13.11.2016, 08:00 Uhr

KIZ Spittal: In der Krise immer da

Brigitte Burger und Nadja Schafferer

Das Kriseninterventionszentrum (KIZ) der pro mente in Spittal feiert sein zehnjähriges Bestehen.

SPITTAL (ven). Seit zehn Jahren gibt es das KIZ - Kriseninterventionszentrum der pro mente kijufa in Spittal. Dort können acht Kinder und Jugendliche in Krisensituationen kurzfristig untergebracht und betreut werden.

Auffangpunkt

"Wir nehmen Kinder und Jugendliche von vier bis 18 Jahren auf, zusätzlich haben wir noch zwei Notbetten", so Nadja Schafferer, stellvertretende Leiterin des KIZ. Maximal acht Wochen können sie untergebracht werden. "So kurz wie möglich, so lang wie nötig", lautet die Devise. Das KIZ ist ein Auffangpunkt, wenn es Konflikte in der Familie gibt, dazu gibt es auch psychologische Betreuung. Das elfköpfige Team besteht aus Psychologen, Pädagogen, Therapeuten.

Aus ganz Kärnten

Das KIZ, geleitet von Brigitte Burger, arbeitet sehr eng mit Sozialarbeitern und dem Jugendamt zusammen. "Wir bekommen auch oft Jugendliche aus Klagenfurt, wenn dort voll ist", so Schafferer, denn mit dem KIZ in Spittal gibt es kärntenweit nur zwei solcher Anlaufstellen. "Wenn Eltern wissen, dass es uns gibt, melden sie sich auch von selbst. Es gibt dann ein Elterngespräch und man versucht zu eruieren, wo die Schwierigkeiten liegen." Dann wird entschieden, ob die Unterbringung im KIZ erfolgt oder ob eine weitere ambulante Betreuung möglich ist. "Der Großteil der Jugendlichen ist zwischen zwölf und 16 Jahren alt. Derzeit haben wir eine reine Jungengruppe hier", so Schafferer.

Orientierung?

Konfliktsituationen entstehen, wenn es Gewalt, Alkohol oder Missbrauch in der Familie gibt. Auch bei Drogen- oder Schulproblemen, oder: "Mit 15, 16 Jahren sind die Kids oft orientierungslos und wissen nicht, wo ihr Leben sie hinführen soll."
Insgesamt sechs Zimmer gibt es im KIZ, davon vier Doppelzimmer. Die Kids werden je nach Problem, Geschlecht und Alter zusammengelegt. "Es muss schon passen und die Gruppen müssen natürlich harmonieren. Man muss schließlich auch hier auf Schutz der Kids achten." Das KIZ hat nun auch vermehrt mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu tun, wenn es Konfliktsituationen in den Quartieren gibt.

Rund um die Uhr

Geöffnet ist das KIZ rund um die Uhr, das ganze Jahr über. "Hier ist Struktur wichtig, weil viele das von zuhause auch nicht kennen. Wir haben Fixpunkte im Wochenprogramm wie zum Beispiel eine Haussitzung und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Abends wird auch gemeinsam gekocht, das Mittagessen bekommen wir vom Kolpingheim, großzügigerweise von der Strabag gesponsert", so Schafferer. Ansonsten wird die Einrichtung nur vom Land finanziert.

Buntes Programm

Austoben können sich die Jugendlichen auch im hauseigenen Turnsaal mit einer kleinen Boulderwand, einmal im Jahr wird auch eine Alm-Übernachtung organisiert. "Da auch Migranten ein Thema sind, haben wir ein Kulturprojekt gestartet. Einmal pro Woche wird interkulturell gekocht, die Kinder suchen sich ein Land aus."

An Grenzen stoßen

Damit die Betreuung funktioniert, hat jeder zwei Bezugsbetreuer und Helfergespräche. Auch ein kleines Taschengeld gibt es, "damit sie lernen, mit Geld umzugehen", so Schafferer, die über ein Praktikum im KIZ vor sechs Jahren "kleben geblieben" ist. "Es ist sehr abwechslungsreich, es gibt immer neue Klienten mit unterschiedlichen Problemen und es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu unternehmen." Dabei stoße man natürlich auch an die eigenen Grenzen. "Man nimmt auch hie und da Fälle 'mit heim', auch wenn man lernt, sich abzugrenzen", sagt sie. Dabei ist sie froh, gute Partner wie das Jugendamt, Familienintensivbetreuer, Sozialarbeiter, Kinder- und Jugendpsychiatrie Klagenfurt und das LKH Villach zu haben.

Gute Erinnerung

Schön sei es jedenfalls, wenn Jugendliche, die zur Betreuung dort waren, nach Jahren noch "hereinschneien" oder anrufen und erzählen, was sich seither bei ihnen so getan hat. "Es ist schön, wenn wir in guter Erinnerung bleiben", so Schafferer und Burger abschließend.

Zur Sache:

Einrichtung: KIZ - Kriseninterventionszentrum pro mente kijufa
Leitung: Brigitte Burger
Stellvertreterin: Nadja Schafferer
Team: Elf Personen aus Psychologen, Pädagogen, Therapeuten
Gegründet: 2006
Adresse: Villacher Straße 51, 9800 Spittal (Rückseite Zoo Spittal)
Plätze: Acht, mit zwei Notbetten
Zimmer: Sechs, vier davon Doppelzimmer mit Bad
Für: Kinder und Jugendliche zwischen vier und 18 Jahren
Geöffnet: Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr
Zusammenarbeit mit: Jugendamt, Familienintensivbetreuer, Sozialarbeiter, Kinder- und Jugendpsychiatrie Klagenfurt und das LKH Villach
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