14.10.2016, 15:48 Uhr

Damals und heute: Das Spittaler Rathaus

Das Rathaus in seinem heutigen Erscheinungsbild (Foto: KK)

Das Rathaus wird erneut im Sinne der Barrierefreiheit umgebaut. Die WOCHE sah sich die Geschichte des Rathauses in Spittal an.

SPITTAL (ven). Das Spittaler Rathaus wird derzeit barrierefrei. Grund genug, um sich die Geschichte des Rathauses mit Jasmin Granig vom Spittaler Stadtarchiv genauer anzusehen.

Vom selben Baumeister

"Wie sein berühmtes Gegenüber, das prächtige Renaissanceschloss Porcia, wurde der Bau in den Dreißigerjahren des 16. Jahrhunderts begonnen und dürfte außerdem vom gleichen Baumeister stammen. Eine Tafel mit der Jahreszahl 1537 und dem Wappen der Khevenhüller und Mannsdorfer bezeugt heute noch das Alter und die Bauherren dieses Gebäudes", erklärt Granig.
Die dreigeschoßigen, im typischen italienischen Renaissancestil angelegten Arkaden sind heute im 1. und 2. Stock zugemauert. Bis ins 20. Jahrhundert befand sich im hinteren Trakt des Schlosses das Gefängnis des Landgerichts. 1928 kaufte Josef Riebler das Gebäude und baute es zu einer Eisenwaren und Maschinenhandlung um. Heute wird der Teil weiterhin als Geschäftshaus genutzt.

Große Besitztümer

Die Besitzungen der Familie Khevenhüller in Oberkärnten wurden im Laufe des 16. Jahrhunderts kontinuierlich ausgebaut. Große Grundherrschaften wie Sommeregg und Paternion gingen in den Besitz der Familie über. Noch vor 1650 erfolgte der Einstieg in den Oberkärntner Eisenbergbau, der als „Khevenhüller´scher Bergbaukonzern“ frühkapitalistischer Prägung bis weit ins 17. Jahrhundert zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein der Familie wurde.

Land verlassen

Diese wahre „Erfolgsstory“ der Familie in Oberkärnten sollte mit dem Jahr 1628 jedoch ein jähes Ende erfahren. Der Habsburgische Kaiser Ferdinand II. stellte den Großteils lutherisch-protestantischen Adel Kärntens vor die Wahl, binnen eines Jahres entweder zurück zum „rechten Katholischen Glauben“ zu wechseln oder das Land zu verlassen. Sie verließen Kärnten und der Besitz in Oberkärnten ging verloren.

Gesindehaus

"Besonders aussagekräftig ist das Bild aus der Khevenhüller Chronik um 1620: Hier kann man das gesamte bauliche Ensemble des ursprünglichen Schlosses der Familie Khevenhüller erkennen. Der heute als Rathaus genutzte Bau wird rechts vom sog. 'Gesindehaus' mit Eckturm und links von einem zweigeschoßigen Wirtschaftsgebäude umgrenzt. An der Vorderseite existierte eine mit Zinnen bewehrte Mauer mit Einfahrtstor in den Hof." Der Bereich, wo heute die EDV-Abteilung der Gemeinde untergebracht ist, diente wohl ursprünglich als Wirtschaftsgebäude. Ob dieser hintere Trakt damals schon direkt an das Schloss angebaut war oder nicht, lässt sich leider nicht eindeutig feststellen. Spätestens in den 1920er Jahren war dies aber der Fall, wie die anderen Fotografien bezeugen.

Wichtiger Umschlagplatz

Daneben existierten auch zwei gedeckte Übergänge. Einer zwischen Hauptgebäude und „Gesindehaus“, ein anderer quer über die heutige Bernhardtgasse vom Wirtschaftsgebäude zum heutigen „Stenzelhaus“, das damals wohl das Haus des khevenhüllerschen Verwesers war. Dieser ist sogar in rot gekleidet vor seinem Haus erkennbar! Die vor dem Schloss liegenden Waren sind bewusst im Bild platziert und stellen Eisenerzbehälter sowie Roheisenblöcke dar. Sie sollen die Aktivitäten der Familie Khevenhüller im Eisenbergbau rund um Gmünd sowie bei Paternion - Stockenboi zeigen. Spittal war hier dazwischen ein wichtiger Umschlagplatz.

Heute ist im Gebäude die Spittaler Stadtgemeinde untergebracht.
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