21.03.2017, 12:28 Uhr

Cha Cha Cha contra Demenz

Dres. Brono Pramsohler und Edeltraud Lenhard mit 2. Vizebürgermeister Andreas Unterrieder

Mini-Med-Sommersemester in Spittal mit dem Thema Demenz begonnen.

SPITTAL. Im Beisein des Zweiten Vizebürgermeisters und zuständigen Referenten Andreas Unterrieder wurde das Mini-Med-Sommersemester in der Lieserstadt aufgenommen. Es referierte Primar Bruno Pramsohler über Demenz - Prävention und Behandlungsmöglichkeiten.

"Schön, dass Sie den Termin nicht vergessen haben", sagte Moderatorin Edeltraud Lenhard im vollen Ahnensaal von Schloss Porcia augenzwinkernd zum Publikum. Der aus Spittal stammende Facharzt für Neurologie und Psychatrie sowie Ärztlicher Leiter der Privatklinik Villach erinnerte eingangs daran, wie schwer es beispielsweise ein Alois Alzheimer (1864 - 1915) anfangs hatte, bis die von ihm als erstem wissenschaftlich beschriebene und später nach ihm benannte Demenzerkrankung Alzheimer als solche anerkannt wurde, nachdem er im Gehirn einer verstorbenen Patientin charakteristische Veränderungen festgestellt hatte. Und erst 50 Jahre später, als die ersten Pharmaka (Pramsohler: "Fluch oder Segen") auf den Markt kamen, gab es einschlägige Literatur.

130.000 Österreicher betroffen

Als dement gilt, dessen Gehirn geschädigt ist, bei dem Gedächtnis, Denken, Orientierung, Sprache und Urteilsvermögen gestört sind. Das trifft in Österreich auf mehr als 130.000 Menschen - weltweit etwa 24 Millionen - zu, wobei 65 Prozent von ihnen Alzheimer haben, so der 62-jährige Mediziner. Alzheimer und Demenz werden fälschlicherweise als gleichbedeutend angesehen, doch ist Demenz nur das wichtigste Symptom der Krankheit.

Betroffen sind bei den 65- bis 70-Jährigen zwei bis drei Prozent, bei den über 90-Jährigen 30 Prozent. Generell sind doppelt so viele Frauen wie Männer dement. Kennzeichnend für die Erkrankung ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten, was im Gehirn von Alzheimer-Kranken mit typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) einher geht. Zu den Ursachen kann der Neurologe nur konstatieren: "Auch nach 100 Jahren sind wir noch ratlos." Nur: Weder Aterienverkalkung, Überforderung oder Infektion sind Schuld an Alzheimer, die nur zu zwei Prozent vererbbar sei.

Altersvergesslichkeit ist anders

Auch wenn im Alltag häufig gekalauert wird: "Ich habe Alzheimer", handelt es sich meist nur um eine natürliche Altersvergesslichkeit ("Wo habe ich meinen Schlüssel verlegt?), während Alzheimer daran zu erkennen sei, dass man sich nicht mehr an Ereignisse erinnern kann. Als verlässlichste Diagnose gilt nach Ansicht des 62-Jährigen die so genannte Testpsychologie. In 30 Fragen geht es um Namen, Datum und Begriffe, die mit zeitlichem Abstand zu wiederholen sind.

Sprachdedektiv, nicht Sprachrichter

Im Umgang mit Demenzpatienten kommt es in erster Linie darauf an, Gewohntes beizubehalten, die Unabhängigkeit des Betroffenen zu fördern, ihm Mut zu machen, Auseinandersetzungen zu meiden, ihn nicht zu belehren. Pramsohler: "Wir müssen Sprachdedektiv sein, nicht Sprachrichter!" Gleichwohl sei es wichtig, sich selbst nicht zu überfordern, seine eigenen Grenzen zu erkennen, die Pflege auf mehrere Schultern zu verteilen.

Vorbeugende Maßnahmen sind geistiges und körperliches Training. Tanzen wie Cha Cha Cha, das sowohl dem Körper wie dem Gedächtnis zu Gute kommt, helfe "besser als jedes Medikament", empfielt der Mediziner, der mit der "frohen Botschaft" die Zuhörer entlasst: "Wir können nichts dagegen tun, dass wir älter werden, aber wir können verhindern, dass es langweilig wird."

Pflegende Angehörige

Unter den Zuhörern waren auch mehrere jüngere Mini-Med-Studenten, die demente Angehörige pflegen - so aus Spittal Peter und Carmen Brunner sowie aus Millstatt Josef und Sigried Wegscheider. Alois Michelitsch aus Spittal-Olsach hatte vor fünf Jahren seine Frau nach nur sechs Monate dauernder Demenz verloren. Sepp Faller aus Bad Kleinkirchheim wiederum ist mit seinen fast 77 Jahren noch immer beruflich im mobilen Pflegedienst aktiv. Der "Unruheständler", wie er sich bezeichnet, hat deswegen dem Vortrag beigewohnt, weil "der Mirk" (das Merken) so langsam nachlasse.
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