienbetrieb Julius Steinwender in vierter Generation führt. Gelbmann verweist auf ein Foto seines Betriebes, das seit vier Jahren als "kostenlose Werbung" in der Polytechnischen Schule hängt. Bisher hätten aber nur drei Schüler Interesse an einer Ausbildung gezeigt. Einer von ihnen habe gerade eine Lehre begonnen. Unter den Interessenten sei auch eine Jugendliche gewesen. Wegen der notwendigen sanitären Voraussetzungen hat der Meister aber davon Abstand genommen. Nur: Für die drei Schnuppertage sei ihm ein weiblicher Aspirant genauso willkommen. Allerdings müsse die junge Dame genauso wie alle anderen auch, bereit sei, schon um sieben Uhr den Dienst anzutreten.

Eigens Mentorin dabei

Das dritte Unternehmen in Spittal, das bei Neba mitmacht, ist Deichmann. Beim deutschen Schuhfabrikanten, in Österreich mit 169 Filialen vertreten, hat in diesen Tagen Jennifer Seiser aus Obervellach hineingeschnuppert. Betreut von Karoline Podesser, der für Oberkärnten einschließlich Hermagor und Lienz zuständigen Bezirksverkaufsleiterin, wird der Schülerin sogar eine Mentorin zur Seite gestellt - eine Schulungsbeauftragte, die sich normalerweise um die Auszubildenden kümmert.
Die Schülerin aus Obervellach wird mit den verschiedenen Schuhtypen und den Warenverkaufslisten vertraut gemacht. Im Kundenservice eingesetzt, lernt Jennifer vor allem, wie sie höflich mit den potenziellen Käufern umgeht. Ob sie, bei Interesse, auch eine Ausbildung absolvieren kann, vermag Karoline Podesser noch nicht zu sagen.
Denn Nachwuchsprobleme hat die 45-jährige Mutter zweier erwachsener Töchter und eines Enkels nicht: "Im Gegenteil: Das letzte Mal hatten wir 33 Bewerbungen, eine junge Frau haben wir übernommen." Die gelernte Einzelhandelskauffrau, seit 18 Jahren bei Deichmann, unterstreicht, sich bei der Einstellung nicht allein von Zeugnissen leiten zu lassen: "Noten besagen nicht alles über den Menschen." Sie hat die Erfahrung gemacht, wie sie sagt, je mehr Zeit man für einen Lehrling investiert, "desto mehr bekommt man zurück".

Karoline Podesser lobt ihren Arbeitgeber als ein "sehr soziales Unternehmen", das unter anderem mit einem Förderpreis die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bekämpft und Hilfsprojekte in Indien, Tansania und in der Republik Moldau unterhält. Vor Ort werden Frauen nach der Karenzzeit problemlos wieder übernommen, ein so genanntes Teambudget wird für gemeinsames Essen oder Klettern verwendet. Die Verkaufsleiterin: "Bei uns gilt: 'Ein Unternehmen soll dem Menschen dienen.'"

Autor:

Michael Thun aus Spittal

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