31.08.2016, 09:31 Uhr

Kastrationspflicht für Katzen wird nicht ernst genommen

Klaudia Thorer wünscht sich mehr Nachwuchs im Tierschutzbereich für Oberkärnten (Foto: KK)

In Oberkärnten fehlt es an Tierschutz-Nachwuchs; Immer mehr Katzenbabys werden auf Facebook angeboten.

BEZIRK (ven). Das Katzenelend in ganz Österreich ist seit Jahrzehnten enorm. Tierschutzvereine bemühen sich immens, dieses Elend mittels großflächig angelegten Kastrationsprojekten einzudämmen, ein erfolgloses Unterfangen. Die WOCHE sprach mit engagierten Tierschützern in Spittal über die Problematik von ausgesetzten Katzen und das Feilbieten von Katzenbabys auf Facebook.

Tierschutz betrifft alle

"Erst wenn jeder Katzenbesitzer versteht, dass Tierschutz jeden Einzelnen betrifft und dass er sich mitschuldig macht am Katzenelend, wenn er seine Katze nicht kastrieren lässt, wird sich die Situation für Katzen verbessern", so Petra Fasching von der "Tatzenhilfe". Abhilfe schaffen könne man nur durch Kastration - übrigens seit 2005 gesetzlich verankert. Hier seien das Land und die Gemeinden gefragt, ein ordentliches System zu schaffen, um die Verantwortung zumindest für die zahlreichen herrenlosen Katzen mitzutragen. "Kontrollen der Kastrationspflicht für Private und Bauern sind unumgänglich und sollten auch bei Nichteinhaltung Konsequenzen für die Betroffenen nach sich ziehen. Die Kontrollen könnten durch Amtstierärzte erfolgen", schlägt Fasching vor.

Gesetz ist eindeutig

Warum lassen so viele ihre Katzen noch immer nicht kastrieren? Klaudia Thorer (Samtpfotenhilfe): "Das verwundert mich auch immer wieder, denn die Gesetzeslage ist eindeutig. Gerade wer seine Samtpfoten liebt, kennt die zahlreichen positiven Vorteile des operativen Eingriffs. Das Zusammenleben wird vereinfacht und sowohl Kater wie Katze sind anschmiegsamer." Angelika Hinteregger ist verärgert: "Es ist leider ein zahnloses Gesetzt, das nicht exekutiert wird."

Ausgesetzte Tiere

Ein weiteres großes Problem, mit dem die engagierten Spittalerinnen Angelika Hinteregger, Claudia Huainigg und Irmi Linder oft konfrontiert sind, sind ausgesetzte trächtige Katzen. Sie nehmen immer wieder Katzen zur Pflege auf. Huainigg dazu: "Es werden sehr oft Jungtiere aufgenommen, nicht kastriert, und dann ausgesetzt, wenn sie trächtig oder grösser geworden sind." Sie hat kürzlich eine trächtige Katze aufgenommen. "Wenn ich auf Plattformen wie Facebook sehe, wie viele Katzenbabys herzugeben sind, wird es mir übel. Natürlich ist es der einfachste Weg, die Katze nicht zu kastrieren, und die Jungen immer herzuschenken. Aber wozu soll es führen?", so die Katzenliebhaberin zur WOCHE. Es sei "verantwortungslos, eine nicht kastrierte Katze ins Freie zu lassen." Die Hilfsorganisationen seien Tag und Nacht damit beschäftigt, freie Pflegeplätze zu finden, aber diese seien komplett ausgelastet. Dazu kommen fast täglich neu ausgesetzte Tiere, so Thorer. Hinteregger habe dazu eine Idee: "Wünschenswert wäre auch ein Budget wie im Burgenland zur Kastration von herrenlosen Katzen, außerdem sollte es verpflichtend sein, alle Hauskatzen mit Freigang zu chippen und registrieren.

Beschimpfung auf Facebook

Linder musste sich in letzter Zeit oft über Facebook-Postings ärgern: "Wir mussten uns von Frauen auf Facebook aufs Übelste beschimpfen lassen, weil ich die Kastrationspflicht angesprochen habe. Ich akzeptiere durchaus andere Meinungen, aber ich muss nicht darüber diskutieren, ob ein Gesetz einzuhalten ist", sagt sie. Auch Hinteregger ist darüber erbost: "Sehr vielen geht es einfach darum, die Katzenbabies, die durch eine verabsäumte Kastration zur rechten Zeit in die Welt gesetzt wurden, möglichst schnell los zu werden. Viele Babies werden auch zu jung abgegeben." Sie fordert von Katzenhaltern, dass sich Katzenhalter mit dem Tierschutzgesetz auseinandersetzen. "Viele Bauern machen es sich auch zu einfach, indem behauptet wird, dass so viele Katzen bei ihnen ausgesetzt würden und warum sie die Kosten übernehmen sollen. Ich meine, dass hier auch der zuständige Tierarzt bzw. der Amtstierarzt gefordert ist."

Tierschützer gesucht

"In der Region fehlt es schon seit geraumer Zeit an Nachwuchskräften im Tierschutz. Junge Leute, die Ideen einbringen, aktiv mithelfen und mitgestalten möchten, sind anscheinend in unserem Bezirk rar. Die Arbeit im Tierschutz für Katzen ist vielfältig und spannend. Ich bin bereit, wenn sich eine Reihe von neuen Mitstreitern melden, ihnen das Rüstzeug für ihr Engagement näherzubringen", so Thorer. Der Umgang mit Katzenfallen, Tiervermittlung und die Pflege kranker Katzen bedürfe großem Einfühlungsvermögen und einigen Tipps.

Zur Sache:

Am 24. März des heurigen Jahres erließ das Gesundheitsministerium eine Änderung der 2. Tierhaltungsverordnung, die auch für bäuerliche Katzenhalter massive Änderungen bringt: Schon bisher gab es eine allgemeine Kastrationspflicht für Katzen, die mit regelmäßigem Zugang ins Freie gehalten werden. Ausgenommen davon waren bisher Katzen, die zur kontrollierten Zucht verwendet wurden oder in bäuerlicher Haltung lebten.
Nunmehr lautet die einschlägige Bestimmung (Punkt 2 Absatz 10 der Anlage 1 der 2. Tierhaltungsverordnung): "Werden Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie gehalten, so sind sie von einem Tierarzt kastrieren zu lassen, sofern diese Tiere nicht zur Zucht verwendet werden." Diese Änderung führt dazu, dass grundsätzlich auch die Halter von Katzen auf Bauernhöfen verpflichtet sind, ihre Tiere kastrieren zu lassen. (Quelle: lko.at)
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