15.05.2018, 08:07 Uhr

UPDATE: Ehemalige Schüler demonstrierten für Montessori-Klasse

Demonstration: Ehemalige Montessori-Schüler und Eltern der Volksschule West setzten sich für den Erhalt ein

Montessori-Klasse ja oder nein: Ehemalige Schüler und Eltern setzten sich nun für den Erhalt ein.

SPITTAL (aju). An der Volksschule West gehen die Wogen hoch. Für die Eltern sei die Existenz des Montessori-Traktes bedroht. Von Seiten der Direktorin seien nämlich die Information über Montessori-Möglichkeiten zurückgehalten und ein mehrstufiges Klassensystem präferiert angeboten worden. Für Direktorin Johanna Rauter-Verdianz würden hier Kinder und Eltern von Lehrerkollegen instrumentalisiert werden. Nun aber demonstrierten sogar ehemalige Schüler für den Erhalt.

Zerschlagung

Zum ersten Mal seit den 22 Jahren, an denen Montessori an der Volksschule West angeboten wird, gibt es heuer zu wenige Anmeldungen. Betroffene Eltern können sich dies nur durch ein bewusstes Verschweigen von Seiten der Schulleitung erklären, so sei die Möglichkeit für Montessori auch am Tag der offenen Tür niemals erwähnt worden. Die Rede ist von einer versuchten "Zerschlagung des Montessori-Zweiges" sowie "irreführenden Informationen und verwirrenden Reformplänen". Diese Diskussion allerdings könnte bald hinfällig werden, denn für eine Klasse bräuchte es 15 Anmeldungen. Neun gäbe es derzeit, jedoch habe der Landesschulrat, dessen zwei Söhne auch in Montessori-Klassen gehen, die Anmeldefrist verlängert.

Information ist wichtig

Auch Bettina Bärntatz vom Verein Funke ist sich sicher, dass hier entgegengewirkt wurde. "Informationsveranstaltungen über die Montessoripädagogik außerhalb und auch innerhalb des Schulgebäudes sowie Hospitationen für die Eltern waren in der heurigen Schul-Einschreibungsphase nicht mehr erlaubt", sagt Bärntatz. Mehrstufenklassen seien für sie keine Qualitätssteigerung. Ähnlich sieht das auch Eveline Skallar-Sittlinger, die die Demonstration angemeldet hat: "Die Kinder wollten selbst ein Zeichen für Montessori setzen."

Instrumentalisierung

Direktorin Johanna Rauter-Verdianz spricht hingegen von Instrumentalisierung. Im Großteil der Klassen werde mit reformpädagogischen Unterrichtsmethoden und Lehrmitteln unterrichtet. "Aus diesem Grund ist es uns wichtig, bestehende Klassenräume zu öffnen und so zu gestalten, dass in Zukunft eine noch größere Vielfalt für alle Kinder der VS West organisiert und angeboten werden kann." Deshalb ginge es für sie hier um eine Öffnung, nicht aber um eine Zerschlagung. "Dies so darzustellen entspricht nicht der Wahrheit und dem Bestreben der Schulleitung und der Institution VS West." Alle Schüler hätten nämlich das Recht auf gleiche Chancen, ihr Potenzial zu entfalten. "Mein Anliegen ist es, die im Schulentwicklungsprozess vorgesehene und nun für 2019/20 geplante Implementierung von Mehrstufenklassen, welche reformpädagogischen Unterricht verlangt, positiv und gemeinsam mit allen Beteiligten zu verwirklichen."

Leserbrief des Lehrerkollegiums

Das Lehrerkollegium der VS West äußert sich zur derzeitigen Situation:
"Wir Kollegen leben und genießen ein sehr wertschätzendes Miteinander über die Angebotsgrenzen der Schule hinaus und sehen diese gelebte Vielfalt in unserer Schule als große Bereicherung. Unser Lehrerteam ist hoch motiviert, engagiert, offen für Neues und immer bestrebt, jedem Schüler in jeder einzelnen Klasse den für ihn bestmöglichen Unterricht zu ermöglichen.
Wir wissen alle, dass das Zustandekommen der Angebotsklassen (Sport, Montessori und Musik) von der Gesamtschülerzahl des Jahrganges und vom Interesse der Eltern abhängt.
Das Schulentwicklungsziel „Mehrstufenklassen“ wurde gemeinsam im Lehrerteam entwickelt und wird von der Pädagogischen Hochschule Kärnten begleitet. Aus diesem Grund stehen wir vollinhaltlich zu unseren gemeinsam formulierten Zielvorhaben.
Wir empfinden das Engagement unserer Schulleiterin, Direktorin Rauter-Verdianz, als sehr motivierend und unterstützend für unsere tägliche Arbeit. Wir sehen daher diese Schulentwicklung sehr positiv und freuen uns, diese mit unserer Schulleiterin umzusetzen.
Wir wollen unsere Kräfte, Energien und Ressourcen ausschließlich für Arbeit mit den Kindern einsetzen und werden uns weiterhin um eine positive Weiterentwicklung unserer Schule und ein gelebtes wertschätzendes Miteinander Kinder – Eltern – Lehrer bemühen", alle Klassenlehrer der Musikklassen, Sportklassen, Regelklassen, Integrationslehrerinnen, Religionslehrerinnen, Schwimmlehrerin und Werklehrerin der VS West


Zur Sache

Unterstützung erhalten die Eltern auch von den Kindern, die sich mittels Briefen für die Erhaltung ihres Unterrichts-Traktes ausgesprochen haben. Hier wird nämlich vor allem Wert auf Freiarbeit und Offenes Lernen gelegt, Basis sind die Neugierde und der natürliche Forscherdrang des Kindes. Zu den Grundlagen der Montessori-Pädagogik gehört es, dass er Heranwachsende regelmäßig die Möglichkeit bekommt, den eigenen Interessen nachzugeben und Lerninhalte selbst wählen zu dürfen. Weiters steht das Montessori-Bildungskonzept für ein Lernen mit allen Sinnen, denn es gilt, die Natur und unsere Umwelt ganzheitlich zu erfassen und das Leben eigenständig erfahren und begreifen zu dürfen. Ganz nach dem Montessori-Leitbild: "Hilf mir, es selbst zu tun!"
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