27.07.2016, 12:50 Uhr

"Kärnten wenig attraktiv für Wölfe"

Ein Zirkuswolf im Käfig. Nicht sehr artgerecht. (Foto: KK/Auer)

Naturschützer Erich Auer fordert öffentliche Gelder für Bauern für Schutzmaßnahmen.

BEZIRK SPITTAL (ven). Nachdem Almbewirtschafter vor der Gefahr des Wolfes - vor allem in Bezug auf Rudelbildung - warnen, meldet sich nun Erich Auer, Naturschutzbeirat, zu Wort. Es sei laut Auer "einiges zu ergänzen".

Keine Wolfsrudel

"Es ist für mich unverständlich, warum man die Angst vor dem Wolf so schürt. In Kärnten gibt es keine Wolfsrudel. Einzelne Wölfe ziehen durch Kärnten durch und schlagen Rehwild, nur vereinzelt auch Schafe. So wurden in den letzten Jahren nur ein paar Schäden als vom Wolf verursacht bestätigt und vom Fonds der Kärntner Jägerschaft, der auch aus Naturschutzmitteln gespeist wird, vergütet", so Auer zur WOCHE. In den vergangenen zwei Jahren habe es überhaupt keinen bestätigten Wolfsriss gegeben.

Wenig attraktiv

Natürlich sei es möglich, dass es in unserem Bezirk zu einer Rudelbildung kommt, aber insgesamt sei die Region "als total erschlossenes Land wenig attraktiv für Wölfe, ausreichend menschenfreie Reviere sind zu klein", allerdings steige der Besiedlungsdruck aus den Nachbarländern.

Ökologische Bereicherung

Auer sieht in der Zuwanderung von Wölfen eine ökologische Bereicherung. Sie haben als wichtiges Glied in der Nahrungskette auch eine Existenzberechtigung in Kärnten und würden zu einer Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts und der Gesunderhaltung des Wildbestandes beitragen. "So fallen vor allem eher kranke oder schwache Tiere dem Wolf zum Opfer als gesunde, starke", ist Auer überzeugt.

Pilotprojekt in Finkenstein

Für die Almwirtschaft, vor allem für die Schafhaltung, bringe der Wolf "natürlich große Probleme". Jeder Verlust eines Tieres sei schmerzlich für den Besitzer, da helfe auch die Abgeltung aus dem Fonds der Kärntner Jägerschaft wenig. "Effektiver Schutz durch Elektrozäune ist kaum möglich, Hirtenhunde wiederum können Touristen Angst einjagen. "Auf der St. Jober-Alm bei Finkenstein soll nun ein Pilotprojekt die Einsatzmöglichkeit von Herdenschutzhunden testen", informiert der Naturschützer.

Mehr Hirten

Er plädiert auf eine Zunahme des Einsatzes von Hirten, allerdings von der öffentlichen Hand gefördert. "Das hätte eine Reihe von Vorteilen. Die Herde wird bestens versorgt, die Weideflächen werden optimal abgegrast, Über- und Unterbeweidung vermieden. Das nützt auch der Artenvielfalt auf den Almen. Außerdem kann sich der stets anwesende Hirte bestmöglich um setzende Schafe, junge Lämmer, sowie kranke und verletzte Tiere kümmern." Dafür brauche es aber ein langfristiges Finanzierungsmodell. "Es ist nicht einsehbar, dass die Bauern die Kosten für die Wolfsausbreitung in Kärnten alleine tragen sollen", sagt er.

Panikmache nicht sinnvoll

Für Auer sind weder Panikmache noch unkritische "Wolfs-Willkommenskultur" sinnvoll. Um langfristig ein konfliktfreies Zusammenleben mit großen Beutegreifern zu ermöglichen, müssten mit allen Beteiligten, Grundbesitzern, Bauern, Jägern, Naturschützern und der Presse sinnvolle Maßnahmen erarbeitet werden.
"Gefallen hat mir in der sehenswerten Wildtierausstellung in der Pfandlhütte, Nockalmstraße, die Antwort auf die Frage, wie der Mensch reagieren soll, wenn er auf einen Wolf trifft: Sich freuen, fotografieren, nicht davonlaufen!", schließt Auer.

Zur Sache:

Der Wolf ist eine geschützte Tierart nach der Berner Konvention und nach der Flora/Fauna/Habitat-Richtlinie der EU und ist nach dem Jagdgesetz in Kärnten ganzjährig geschont. Behördliche Ausnahmen könnten in Einzelfällen gemäß dem Schema “Umgang mit Wölfen in besonderen Situationen” des Managementplans Wolf in Österreich (2012) genehmigt werden.

Der Managementplan Wolf, an dem die Kärntner Jägerschaft und Kärntner Wildbiologen mitgearbeitet haben, regelt u.a. den Umgang mit auffälligen Tieren, nennt die Wolfsbeauftragten der Bundesländer oder führt die Voraussetzungen für die finanzielle Abgeltung im Schadensfall an.

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