31.05.2017, 12:01 Uhr

Zwist wegen Kletterern im Gößgraben

Eiskletterer ausgesperrt: Wer dennoch klettern geht, müsse mit einer Anzeige rechnen (Foto: KK/Rüscher)

Verfahrene Situation im Maltatal zwischen Bezirksbehörde, Gemeinde und Grundbesitzer.

MALTA (ven). Nachdem nun der Bescheid für das umstrittene Wildschutzgebiet im Maltatal von der Bezirksbehörde ergangen ist, gibt es weiteren Zwist im Gößgraben. Die Grundstückseigentümer werfen Bürgermeister Klaus Rüscher in einem Brief vor, zur Missachtung des Wildschutzgebietes aufzurufen.

Bescheid nach Faktenlage

Bezirkshauptmann Klaus Brandner will sich als Mediator sehen: "Ich habe im Maltatal eine Info-Veranstaltung gemacht und alle eingeladen. Der Bescheid für das Gebiet der Familie Zundel ist unbeeinflusst ergangen, aufgrund der Sach- und Faktenlage." Es lägen Gutachten von Wildbiologen und Forsttechnikern vor, rechtlich bleibe ihm nichts anderes übrig, als das umstrittene Gebiet, in dem sich laut Rüscher die besten Eiskletterfälle befänden, als Wildschutzgebiet zu erklären. Parteienstellung für Alpenverein oder Gemeinde sei hier rechtlich nicht vorgesehen. Jurist Arnold Riebenbauer sucht nun Schlupflöcher, um den Alpenverein dennoch ins Spiel bringen zu können.

Kein Gesprächsklima

"Es kam aber auch kein Gegen-Gutachten. Ich sehe ein, dass man juristisch eine andere Meinung haben kann, aber nicht, dass hier nicht miteinander gesprochen wird", so Brandner zur WOCHe. Zwischen Rüscher und Familie Zundel gäbe es schon jahrelang kein gutes Gesprächsklima. Natürlich brauche man den Tourismus in der Region, aber man müsse miteinander reden.

Nicht förderlich

Brandner erzählt von einem Fall im Seebachtal in Mallnitz, wo "absichtlich ein Bus aus Italien gechartert wurde, der 50 Kletterer in das Gebiet brachte." Diese Vorgangsweise sei für die Gesamtsituation "nicht förderlich." Er müsse mit seinem Team Gesetze vollziehen und dabei "kann man nicht jedem alles recht machen."

Zu Missachtung aufgefordert?

Nun zieht sich der Streit weiter bis in den Gößgraben. Die Grundeigentümer hätten festgestellt, dass nun vermehrt dort geklettert werden, es soll auch verstärkt auf sozialen Netzwerken dafür geworben werden. "Hierbei werden die bestehenden Wildschutzgebiete teils missachtet und sogar zur Missachtung im Internet aufgerufen." Es wird die schleichende Entwicklung eines möglichen Kletterparks befürchtet. Außerdem sei die Benützung des Gößgrabenweges von anderen Personen außer Anrainern widerrechtlich.

Man kann alles ausreden

"Es handelt sich nicht um einen Privatweg", so Bürgermeister Klaus Rüscher zur WOCHE. Der Weg gehöre je zur Hälfte dem Verbund und der Gemeinde. Rüscher habe die Verantwortlichen zu einem Gespräch geladen, "um einige Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Man kann alles ausreden." Er verwehre sich dagegen, dass Erholungssuchende durch Bezirksbehörde und Grundbesitzer kriminalisiert würden. "Wenn dies Schule macht, können wir als Bergsteigerdorf zusperren. Es wäre fatal für den Tourismus." Zur mangelnden Gesprächskultur mit Familie Zundel sagt er: "Ich habe oft schriftlich um ein Gespräch gebeten und bis dato noch keine Antwort bekommen."

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