22.11.2017, 07:59 Uhr

Brauchtum wird zur Show

Die Larven waren anfangs aus Holz.

Wo Brauchtum gelebt wird, ist auch Euphorie. Probleme hat es immer auch dort gegeben.

SPITTAL (pgfr). Bräuche, vor allem jene, bei denen Masken getragen werden, faszinieren Zuschauer und Aktive gleichermaßen. Als 16/17-Jähriger selbst als "Bartl" in Wohnstraßen Spittals unterwegs, kennt Museumsdirektor Hartmut Prasch beide Seiten. Seine Faszination des Maskenbrauchtums wirkte sich groß aus, sodass er seine Dissertation im Jahr 1986 darüber geschrieben hat.


Krampus begleitet Nikolaus

Der „Krampus“ am 5./6. Dezember als schrecklicher Begleiter des Heiligen Nikolaus trägt viele Namen. In ganz Osttirol und auch noch im westlichen Teil Oberkärntens wird er „Klaubauf“ genannt, der die bösen Kinder in den Sack zu stecken droht. Der Ort Matrei in Osttirol übrigens gilt nach wie vor als Hochburg des gesamten Brauchtums. In Kärnten ist es der „Bartl“ oder auch „Partl“ als dunkle, Strafe drohende Gestalt im Gegensatz zum segnenden, Gaben spendenden gütigen Teil des Paares, dem Heiligen Nikolaus. Der Krampus dient auch als pädagogisch umstrittenes Erziehungsmittel. Maskierung und Auftreten zwischen Klaubauf, Bartl und Krampus unterscheidet sich nicht und entspricht dem der „Perchten“.

Die bösen Geister des Winters

Früher als den Nikolausbrauch gab es das Perchtenbrauchtum. Perchtenläufe finden in der Nachweihnachtszeit, den sogenannten Raunächten von Heiligabend bis Dreikönigstag, statt. Die Perchten verkörpern zwei Gruppen, die „guten“ Schönperchten, und die „bösen“ Schiachperchten. Wichtiges Utensil der Perchten ist die Glocke, mit der die bösen Geister des Winters ausgetrieben werden soll.

Brauchtum entwickelt sich

Masken, Larven und Verkleidung veränderten sich im Laufe der Zeit. Vom Schafsfell zum Kunstpelz, zur Schelle von der Kuhglocke und von der geschnitzten Holzlarve über eine aus Pappmaché oder Polyester bis zu einer aus Aluminium. Auch die Entwicklung der Ausstattung eines Bartls unterliegt einem Trend. „Der Nikolaus weicht immer mehr in den Hintergrund und Bartlumzüge gleichen einer Show“, so Prasch. „Brauchtümer entwickeln sich und das ist besser als dass sie verschwinden“, so Prasch weiter.


"Bartele mäh mäh“

Der erste Umzug in Oberkärnten fand auf Bemühen eines gewissen Max Lilla im Jahr 1967 in Oberdrauburg statt. Auch damals gab es bereits ein Reglement, das beispielsweise eine Absperrung vorsieht, das Melden der Veranstaltung bei den Behörden, sowie eine Versicherung für die Gruppe für den Fall von Schäden und Verletzungen. „Zuschauer necken und provozieren, das gehört dazu“, sagt Prasch. „Schwarze Schafe allerdings gibt es auch überall, eine Verantwortung der Krampusgruppe“, so Prasch weiter.

Schwarzes Schaf als Bartl

Die Ausschreitungen beim Krampusumzug in Rennweg weisen einmal mehr auf die Gefährlichkeit von Sprengkörpern dabei hin. Schwach, wenn eine Verkleidung stark macht.

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Jo Hermann aus Spittal | 22.11.2017 | 10:06   Melden
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